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Germania beantragt Insolvenz - Schweizer Gesellschaft fliegt weiter

Die Berliner Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und ihren Flugbetrieb umgehend eingestellt. Die Schweizer Airline Germania Flug, die ab Zürich etwa 20 Destinationen bedient, will davon unbeirrt weiter fliegen.
Christoph Reichmuth, Berlin
Germania in Deutschland ist pleite - doch der Schweizer Ableger fliegt noch. (Bild: KEYSTONE/APA/ZB/BERND SETTNIK)

Germania in Deutschland ist pleite - doch der Schweizer Ableger fliegt noch. (Bild: KEYSTONE/APA/ZB/BERND SETTNIK)

Die Maschine mit der Nummer ST371 aus Fuerteventura landete in der Nacht auf gestern um 1.15 Uhr auf dem Flughafen Nürnberg. Es war die letzte Reise eines Flugzeuges der Fluggesellschaft Germania. Noch in der Nacht wurde der Flugbetrieb eingestellt, die Airline und das Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen sowie die Germania Flugdienste GmbH haben beim Amtsgericht in Berlin die Insolvenz beantragt. 1100 Mitarbeiter – Crew, Bodenpersonal, Verwaltungsmitarbeiter und Techniker – stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Durch die Insolvenz der Germania wird die deutsche Flugzeugbranche zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate hart getroffen. Ende 2017 musste die Airberlin ihr Aus bekanntgeben, nun trifft es auch den mit etwa 1100 Mitarbeitern kleineren Anbieter Germania. Nach eigenen Angaben beförderte die Airline mit ihren insgesamt 37 Flugzeugen jährlich vier Millionen Passagiere und steuerte sechzig Ziele in Europa, Nordafrika sowie dem Nahen und Mittleren Osten an. Zum Vergleich: Der Lufthansa-Konzern, zu dem auch die Swiss gehört, ist 2017 auf 130 Millionen Passagier gekommen, die Swiss alleine beförderte 19 Millionen Passagiere.

Schweizer Airline: «Sind auf Kurs»

Die Insolvenz trifft nicht nur die Mitarbeiter und viele kleinere Flughäfen in Deutschland, die vom Geschäft mit Germania abhängig sind. Hunderte von Passagieren sitzen entweder im Ausland fest oder ihre bereits gebuchten Tickets verlieren ihre Gültigkeit. Fluggäste, die ihre Tickets direkt bei Germania gebucht haben, haben keinen Anspruch auf eine Ersatzbeförderung. Sie müssen neue Flüge auf eigene Kosten buchen. Die Fluggesellschaften Lufthansa, Swiss und Austrian Airline haben den Betroffenen bereits Flüge zu Spezialkonditionen angeboten, auch die Lufthansa-Tochter Eurowings, Condor und der Reiseveranstalter TUI fly wollen gestrandete Passagiere vergünstigt nach Deutschland zurückbefördern. Besser ergeht es Fluggästen, die eine Reise mit Germania über eine Pauschalreise gebucht haben. Der Reiseveranstalter muss in diesem Fall für eine Ersatzbeförderung sorgen.

Berichte über finanzielle Engpässe bei der 1986 in Köln gegründeten Airline machten seit Wochen die Runde. Bereits kurz vor dem Jahreswechsel benötigte die Germania 20 Millionen Euro, um den Flugbetrieb aufrechterhalten zu können. Die Fluggesellschaft konnte die Januar-Löhne ihrer Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. Bereits in den vergangenen Jahren schrieb die Germania tiefrote Zahlen.

Nicht betroffen von der Insolvenz ist die Schweizer Schwesterfirma Germania Flug AG. An der 2014 gegründeten Schweizer Germania Flug AG mit Firmensitz in Opfikon ZH mit seinen 50 Mitarbeitern und den drei Flugzeugen ist die Germania zu 40 Prozent beteiligt, der restliche Aktienanteil ist in den Händen von Schweizer Privatinvestoren. Die Schweizer Airline bedient 13 Ziele in Nordafrika und Europa und fliegt unter anderem auch regelmässig Pristina im Kosovo an. Bei der Germania Flug AG verweist ein Sprecher auf die offizielle Medienmitteilung. Die Germania Flug AG sei durch die Insolvenz «nicht betroffen», heisst es. Der Verwaltungsrat der Germania Flug AG, Urs A. Pelizzoni, beteuert, dass der Flugbetrieb aus der Schweiz planmässig weitergeführt werde. «Wir sind auf Kurs, der laufende Winterflugplan und der Sommerflugplan 2019 werden wie geplant aufrechterhalten und die Planung für den Winter 2019/2020 läuft bereits.»

Finanzielle Probleme wegen steigender Kerosinpreise

Die finanziellen Probleme der Germania spitzten sich im letzten Sommer unter anderem wegen steigender Kerosinpreise zu, hinzu ist nach eigenen Angaben eine «aussergewöhnliche Anzahl technischer Serviceleistungen» dazugekommen. Die letzten Monate haben viele kleinere europäische Fluggesellschaften finanziell nicht überlebt, darunter die Berner Regionalfluggesellschaft Skywork. «Die europäische und deutsche Luftfahrtindustrie erleben ihre wohl schwierigste Phase seit dem Zweiten Weltkrieg», stellt das «Handelsblatt» fest.

Der renommierte Luftfahrtexperte Cord Schellenberg sagt auf Anfrage, dass es für mittlere bis kleine Ferienfluggesellschaften schwerer geworden sei, sich zu behaupten. «Airlines wie die Germania befinden sich im Sandwich zwischen den klassischen Fluggesellschaften, die inzwischen ebenfalls die Feriendestinationen ansteuern, und den typischen Low-Cost-Airlines wie Easyjet oder Ryanair», so Schellenberg.

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