Airbus hat wieder die Nase vorn

Der europäische Flugzeugbauer Airbus sticht bei seinem Heimspiel in Le Bourget den US-Rivalen Boeing aus. Insgesamt verdüstern sich aber die Aussichten der Luftfahrtindustrie.

Stefan Brändle, Paris
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Der Flugzeugbauer Airbus will mit einer neuen Version des Modells A321neo durchstarten. Das Modell mit dem Namen A321XLR wird das Schmalrumpf-Flugzeug mit der längsten Reichweite. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Der Flugzeugbauer Airbus will mit einer neuen Version des Modells A321neo durchstarten. Das Modell mit dem Namen A321XLR wird das Schmalrumpf-Flugzeug mit der längsten Reichweite. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Guillaume Faury macht einen ganz zufriedenen Eindruck, wie er auf einem Barhocker sitzend die Weltpresse zur Plauderstunde empfängt. Seit zwei Monaten oberster Airbus-Chef, hat der 51-jährige Franzose das Glück auf seiner Seite: Während sein deutscher Vorgänger Tom Enders letztes Jahr noch weniger Bestellungen als Boeing eingefahren hatte, kann Faury bei der Aeromesse in Le Bourget mächtig auftrumpfen.

Mit einer verlängerten Version des A321 präsentierte er ein neues Flugzeug, das bis zu 8700 Kilometer weit fliegen kann. Das ist Rekord für die mittlere Grösse mit 200 bis 220 Passagieren. Der A321XLR bringt inklusive Ladung 35 Tonnen weniger Gewicht auf die Waage und verbraucht damit 10 Tonnen weniger Kerosin. Diese Ersparnis von 45 Tonnen erlaubt kleineren Airlines günstige Direktflüge wie Paris–Chicago, Frankfurt–Mumbai oder Tokio–Südaustralien. Bis zu dreissig Prozent Sprit spare das neue Flugzeug gegenüber den «anderen Anbietern», sagte Faury.

Rivale Boeing im Hintertreffen

Damit meint er natürlich Boeing. Der US-Konzern plant seinerseits ein weit fliegendes Mittelstreckenflugzeug, das den Projektnamen New Midsize Aircraft trägt, in der Branche aber schon B797 genannt wird. Mit seinem A321XLR hat Airbus aber mehrere Jahre Vorsprung. In Le Bourget heimste Faury gleich eine grosse Bestellung ein: Die kalifornische Air Lease Corporation bestellte 27 Exemplare des A321XLR. Das Gerangel kleinerer Maschinen um die langen Strecken illustriert auch einen Strategiewechsel der Europäer. Mit dem Ende des Doppelstöckers A380 verabschiedet sich Airbus von den Riesenflugzeugen, die grosse Hub-Flughäfen, meist Drehkreuze einzelner Airlines, ansteuern. Trumpf sind nun kleinere Maschinen, die auch Regionalflughäfen «point to point» bedienen.

Faurys zufriedene Miene kontrastierte mit der demonstrativen Zerknirschung, die den Boeing-Managern offensichtlich auferlegt worden war. In dem Pariser Privatflughafen Le Bourget entschuldigten sie sich formell für die zwei tödlichen Abstürze der B737Max. Und da ein Unglück nicht allein kommt, gab der Zulieferer GE Aviation am Montag bekannt, dass Motorenprobleme für den neuen 777X eine Startverzögerung von mehreren Monaten verursachen dürften.

Politische Unsicherheiten

Angesichts der zu erwarteten Bestellungsflut für Airbus ist damit zu rechnen, dass die Europäer am Ende der Luftfahrtmesse – und womöglich auch noch am Jahresende – wieder die Nase vor Boeing haben. Das ganz grosse Strahlen setzte Faury beim Airbus-Heimspiel aber auch nicht auf. Dafür sind die globalen Konjunkturaussichten zu unsicher. Das zeigte am Montag Lufthansa mit einer Gewinnwarnung: Ihr bereinigter Profit werde nur noch zwischen 2 und 2,4 Milliarden Euro liegen und damit geringer als erwartet ausfallen, liess die deutsche Airline verlauten. Ihre Aktie, aber auch die von Konkurrenten wie Air France oder British Airways, verloren darauf stark an Wert.

Schuld sind das lahmende Frachtgeschäft, steigende Kerosinpreise sowie Handelsstreitigkeiten. Letztere machen den global produzierten und verkauften Flugzeugen schwer zu schaffen. Und Airbus könnte nach Expertenansicht in dem Konflikt vor der Welthandelsorganisation stärker leiden als Boeing: Vermutlich werden die Amerikaner schneller die Befugnis erhalten, die Europäer mit Strafzöllen zu belegen. Ausserdem bedroht ein harter Brexit vor allem die Airbus-Fertigung.