Bayer mit Verlust - Glyphosat-Vergleich wird wohl teurer

Milliardenschwere Abschreibungen im Agrargeschäft haben Bayer im dritten Quartal einen Verlust eingebrockt. Unter dem Strich schrieb das Unternehmen ein Minus von 2,74 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 1,036 Milliarden vor Jahresfrist.

Drucken
Teilen
Die Glyphosat-Klagen gegen die US-Tochter Monsanto kommen Bayer teuer zu stehen.

Die Glyphosat-Klagen gegen die US-Tochter Monsanto kommen Bayer teuer zu stehen.

KEYSTONE/DPA-Zentralbild/PATRICK PLEUL
(sda/awp/reu)

Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) fiel um mehr als 21 Prozent auf 1,795 Milliarden Euro, wie der Pharma- und Agrarchemiekonzern am Dienstag mitteilte. Dabei wirken sich auch negative Währungseffekte belastend aus. Der Umsatz sank um 13,5 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro, währungsbereinigt stand ein Rückgang von gut fünf Prozent zu Buche.

Die bereits im Sommer gesenkten Jahresziele bekräftigte Bayer. Die Auswirkungen der Pandemie verstärkten aber die Belastungen für die Agrarsparte Crop Science, sagte Finanzchef Wolfgang Nickl. Hinzu kämen negative Währungseffekte wie die massive Abwertung des brasilianischen Real, die das Geschäft im zweitgrössten Agrarmarkt der Welt deutlich belastet habe.

Die Wertberichtigungen in der Sparte wirken sich im dritten Quartal mit insgesamt 9,25 Milliarden Euro aus. Bayer hatte bereits Ende September angekündigt, dass wegen der eingetrübten Aussichten in der Agrarsparte von einer Sonderabschreibung auf Vermögenswerte im mittleren bis oberen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich ausgegangen werde.

Glyphosat-Vergleich wird wohl mehr kosten

Just diesen Bereich hatte Bayer durch die milliardenschwere Übernahme des US-Konzerns Monsanto deutlich ausgebaut - und sich eine Klagewelle wegen des angeblich krebserregenden Unkrautvernichters Glyphosat ins Haus geholt. Ende Juni hatte sich das Unternehmen in dem Rechtsstreit mit einem Grossteil der Kläger geeinigt.

Der Vergleich dürfte nun aber teurer werden als angenommen. Bayer geht davon aus, dass das Konzept für die Lösung möglicher künftiger Klagen etwa zwei Milliarden kosten wird und damit mehr als die ursprünglich erwarteten 1,25 Milliarden. Im Sommer war der Konzern davon ausgegangen, dass für den Vergleich und mögliche künftige Fälle bis zu 10,9 Milliarden Dollar fällig werden.

Der Vorschlag zum Umgang mit möglichen künftigen Klagen geriet aber ins Wanken, nachdem der zuständige US-Bezirksrichter Chhabria daran Zweifel geäussert hatte. Dieses Konzept wurde deshalb überarbeitet, Bayer hatte zuletzt erklärt, dabei Fortschritte erzielt zu haben.