Werden die Weltmeisterinnen Europameisterinnen?

Die Curlerinnen des CC Aarau um Skip Silvana Tirinzoni könnten nach dem WM-Titel im gleichen Jahr auch den EM-Titel gewinnen. Die Europameisterschaften im schwedischen Helsingborg beginnen am Samstag.

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Alina Pätz wird als Nummer 4 im Team auch an den Europameisterschaften eine wichtige Rolle innehaben (Bild: Keystone/EPA RITZAU SCANPIX/HENNING BAGGER)

Alina Pätz wird als Nummer 4 im Team auch an den Europameisterschaften eine wichtige Rolle innehaben (Bild: Keystone/EPA RITZAU SCANPIX/HENNING BAGGER)

(sda)

Dass ein Schweizer Team das Double in einem Kalenderjahr holt, kommt selten vor. Bei den Männern ist es nur dem Lausanner Team von Skip Jürg Tanner 1981 geglückt. Bei den Frauen siegten Basel Albeina (Gaby Casanova) 1979 und Flims (Binia Feltscher) 2014 an beiden grossen Meisterschaften.

Weltmeisterinnen sind Melanie Barbezat, Esther Neuenschwander, Silvana Tirinzoni und Alina Pätz vom CC Aarau seit letztem März, als sie im dänischen Silkeborg den Final mit dem letzten Stein des Zusatz-Ends gegen die Olympiasiegerinnen aus Schweden (Anna Hasselborg) für sich entschieden. In den World-Tour-Turnieren der neuen Saison haben sie mehrfach gezeigt, dass sie seither ihr erstklassiges Niveau halten konnten. Deshalb stehen ihre Chancen auf das Double gut.

Der Umbruch im Team fand nach der Olympia-Saison 2017/18 statt. Alina Pätz, als Skip Weltmeisterin 2015, und Melanie Barbezat kamen für Manuela Siegrist respektive Marlene Albrecht. Pätz übernahm die vierte Position, die ihr als technisch starker und nervenstarker Curlerin zusagt, und Tirinzoni rückte zurück auf die dritte Position. Sie widerlegten die verbreitete Meinung, dass neue Formationen längere Zeit benötigen, bis sie eingespielt sind. Schon an der EM im November 2018 in Tallinn waren sie mit einer Bilanz von 10:1 Siegen die Besten. Die einzige Niederlage bezogen sie im Final gegen Hasselborgs Schwedinnen - an denen sie sich vier Monate später im WM-Final schadlos hielten.

In der Weltrangliste der Frauen sind vier kanadische Teams unter den besten sechs. Die Ausnahmen sind just die Formationen von Tirinzoni als Zweite und von Hasselborg als Vierte. Diese beiden sind denn auch die klaren Favoritinnen im anstehenden EM-Turnier. Die Schottin Eve Muirhead, Weltmeisterin 2013 und zuletzt 2017 in St. Gallen auch Europameisterin, hat mit einem stark veränderten Team die Lücke noch nicht ganz schliessen können. Von den weiteren sieben Teams werden die aufstrebenden Russinnen um Skip Alina Kowalewa besonders zu beachten sein.

Debütant Yannick Schwaller

Im EM-Turnier der Männer wird die Schweiz nicht von den Medaillensammlern aus Genf (Peter De Cruz) vertreten, sondern erstmals von der Bern-Zähringer-Crew von Skip Yannick Schwaller, dem Sohn des früheren Olympia-Dritten Christof Schwaller. In dem für die Qualifikation massgebenden Schweizer Ranking fiel die Entscheidung äusserst knapp zugunsten des Berner Teams aus, in dem kein Berner spielt. Yannick Schwaller ist Solothurner, die Nummer 3 Michael Brunner ist gebürtiger Appenzeller, Marcel Käufeler und Romano Meier auf den Positionen 1 und 2 sind Aargauer. Es ist ein für das Schweizer Spitzencurling typischer geographischer Mix.

Yannick Schwaller hat sich gut fünf Jahre nach seinem Titel an der Junioren-WM in der Weltspitze festgesetzt. Früh in der laufenden Saison siegte er mit dem Team an zwei gut besetzten Turnieren der World Tour.

In der Weltrangliste haben sich die Zähringer an die 11. Stelle verbessert. Nur vier europäische Crews liegen vor ihnen, von denen zwei nicht am EM-Turnier teilnehmen werden. Dies sind das Genfer Team als Fünfte des Rankings und die viertplatzierten Schotten um Bruce Mouat, die letztjährigen Europameister. So werden sich die Berner in Helsingborg mit nur zwei auf dem Papier stärkeren Teams messen müssen: mit den Schotten um Ross Paterson (7.) und den aktuellen Weltmeistern aus Schweden um Niklas Edin. Der Übercurler aus Karlstad ist bereits vierfacher Weltmeister. In der Heimat strebt er seinen siebten EM-Titel an.