«Xam» - Dribbler, Torschütze und Namensgeber

Max Abegglen, Xam genannt, ist der Schweizer Fussballer, nach dem ein bekannter Verein benannt ist: Neuchâtel Xamax. Heute vor 50 Jahren stirbt der trickreiche Stürmer im Alter von 68 Jahren.

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Max «Xam» Abegglen, wie er war. Undatierte Aufnahme aus den Dreissigerjahren
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Schiedsrichter Baert Louis und die Captains, der Schweizer Max Abegglen (links) und der Deutsche Fritz Szepan bei der Platzwahl vor dem Länderspiel Schweiz - Deutschland im Hardturm-Stadion in Zürich, aufgenommen am 2. Mai 1937. Die Schweiz verlor 0:1
Max Abegglen (rechts) im Länderspiel Schweiz - Italien im Oktober 1933 in Genf. Der spätere Weltmeister Italien siegte 3:0
Max «Xam» Abegglen nimmt für die Grasshoppers einen Pokal entgegen Undatierte Aufnahme aus den Dreissigerjahren
Die Brueder Trello, Xam und Jean Abegglen (von links) vor dem Spiel Cantonal Neuenburg - USS Paris, aufgenommen im Jahr 1925 in Neuenburg

Max «Xam» Abegglen, wie er war. Undatierte Aufnahme aus den Dreissigerjahren

Keystone/PHOTOPRESS-ARCHIV/STR
(sda)

Die Nachricht traf die Schweiz am 25. August 1970 unerwartet und verbreitete Trauer. Max «Xam» Abegglen war in den Ferien in Zermatt an einem Herzschlag gestorben. Noch kurz vorher hatte ihn die Fachzeitung «Sport» in Zürich unter die Kandidaten für eine Leserwahl zum Schweizer Sportler des Jahrhunderts gereiht.

Ebenfalls vorher in diesem Jahr 1970 war Neuchâtel Xamax entstanden, durch eine Fusion des in früheren Jahrzehnten schon erfolgreich gewesenen FC Cantonal Neuchâtel und dem FC Xamax, der als kleiner Verein schwere Zeiten durchgemacht hatte.

Der FC Xamax selbst war 1912 eine Gründung von Buben des Neuenburger Lateingymnasiums. Sie nannten den damals zehnjährigen Max, ihren Besten, Xam und ihr Pflänzchen von Klub Xamax. Cantonal war am Ort übermächtig und wurde 1916 Schweizer Meister. Ebenfalls 1916 wurde der FC Xamax erwachsen. Er hielt die erste Vereinsversammlung und den ersten offiziellen Match ab.

Max Abegglen verdiente sich seinen Platz in der Geschichte des Schweizer Fussballs allerdings nicht nur mit Wortspielen und Klubgründungen. Er war einer der Besten seiner Zeit.

Er spielte eine Saison bei Cantonal (1918/19), danach vier Jahre in Lausanne. Er war schon ein Jahr bei seinem definitiven Verein GC tätig, als er die Nationalmannschaft 1924 mit sechs Toren in den Final des Olympia-Turniers in Paris führte. Der Final gegen Uruguay ging 0:3 verloren, aber was die Nati als Aussenseiterin bis dorthin mit Siegen gegen die Tschechoslowakei, gegen Italien und Schweden geleistet hatte, war grossartig. In Paris wurde die Schweiz als beste europäische Mannschaft Europameister. Aber der Titel wurde nie offizialisiert.

14 Jahre später egalisierte der sieben Jahre jüngere Bruder André «Trello» Abegglen Maxens individuelle Leistung, und zwar - ebenfalls in Paris - mit dem Triumph der Nati über die Nazis im Achtelfinal-Wiederholungsspiel der Weltmeisterschaft in Frankreich. Der erste Match zwischen der Schweiz und Grossdeutschland endete 1:1. Trello traf. In der Wiederholung siegte die Schweiz unter Trainer Karl Rappan nach einem 0:2-Rückstand 4:2. Trello traf zweimal.

Zu einer Zeit, als die Biografien der Spieler noch nicht per Mausklick abrufbar waren, wollten Journalisten aus aller Welt von der Schweizer Delegation wissen, ob dies der Abegglen von 1924 sei. Dieser war ihnen in Erinnerung geblieben, denn Xam wurde als der grösste Spieler des Olympiaturniers 1924 bezeichnet, obwohl damals längst noch keine Allstar-Mannschaften erkoren wurden.

Klein an Wuchs, gross an Wirkung

Als Stürmer war Xam Abegglen kein gewaltiger Brecher. Meistens war er der Kleinste in der Mannschaft. Als seine Stärken galten das blitzschnelle Erfassen der Situationen und die geplanten, einstudierten Tricks. Dieses Repertoire machte ihn unberechenbar und deshalb gefährlich. Zu einem gewissen Teil war er auch Mittelfeldspieler. Er konstruierte Angriffe, die nachher ein anderer oder er selber abschloss.

Auf den Plätzen und in den Stadien der Schweiz wurde in den Zwanziger- und Dreissigerjahren vermutlich nicht mancher Spieler so oft gefoult wie er. Im damals verbreiteten Polizistenfussball mit strenger Manndeckung begegnete er so manchem Eisenfuss. Er nahm die Tritte in Kauf und blieb ohne Revanchegedanken und ohne gravierende Verletzungen.

Mit dem Wechsel zu den Grasshoppers, denen er 19 Jahre lang treu blieb, stellten sich für Max Abegglen die nationalen Erfolge ein. Bis 1942, als er die Karriere mit knapp 40 Jahren beendete, wurde er als Schlüsselspieler sechsmal Schweizer Meister und fünfmal Cupsieger. Bei zwei Meistertiteln war Trello Abegglen Sturmpartner. Trello kam im November 1944, mit 35 Jahren, bei einem Eisenbahnunglück ums Leben.

Zahlen aus der Nati, die Max Abegglen zurücklässt, sind beeindruckend. So erzielte er 34 Tore. Nur Alex Frei war, mit 42 Toren, erfolgreicher.

Nach der Karriere blieb Max Abegglen als Geschäftsmann in Zürich. Im Fussball war er jetzt Zuschauer, aber jahrelang auch Dozent über Fussball an der ETH.

In den Berichten über die Nationalmannschaft wurden Max und Trello auch Abegglen II respektive Abegglen III genannt. Und wer war Abegglen I? Es war Jean Abegglen, mit Jahrgang 1899 der Älteste der drei Brüder. Er war nicht so erfolgreich wie Xam und Trello, aber auf immerhin drei Länderspiele brachte auch er es. Er überlebte seine Brüder und starb 1980.