Von der Isle of Wight aus die Welt erobert

Es ist die älteste Sporttrophäe der Welt: Die Segelregatta America's Cup wird erstmals am 22. August 1851 ausgetragen und zieht seither nicht zuletzt reiche Geschäftsleute in seinen Bann.

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Ernesto Bertarelli sorgte mit Alinghi für zwei Schweizer Siege
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Beim America's Cup geht es längst nicht mehr nur um Wind und Wellen, sondern auch um politisches Geschick und juristische Feinheiten
Ernesto Bertarelli mit der Trophäe 2007 in Genf
Die Alinghi von 2007 auf dem Weg zum Titel
Zuletzt wurde der America's Cup auf Katamaranen ausgetragen
Neuseeland gewann 2017 den «alten Becher» zurück

Ernesto Bertarelli sorgte mit Alinghi für zwei Schweizer Siege

KEYSTONE/AP/DANIEL OCHOA DE OLZA
(sda)

Derzeit laufen die Vorbereitungen auf den 36. America's Cup. Wer sich darunter Tests und Trainings vorstellt, liegt nur halb richtig. Neben den Seglern haben derzeit auch die Designer und Juristen alle Hände voll zu tun. Die Techniker tüfteln an Booten, die dank Tragflügeln mit fast 100 km/h regelrecht über das Meer fliegen. Die Anwälte von Titelhalter Neuseeland und dem ersten Herausforderer aus Italien streiten über zulässige Windgeschwindigkeiten. Es ist das schon fast übliche Vorgeplänkel, bevor ihm März vor Auckland um die Siegertrophäe gesegelt wird.

Dabei hatte vor 169 Jahren alles rechtlich so unkompliziert angefangen. Eine Gruppe von amerikanischen Geschäftsleuten segelte damals auf einem Schoner, einem Segelboot mit mehreren Masten, von New York via Le Havre an die Weltausstellung nach England, um sich mit den besten einheimischen Booten zu messen. Die Regatta um die Isle of Wight gewannen die Gäste gegen 15 Konkurrenten souverän und konnten den Pokal entgegen nehmen, der heute als «Auld Mug» (alter Becher) bekannt ist.

Die Amerikaner verkauften zwar den Schoner noch vor der Rückreise, nahmen aber den Pokal mit nach Hause und schenkten ihn dem New York Yacht Club mit einer Stiftungsurkunde, der «Deed of Gift». Diese besagte, dass die Trophäe immer wieder aufs Spiel gesetzt werden solle «für den freundschaftlichen Wettbewerb zwischen Nationen» - der America's Cup, benannt nach dem siegreichen Schoner «America», war lanciert.

Die «Deed oft Gift» ist bis heute das massgebliche Regelwerk, das die Eckpunkte für den America's Cup vorgibt. Die Urkunde wurde mehrmals erweitert und überarbeitet. Unter anderem ist es seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr erforderlich, dass die teilnehmende Crew mit ihrem Boot vom Heimathafen an den Austragungsort segelt - nicht nur für die zweimal siegreich und in Genf beheimatete Alinghi eine entscheidende Veränderung. Trotz gewissen Präzisierungen lässt die Urkunde einigen Interpretationsspielraum. Zweimal musste das höchste New Yorker Gericht über Grundlegendes urteilen. Für die kleineren Streitereien unter den Teams ist ein Schiedsgericht zuständig.

Wettkampf der reichen Prominenz

Von seiner Geburtsstunde an faszinierte der America's Cup viele reiche Geschäftsleute. Zu jenen Boots-Eigentümern, die die amerikanische Siegesserie zwischen 1851 und 1980 aufrecht hielten, finden sich der Bankier J.P. Morgan, mehrere Mitglieder der im Eisenbahn-Geschäft reich gewordenen Vanderbilt-Familie oder der CNN-Gründer Ted Turner. Zu den glücklosen Herausforderern damals gehörten etwa der Italiener Gianni Agnelli oder der Schotte Thomas Lipton, der gleich fünfmal scheiterte, aber dafür seine Tee-Marke in den USA berühmt machte.

Was damals Lipton war, ist heute Patrizio Bertelli. Der bislang sieglose Chef des Modekonzerns Prada wird im kommenden Jahr seinen sechsten America's Cup bestreiten. Andere Geschäftsleute waren in der jüngeren Geschichte erfolgreicher, wie etwa der IT-Unternehmer Larry Ellison oder der Schweizer Ernesto Bertarelli. Der Milliardär aus Genf gewann mit Alinghi den Cup 2003 und verteidigte ihn vier Jahre später erfolgreich, bevor Ellison 2010 die Trophäe zurück in die USA holte.

Für einige Zeit erfasste auch die Schweiz, eine von nur vier Nationen, die den America's Cup gewonnen hat, das Segelfieber. Es wurde über die beste Crew geredet oder über die technischen Anforderungen, die jeweils von Austragung zu Austragung andere sind. 1983 beendete Australien die amerikanische Vorherrschaft dank einer Yacht mit einem neuartigen Flügelkiel. Seither galten immer wieder andere Standards, die festgelegten Bootsklassen wechselten.

Nach den Katamaranen sind nun wieder klassische Einrumpf-Yachten vorgeschrieben. Mit der «America» haben sie trotzdem nicht mehr viel gemeinsam. Der damals für 20'000 Dollar - inflationsbereinigt wären das heute gegen 700'000 Dollar - gekaufte Schoner segelte mit rund 25 km/h über den Atlantik. Nach dem Weiterverkauf mit Gewinn wurde er für Kreuzfahrten im Mittelmeer genutzt, für Ausbildungszwecke und schliesslich modernisiert wieder für Rennen. 1946 wurde er abgewrackt.