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Neue E-Zigaretten-Marke: Chef von Juul ist Nichtraucher

Die junge Firma Juul ist in den USA erfolgreich. Nun verkauft sie ihre trendigen E-Zigaretten auch in der Schweiz. Geschäftsleiter Green erklärt, warum er selbst nicht raucht und wie es Juul mit dem Jugendschutz hält.
Rainer Rickenbach
Jonathan Green, der Chef von Juul Labs (Bild: Nadia Schärli (Zürich, 3. Dezember 2018))

Jonathan Green, der Chef von Juul Labs (Bild: Nadia Schärli (Zürich, 3. Dezember 2018))

Jonathan Green, Sie stossen von Novartis Alcon zum E-Zigaretten-Hersteller Juul. Von einem Unternehmen, das Heilprodukte herstellt, zu einem andern, auf dessen Päckchen steht, der Inhalt könne nikotinabhängig machen.

Wir verkaufen mit den E-Dampfgeräten ein Produkt, das bedeutend weniger gesundheitliche Schäden anrichtet als die herkömmlichen Tabakzigaretten. Sicher, gesund sind auch sie nicht. Doch gemäss der britischen Gesundheitsbehörde sind E-Zigaretten um 95 Prozent weniger schädlich als Tabakzigaretten. So betrachtet bietet unser Produkt den Rauchern eine Hilfe an, gesünder zu leben. Es besteht also durchaus eine Parallele zu Alcon.

Trotzdem: Sie selbst sind Nichtraucher, selbst den E-Zigaretten entsagen Sie.

Ja, ich rauche nicht. Mein Vater starb mit 63 an einer Lungenkrankheit, die sein Zigarettenkonsum mitverursacht hat. Das hat mich geprägt.

Umso schwieriger ist es zu verstehen, dass Sie nun für Juul eine neue E-Zigarette in der Schweiz auf dem Markt bringen.

Sehen Sie, es ist das Nikotin, das es den Rauchern so schwer macht, mit dem Zigarettenkonsum aufzuhören. Unsere E-Dampfgeräte beinhalten zwar Nikotin - aber ohne den rund 7000 Chemikalien, die ein Tabakzigaretten-Raucher sonst noch einnimmt. Wir bieten so einen Weg zum Umsteigen an. Jährlich sterben in der Schweiz 9500 Raucher an den Folgen des Tabakkonsums. Juul hat vor, die rund 1,8 Millionen erwachsenen Raucher in der Schweiz von ihrem Produkt überzeugen. Nichtraucher gehören nicht zu unserer Zielgruppe.

E-und Dampfzigaretten gibt es schon seit Jahren zu kaufen. Wie hebt sich Juul von der Konkurrenz ab?

Unser schlichtes und handliches Design und die einfache Bedienung kommen bei den erwachsenen Rauchern gut an. In den USA hat Juul bei den E-Zigaretten einen Marktanteil von über 70 Prozent. Im Juni sind wir in Grossbritannien gestartet, nun folgt die Schweiz als zweites Land.

Das Produkt mag erfolgreich sein. Doch «Juuling» steht in den USA wegen des hohen Nikotingehaltes und seiner Verbreitung unter Teenagern in der Kritik.

Juul hält sich an die geltenden Gesetze und geht wo nötig mit eigenen, strengeren Auflagen auch darüber hinaus. Wir unternehmen sehr viel, dass unsere Produkte nicht in die Hände von Minderjährigen gelangen. Was den Nikotingehalt angeht: In den USA sind E-Zigaretten mit 50 Milligramm Nikotin-Anteil zulässig, in der EU und der Schweiz liegt die gesetzliche Obergrenze bei 20 Milligramm.

Mit trendigem Design, mit Geschmacksrichtungen von verschiedenen Früchten und der gezielten Präsenz in den sozialen Medien wecken Sie genau aber das Interesse der Jugendlichen.

Die Branche der E-Dampfgeräte ist immer noch relativ neu. Sie lernt ständig dazu. In den USA arbeiten wir mit den Gesundheitsbehörden zusammen. Ein Ergebnis davon ist, dass wir aus Gründen des Jugendschutzes auf den sozialen Medien nicht aktiv sind. Das handhaben wir auch in der Schweiz so. Unsere Werbung richtet sich an die erwachsenen Raucher. Auf unseren Werbebildern sind zum Beispiel 28-Jährige und Ältere zu sehen. Unsere Botschaften richten sich an Erwachsene.

Hinweis

Der britisch-schweizerische Doppelbürger Jonathan Green (46) ist Geschäftsleiter von Juul Schweiz. Zuvor arbeitete er bei der Novartis-Tochtergesellschaft Alcon.

Beim Jugendschutz besteht in der Schweiz für E-Zigaretten zurzeit eine Gesetzeslücke. Die Branche hat sich mit eigenen Regeln Zurückhaltung auferlegt. Gilt sie auch für Juul?

Ja, wir haben den Verhaltenskodex der Swiss Vape Trade Association Mitte November unterzeichnet. Er entspricht ganz unserer Linie, denn unsere Produkte sind für Erwachsene.

Sie vertreiben Juul über die Kioskkette Valora. Dort haben die Angestellten Erfahrung mit Alterskontrollen. Doch wie kontrollieren Sie die Altersbeschränkung im Internethandel?

Wir prüfen bei der Bestellung das Alter, es wird zusätzlich bei der Auslieferung nochmals geprüft. Wir haben also eine sichere Altershürde eingerichtet. Es wird bestimmt nicht genügen, einfach auf dem Bildschirm anzuklicken, erwachsen zu sein.

Welchen Marktanteil streben Sie auf dem Schweizer E-Zigaretten-Markt an?

Ein Businessplan liegt vor. Doch dessen Details kommunizieren wir nicht gegen aussen.

Ein Raucher zahlt für ein Päckchen Tabakzigaretten je nach Marke zwischen 7 und 9 Franken. Wie teuer kommt ihn Juul zu stehen?

Ein Pod von Juul entspricht etwa einem Päckchen Tabakzigaretten. Vier Pods kosten 17.95 Franken. Man kann den Preis nicht exakt vergleichen, die E-Dampfgeräte sind aber tendenziell etwas günstiger als herkömmliche Zigaretten.

… und bieten den Rauchern genau so viel Genuss?

Genuss lässt sich nicht messen. Unsere Erfahrungen in den USA machen aber deutlich, dass 64 Prozent unserer Kunden nicht ein weiteres Mal damit beginnen, zu Tabakzigaretten zu greifen.

Alternative zu Tabakzigaretten

Der E-Zigaretten-Hersteller Juul ist ein Startup-Unternehmen in San Francisco. Es wurde erst vor drei Jahren gegründet und ist auf dem amerikanischen Mark sehr erfolgreich. Am Dienstag lancierte er sein Dampfgerät in der Schweiz. Es handelt sich dabei um ein geschlossenes Dampftechnologie-System, das zwar Nikotin, aber kein Teer, Kohlenmonoxid oder andere giftige Chemikalien enthält. Die Pods gibt es mit den Geschmacksrichtungen Tabak, Mint, Mango und Royal Creme. Juul wird über die Kioskkette Valora, Press & Books, Avec und einen eigenen Internetshop vertrieben. Das Unternehmen preist die Juul-Dampfgeräte als «sinnvolle Alternative» zu den herkömmlichen Tabakzigaretten an. In der Schweiz gibt rund 1,78 Millionen Raucherinnen und Raucher.

JTI Schweiz mit Sitz in Dagmersellen ist seit diesem Sommer mit einer eigenen E-Zigarette auf dem Markt. Bereits ein Jahr zuvor hatte sie das Tabakdampfprodukt Ploom lanciert. «Wir sind zufrieden mit den neuen Produkten, die Nachfrage ist steigend. Allerdings bevorzugt die grosse Mehrheit der Raucher nach wie vor die herkömmlichen Tabakzigaretten», sagt JTI-Sprecher Kevin Suter. Dass eine neue internationale Marke auf dem Schweizer Markt mitwirkt, begrüsst er grundsätzlich. «Wichtig ist, dass sich alle Teilnehmer an die Spielregeln halten und den Jugendschutz ernst nehmen», so Suter.

Lungenliga rät von E-Zigaretten ab

Die Lungenliga Schweiz rät von E-Zigaretten ab. «Weil der Verbrennungsprozess entfällt, mögen sie zwar weniger Schadstoffe im menschlichen Körper verbreiten als Tabakzigaretten. Doch auch sie enthalten Nikotin, das schnell süchtig macht», sagt Sprecherin Regula Grünwald. Hinzu kämen chemische Stoffe, die im Verdacht stehen, Atemwege und Lunge zu reizen und längerfristig zu schaden. Grünwald: «Die längerfristigen Folgen der E-Zigaretten auf die Gesundheit sind noch nicht erforscht.» (rr.)

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