Wie eine Basketball-Doku über Michael Jordan den Amerikanern in der Coronakrise Halt gibt

Die US-amerikanische Gesellschaft ist in der Coronakrise tief gespalten. Just in dieser Phase kommt eine Dokumentation über NBA-Star Michael Jordan, die alle zu begeistern scheint. Ein Kommentar.

Frederic Härri
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Michael Jordan (l.) gewann mit den Chicago Bulls in den 90er-Jahren sechs Meisterschaften in der NBA.

Michael Jordan (l.) gewann mit den Chicago Bulls in den 90er-Jahren sechs Meisterschaften in der NBA.

AP

Die USA stecken in einer schweren Krise. Weil die Zahl der Arbeitslosen dramatisch ansteigt, droht die Wut der Bürger überzukochen. Die Menschen gehen auf die Strasse und protestieren gegen den Coronalockdown. Die Stimmung ist explosiv, die Zukunft ungewiss.

Vielleicht liegt darin einer der Gründe, warum sich gerade Millionen von Amerikanern einer Geschichte hingeben, deren Ende sie längst kennen. Vor einer Woche strahlte der US-Fernsehsender ESPN die ersten beiden Episoden der zehnteiligen Dokumentation «The Last Dance» aus.

Es geht um Michael Jordan, einen der Grössten des amerikanischen Sports, in seiner letzten Saison im Trikot der Chicago Bulls. Noch nie hat ESPN mit einer Dokuserie eine annähernd hohe Einschaltquote erzielt.

Jordan scheint ein Name zu sein, auf den sich alle einigen können. Egal, ob man nun politisch links oder rechts wählt. Nicht zufällig war es Jordan, der einst sagte: «Auch Republikaner kaufen Sneakers.» Und gemeinsam mit dem Mann aus North Carolina nehmen die Leute jetzt matchentscheidende Würfe, jubeln bei Siegen und kommen nach Tiefschlägen zurück. Die Zuschauer wissen, dass Jordans letzter Tanz in der NBA mit dem Titel endet. Es mag diese Bestimmtheit sein, die ihnen in der momentanen Phase Halt gibt.

Eigentlich hätte «The Last Dance» erst im Juni erscheinen sollen. Wegen hoher Nachfrage wurde die Serie vorgezogen. Sie kommt genau zur richtigen Zeit.

The Last Dance: Läuft im deutschsprachigen Raum auch auf Netflix, jeden Montag werden zwei neue Folgen ausgestrahlt.