«Werwolf-Syndrom» bei Kindern: Pharmafirma droht in Spanien Prozess – es soll Indizien für kriminelles Verhalten geben

Im Skandal um starken Haarwuchs bei kleinen Kindern durch ein falsch gekennzeichnetes Medikament in Spanien sollen die Verantwortlichen nun vor Gericht. Die Ankläger haben in Andalusien ein entsprechendes Verfahren gegen die verantwortliche Pharmafirma verlangt.

Hören
Drucken
Teilen
Eine Schülerin mit dem sogenannten «Werwolf-Syndrom» (Hypertrichose) in Thailand.

Eine Schülerin mit dem sogenannten «Werwolf-Syndrom» (Hypertrichose) in Thailand.

Bild: KEYSTONE/EPA/BARBARA WALTON
(sda/dpa)

Mindestens 23 Babys und Kinder im Alter von bis zu sieben Jahren waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom sogenannten «Werwolf-Syndrom» (Hypertrichose) betroffen. Die Ankläger beantragten nun beim zuständigen Gericht im andalusischen Málaga die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen ein Pharmaunternehmen, wie die Nachrichtenagentur Europa Press und andere Medien am Freitagabend unter Berufung auf Justizkreise berichteten. Es gebe Indizien für kriminelles Verhalten, hiess es.

Das Unternehmen Farma Química Sur hatte nach Angaben der spanischen Gesundheitsbehörden Packungen des Blutdruckmedikaments Minoxidil, das auch gegen Haarausfall verschrieben wird, als Magen-Darm-Wirkstoff Omeprazol gekennzeichnet. Einige Kinder, die das Mittel verabreicht bekamen, entwickelten ungewöhnlich starken Haarwuchs an Gesicht, Rücken und anderen Stellen. Der Fall war im August bekannt geworden.

Medikamente vom Markt genommen

Alle falsch gekennzeichneten Medikamente wurden im August auf Anordnung der Behörden vom Markt genommen. Die Fabrik von Farma Química Sur in Málaga wurde wegen «schwerer Nichteinhaltung der Kontrollregeln» umgehend für unbestimmte Zeit geschlossen. Im September nahm die Staatsanwaltschaft in Málaga Ermittlungen auf.

Betroffen waren Familien in Andalusien im Süden Spaniens, in Kantabrien im Norden und in Valencia im Osten. Betroffene Eltern erklärten gegenüber Medien, nach Absetzung des falschen Medikaments sei der Haarwuchs nur sehr langsam zurückgegangen. Auch wenn bei Minoxidil verschiedene Nebenwirkungen auftreten können, müssen sich die Eltern nach Angaben der Behörden im Prinzip keine Sorgen wegen dauerhafter Schäden machen. Einige Experten sehen das aber anders.

Hypertrichose kann genetische Ursachen haben, aber auch durch Medikamente wie Minoxidil ausgelöst werden.

Interview

Asperger-Syndrom: «Den Erkrankten etwas zutrauen»

Urs Gadient, Schulpsychologe auf der Regionalstelle Sargans des Schulpsychologischen Dienstes des Kantons St.Gallen, gibt Auskunft zu Fragen betreffend Schulkindern mit Asperger-Syndrom. Insbesondere zur Frage, ob sie in einer Regelklasse oder einer Sonderschule unterrichtet werden sollen.
Interview: Denise Alig