Von Aristokraten, Emporkömmlingen und sehr viel Geld

Noch ein Sieg heute in Lissabon und Paris Saint-Germain ist dank Geld aus Katar endlich Champions-League-Sieger. Doch auch wenn der Sieger Bayern heisst: Der Erfolg hat viel Geld gekostet.

Drucken
Teilen
Es geht heute um den begehrtesten europäischen Pokal

Es geht heute um den begehrtesten europäischen Pokal

KEYSTONE/DPA/SVEN HOPPE
(sda)

Bayern München und Paris Saint-Germain. Die beiden Finalisten der Champions League kommen auf den ersten Blick aus zwei verschiedenen Schichten der Fussball-Gesellschaft. Hier der deutsche Rekordmeister, gegründet vor 120 Jahren, der in seinem elften Final nach dem sechsten Titel greift im besten Klub-Wettbewerb der Welt. Dort der französische Verein, gegründet erst 1970, der noch nie in einem Endspiel der Champions League stand und erst in den letzten etwas mehr als neun Jahren und dank viel Geld aus Katar zu einer internationalen Spitzenmannschaft wurde. Es ist am Sonntag in Lissabon das Duell zwischen den Aristokraten aus München und den Emporkömmlingen aus Paris, wie die französische Agentur AFP schrieb.

Im achten Versuch seit 2012/13 hat es Paris Saint-Germain endlich geschafft, in diesen Final der Champions League einzuziehen - als erster Klub aus der Ligue 1 seit Monaco vor 16 Jahren. Zuvor war es kein einziges Mal gelungen, auch nur bis in die Halbfinals vorzurücken. Erfolg ist nun also doch käuflich, werden die Puristen sagen, welche den Werdegang von Paris Saint-Germain in den letzten Jahren kritisch verfolgt haben. Die Spieler, welche im Halbfinal am Dienstag gegen Leipzig in der Startformation standen, haben den PSG rund 650 Millionen Euro Ablöse gekostet.

Wie anders sieht es da bei den Bayern aus! Nur rund 95 Millionen Euro haben die Deutschen für die elf Spieler bezahlt, welche den Halbfinal am Mittwoch gegen Olympique Lyon (3:0) begannen. Für diese Summe bekam der PSG gerade mal einen halben Kylian Mbappé. Und während die Franzosen in den letzten vier Jahren fast 700 Mio. Euro für Transfers ausgaben, brauchte Bayern mit rund 340 Mio. Euro nicht einmal halb so viel Geld, um den Final der Champions League zu erreichen.

Nur 8 Millionen Euro für 31 Tore

Deutlich ist diese Diskrepanz beim Vergleich der beiden Sturmreihen. Für Neymar, Mbappé und Angel Di Maria langten die katarischen Klubbesitzer tief in die Schatulle - 465 Mio. Euro. Und die Bayern? Sie bezahlten für Thomas Müller, Robert Lewandowski, Serge Gnabry und Ivan Perisic lediglich 8 Mio. Euro! Ein Betrag aus der Portokasse für ein Quartett, das in dieser Champions-League-Kampagne schon 31 Tore erzielt hat.

Also, doch: Gekaufter Erfolg trifft auf nachhaltig aufgebauten Erfolg. Oder: Emporkömmling duelliert sich mit einem Vertreter der Aristokratie. Doch diese Vereinfachungen greifen vor dem Final im Estadio da Luz zu kurz. Robert Lewandowski etwa kam zwar 2014 zum Nulltarif von Borussia Dortmund nach München, weil sein Vertrag beim BVB ausgelaufen war. Was die Bayern dadurch an Transfergeld sparten, investierten sie aber zu guten Teilen in den Lohn des polnischen Stürmers. Von einem Jahresgehalt von knapp 16 Mio. Euro ist die Rede.

Über eine Viertel Milliarde für die Bank

Ausserdem haben die Bayern im letzten Sommer mehr Geld für Transfers ausgegeben als Paris Saint-Germain. Nur haben ihre Königstransfers, die Franzosen Lucas Hernandez (80 Mio. Euro) und Benjamin Pavard (35 Mio. Euro), in den letzten Wochen bestenfalls eine Nebenrolle gespielt. Neben den beiden Weltmeistern sassen gegen Lyon neun weitere Spieler auf der Ersatzbank, deren Verpflichtung sich der FC Bayern fast 150 Mio. Euro hat kosten lassen.

Bayern München gegen Paris Saint-Germain ist also dank beiden Kontrahenten eine Affiche, die sich für den Final des Milliardenbrands Champions League bestens eignet. Es ist das Duell zweier finanziell ganz mächtiger Schwergewichte, mit Mannschaften, deren Marktwerte an der Grenze zu einer Milliarde kratzen. Wer auch immer am späten Sonntagabend den Pokal mit den grossen Henkeln in Händen halten wird. Er hat sich den Erfolg im Wortsinn sehr teuer erkauft.