Chefredakteur von Ungarns grösstem Internet-Portal entlassen

Auf Druck der Eigentümer aus dem Umkreis der rechtsnationalen Regierungspartei Fidesz ist der Chefredakteur des grössten unabhängigen Nachrichtenportals in Ungarn entlassen worden.

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Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban trifft zum EU-Gipfel im Gebäude des Europäischen Rates ein. Bei dem zweitägigen Sondergipfel in Brüssel geht es konkret um den Vorschlag der EU-Kommission, 750 Milliarden Euro an den Finanzmärkten aufzunehmen und das Geld dann in ein Konjunktur- und Investitionsprogramm zur Bewältigung der Corona-Wirtschaftskrise zu stecken. Foto: John Thys/AFP Pool/AP/dpa

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban trifft zum EU-Gipfel im Gebäude des Europäischen Rates ein. Bei dem zweitägigen Sondergipfel in Brüssel geht es konkret um den Vorschlag der EU-Kommission, 750 Milliarden Euro an den Finanzmärkten aufzunehmen und das Geld dann in ein Konjunktur- und Investitionsprogramm zur Bewältigung der Corona-Wirtschaftskrise zu stecken. Foto: John Thys/AFP Pool/AP/dpa

Keystone/AFP Pool/AP/John Thys
(sda/dpa)

Szabolcs Dull habe durch sein Agieren die Marktposition des Portals «index.hu» beeinträchtigt, erklärte Laszlo Bodolai, der Präsident der Stiftung, die als formelle Eigentümerin der Webseite fungiert.

«index.hu» vermochte sich bis vor kurzem trotz des schwierigen Eigentümerumfelds die Unabhängigkeit zu bewahren. Damit erregte es das Missfallen von Ministerpräsident Viktor Orban. Dieser hat in den vergangenen Jahren die meisten Medien des Landes unter seine Kontrolle gebracht.

Das Betreiberunternehmen des Portals war vor drei Jahren in den Besitz Fidesz-naher Unternehmer gelangt. Die dazwischengeschaltete Stiftung garantierte vorerst seine Unabhängigkeit. In der Zwischenzeit wurde aber das Anzeigengeschäft ausgegliedert und der direkten Kontrolle der eigentlichen Eigentümer unterstellt.

Vor einem Monat verstärkte sich der Druck der Eigentümer auf Stiftung, Geschäftsführung und Redaktion, durch eine Umstrukturierung der Redaktion auf eine regierungsfreundlichere Berichterstattung umzuschwenken. Dull verliess damals im Protest die Geschäftsführung, blieb aber Chefredakteur. Die Redaktion stufte sich auf einer selbst geschaffenen Skala, die von «unabhängig» bis «nicht unabhängig» reicht, auf die Mittelstufe «gefährdet» herunter.

Die Entlassung Dulls sahen Beobachter als mögliche Vorstufe zu einer direkten Übernahme des Portals durch regierungsnahe Kreise. Angebliche «Marktverluste» waren auch in der Vergangenheit immer wieder vorgeschoben worden, wenn von Orban abhängige Unternehmer Übernahmen von bis dahin unabhängigen Medien durchzogen.