Weger deprimiert, Sieger Loginow unter Beschuss

Während es für die Schweizer Männer an der Biathlon-WM in Antholz im Sprint eine weitere Enttäuschung gibt, sind auch mit dem Überraschungs-Weltmeister Alexander Loginow viele nicht zufrieden.

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In der Loipe einfach zu langsam: Benjamin Weger

In der Loipe einfach zu langsam: Benjamin Weger

KEYSTONE/EPA/ANTONIO BAT
(sda)

Benjamin Weger schüttelte den Kopf und zupfte an seinem Bart. «Es ist schon etwas deprimierend», gab der Oberwalliser zu. Der starke Auftritt in der Mixed-Staffel am Donnerstag hatte Hoffnungen auf eine Trendwende gemacht, die sich aber jäh zerschlugen. Nach zwei Schiessfehlern und grossem Zeitverlust in der Loipe belegte er im WM-Sprint nur den 51. Platz - noch hinter seinem Baselbieter Teamkollegen Mario Dolder (38.), der eine bessere Klassierung ebenfalls mit zwei Fehlern im Schiessstand vergab.

Dennoch ist das Schiessen derzeit nicht Wegers grösstes Problem. «Auf der Schlussrunde blieb ich fast stehen, obwohl ich extra nicht zu schnell angefangen hatte», stellte er ernüchtert fest. Dabei hatte er gehofft, nach einem Übertraining wieder gut vorbereitet zu sein, war am Donnerstag bei den Schnellsten gewesen und hatte sich vor dem Rennen gut gefühlt.

Aufgeben kommt für ihn aber zumindest an der WM nicht in Frage. «Als ich aus der Strafrunde kam, blickte ich genau auf die volle Haupttribüne und auf zwei grosse Walliser Fahnen. Das ist ein riesiges Highlight. Wenn da von der Lunge noch etwas mehr gekommen wäre...» Die Hoffnung gibt Weger noch nicht völlig auf. «Ich war in der Vergangenheit oft in der Verfolgung stärker als im Sprint.» Ein Spitzenresultat liegt aber mit knapp eineinhalb Minuten Rückstand auf die Top Ten kaum noch drin.

Das gilt auch für die restlichen Schweizer. Der Bündner Serafin Wiestner vergab ein Topresultat - ähnlich wie in der Mixed-Staffel - mit vier Fehlern beim Stehend-Schiessen, obwohl die Bedingungen am Samstag nahezu perfekt waren. Nach dem Liegend-Schiessen hatte er noch an 9. Stelle gelegen, am Ende reichte als 54. knapp für die Qualifikation zur Verfolgung am Sonntag. Der junge Berner Oberländer Joscha Burkhalter (71.) liess sich nur zwei Fehler notieren, ihm fehlt aber (noch) die Kapazität im Laufen.

Favoriten vom Doping-Sünder Loginow geschlagen

An der Spitze düpierte der Russe Alexander Loginow die Topfavoriten Quentin Fillon Maillet und Martin Fourcade sowie die norwegischen Brüder Tarjei und Johannes Thingnes Bö, die geschlossen die Ränge 2 bis 5 belegten. Er schoss im Gegensatz zum Laufschnellsten Fillon Maillet fehlerlos und war in der Loipe schneller als Fourcade. Dieser gewann seine 26. WM-Medaille und zeigte sich nach einem schwierigen letzten Winter mit dem Resultat zufrieden. Einmal mehr ärgerte er sich aber über eine russische Medaille, da Loginow 2014 bis 2016 zwei Jahre wegen EPO-Missbrauchs gesperrt war.