Flugzeugbauer Airbus fährt Milliardenverlust ein

Die Corona-Krise hat den Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus tief in die roten Zahlen gerissen. Weil die Zahl der Flugzeugauslieferungen einbrach, stand im zweiten Quartal unterm Strich ein Verlust von mehr als 1,4 Milliarden Euro,.

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Der Flugzeugbauer Airbus fährt die Produktion seines Langstreckenjets A350 stärker zurück als zunächst geplant.

Der Flugzeugbauer Airbus fährt die Produktion seines Langstreckenjets A350 stärker zurück als zunächst geplant.

KEYSTONE/EPA/ANDY RAIN
(sda/awp/dpa)

Der Flugzeugbauer drosselt zudem die Produktion seines erfolgreichen Langstreckenjets A350 weiter, wie er am Donnerstag in Toulouse mitteilte. «Diese Ergebnisse spiegeln die Auswirkungen von Corona wider, die durch unsere Anpassungsmassnahmen abgemildert worden», sagte Chef Guillaume Faury und gab sich trotz Krise betont positiv.

Es handle sich um eine schwierige Situation mit viel Ungewissheit, so der 52-Jährige Franzose, der seit knapp anderthalb Jahren an der Spitze von Airbus steht. «Mit den Entscheidungen, die wir getroffen und nun umgesetzt haben, glauben wir, dass wir uns in unserer Branche in einer angemessenen Position befinden, um diese herausfordernden Zeiten zu meistern», sagte Faury in einer Telefonkonferenz.

Stellenabbau bereits angekündigt

Airbus hatte bereits angekündigt, rund 15 000 Stellen weltweit streichen zu wollen. Eine Überraschung war das nicht. Der Konzern hatte zuvor erklärt, für zwei Jahre die Produktion und Auslieferungen um 40 Prozent zu drosseln. Die Produktion des jüngsten Langstreckenjets A350 soll nun noch stärker zurückfahren werden als geplant. Statt sechs sollen nur noch fünf Maschinen des Typs pro Monat die Werkshallen verlassen. Das entspricht rund der Hälfte des Vorkrisenniveaus.

Faury will nun vor allem den Geldabfluss im Konzern stoppen. Übernahmen und Finanzierungen für Kunden herausgerechnet, solle im zweiten Halbjahr unter dem Strich kein Geld mehr aus dem Konzern abfliessen, kündigte der Manager an. Eine neue Prognose für Umsatz und Ergebnis im laufenden Jahr wagte er weiter nicht.

Der Flugverkehr war wegen der Corona-Pandemie zusammengebrochen, Faury hatte immer wieder von der schwersten Krise seit Beginn der Luftfahrtindustrie gesprochen. Derzeit parkt Airbus massenhaft fabrikneue Maschinen auf Flughäfen, weil die Kunden sie nicht abnehmen. Ziel sei es nun, die Auslieferungs- und Produktionsraten auf ein ähnliches Niveau zu bringen, sagte Finanzchef Dominik Asam.

Bestellflaute

Noch im vergangenen Jahr sah es für Airbus rosig aus. Der Konzern verbuchte für das erste Halbjahr 2019 einen Gewinn von knapp 1,2 Milliarden Euro. Schliesslich konnte Airbus dem US-Konkurrenten Boeing sogar den Titel als weltgrösster Flugzeugbauer abjagen.

Davon ist nun nicht mehr viel übrig - die Bestellflaute setzt dem Konzern massiv zu. Faury versuchte nun aber, trotz Krise optimistisch in die Zukunft zu schauen. «Wir bereiten weiterhin die Zukunft vor», sagte er. Man schütze Schlüsselprojekte wie etwa den neuen Langstreckenjet A321 XLR. «Wir glauben an eine lange und langsame Genesung», sagte er mit Blick auf die gesamte Branche.

Auch der Handelsstreit mit den USA belastet den Flugzeugbauer. Dieser dauert seit mehr als 15 Jahren an, die USA und die EU beschuldigen sich gegenseitig illegaler Beihilfen für die Luftfahrtkonzerne Airbus und Boeing. Die Welthandelsorganisation WTO hatte den USA Strafzölle auf europäische Exporte im Wert von bis zu 7,5 Milliarden Dollar pro Jahr genehmigt. Die USA machen davon kräftig Gebrauch - so gilt etwa auf Flugzeugimporte eine Sonderabgabe in Höhe von 15 Prozent.

Für den ewigen Konkurrenten Boeing sind es ebenfalls schwere Zeiten. Dieser hatte am Mittwoch angekündigt, den Bau des Jumbo 747 in zwei Jahren komplett einzustellen. Anfang 2019 hatte Airbus angekündigt, die Produktion seines Riesenjets A380 mangels Nachfrage zu beenden. Boeing ist tief gezeichnet von der Corona-Pandemie und dem Debakel um den nach zwei Abstürzen mit Flugverboten belegten Krisenjet 737 Max. Im zweiten Quartal stand bei dem US-Konzern unter dem Strich ein Verlust von rund 2,4 Milliarden Dollar.