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Vladimir Petkovic über Fakten, Momente und Schlüsselfiguren

Vor seinem womöglich prestigeträchtigsten Auftritt als Coach der Schweizer Nationalmannschaft äussert sich Vladimir Petkovic zu verschiedenen Schlüsselaspekten des WM-Projekts.
Vladimir Petkovic zeichnet sich als "guter Verkäufer" der Schweizer Nationalmannschaft aus (Bild: KEYSTONE/TI-PRESS/SAMUEL GOLAY)

Vladimir Petkovic zeichnet sich als "guter Verkäufer" der Schweizer Nationalmannschaft aus (Bild: KEYSTONE/TI-PRESS/SAMUEL GOLAY)

(sda)

Die Schweizer Balance seit der EM vor zwei Jahren fällt auf. In der Rückwärtsbewegung funktioniert vieles auf höchstem Niveau. Selbst grosse Equipen wie Portugal und Spanien fanden zeitweise kaum ein Mittel, den gut bestückten, früheren Aussenseiter auszuspielen.

"Wir strahlen derzeit sehr viel Positivität aus Und mein Team besitzt die Gabe, nie auszuruhen. Es kann reagieren und zugleich agieren. Das haben wir mehrfach bewiesen. Es gelingt uns oft, ein Spiel zu steuern und einen Gegner zu kontrollieren. Um das zu schaffen, braucht man Charakter und einen klaren Kopf, um die Nerven nicht zu verlieren."

Der Tessiner Coach führt die Mannschaft an die zweite Endrunde. Bringt ihm die EM-Erfahrung etwas? Petkovic arbeitet zwar vorwiegend mit dem gleichen Personal. In den strategischen Abläufen hat er aber Änderungen vorgenommen. Das systembedingte Repertoire ist grösser. Intern wird Petkovics sehr gute Arbeit genauer registriert und honoriert. Sein vorzügliches Coaching schätzen die Spieler.

"Ganz ehrlich, ich kann mich nicht mehr an jedes Detail der letzten EM-Kampagne erinnern. Jedes Turnier hat seine eigene Geschichte und Dynamik, Vergleiche sind schwierig. Ich selber will täglich Fortschritte machen. Und ich versuche, meinen Fokus vollumfänglich auf das Heute und das Morgen auszurichten. Ganz wichtig wird sein, dass es uns erneut gelingt, von der ersten Sekunde an voll präsent zu sein. Grosse Teams rollen bewusst etwas später an - das können wir uns auf keinen Fall leisten. Uns darf kein Prozent Energie fehlen."

"Brasilien hat sich erholt"

Brasilien hat sich vom epochalen Kollaps gegen Deutschland (1:7) erholt. Zahlreiche Experten trauen den Südamerikanern den sechsten Titelgewinn zu. Und doch: Mit der Seleção verbinden die Schweizer überraschend viele gute Momente. Von acht Duellen haben sie nur drei verloren - in zwei der letzten drei Begegnungen triumphierten sie.

"Sie haben sich früh für die 23 WM-Teilnehmer entschieden, weil sie lange Diskussionen und jegliche Polemik verhindern wollten. Der Coach hätte aus 132 Spielern oder mehr auswählen können. Ich rechne nicht mehr mit jenem Brasilien, das immer schönen Fussball zeigte, aber teilweise undiszipliniert spielte. Sie haben eine eher europäische Ausrichtung - mehr Sechser, weniger Zehner. Tite hat eine homogene Mannschaft geformt."

Im Team der Schweiz dreht sich enorm viel um Granit Xhaka. Der Taktgeber von Arsenal London steuert im defensiven Zentrum den Aufbau, beschleunigt oder drosselt das Tempo je nach Konstellation. Vom 25-jährigen Chef-Strategen hängt ab, ob die Mannschaft unter Druck zum nächsten Schritt in der Lage ist. Seine Passqualität und Spielintelligenz sind unverzichtbare Faktoren.

Potenzial zum Weltstar

"Granit kann das alles. Er hat mehrfach bewiesen, dass er diese Rolle spielen kann. Er zieht die Bälle an und ist immer bereit, für die Mitspieler zu arbeiten. Seine Entwicklung in England ist sehr gut. Mir gefiel, dass er auch weniger verwarnt worden ist. Von ihm darf man noch mehr erwarten. Er hat noch Potenzial. Er hat die Chance, ein echter Weltstar zu werden."

Während seiner bald vierjährigen Ära hat Petkovic auf die beiden Niederlagen zum torlosen Start gegen England (0:2) und Slowenien (0:1) brillant reagiert. In den folgenden 38 Partien pendelte sich seine durchschnittliche Ausbeute oberhalb der Zweipunktemarke ein. Die anfängliche Skepsis der Kommentatoren hat sich verflüchtigt, Petkovic hat sich vorbehaltlos als einer der erfolgreichsten SFV-Selektionäre etabliert. In den letzten 20 Spielen resultierte nur eine Niederlage - auswärts beim EM-Titelhalter Portugal.

"Inzwischen lese ich viel Positives. Ich habe grundsätzlich immer versucht, meine Linie beizubehalten. Die guten Resultate helfen natürlich. Die Jahre zogen schnell vorbei. Zu Beginn drehte sich mehr um die taktische Ausrichtung und meine eigene Kommunikation. Dann geht es irgendwann darum, im richtigen Moment auf der richtigen Seite zu stehen. Man muss das Glück provozieren und manchmal auch ein guter Verkäufer sein - gegenüber den Spielern und auch in der Öffentlichkeit."

Der wichtigste Personalentscheid

Auf seinen Instinkt hat sich Petkovic nicht nur an den Spieltagen verlassen können. Das richtige Bauchgefühl war auch vor seinem wichtigsten Personalentscheid hilfreich. Im März 2016, wenige Monate vor der EM, setzte der Nationalcoach den langjährigen Captain Gökhan Inler ab. Die hierarchische Neuausrichtung war heikel und mit beträchtlichen Risiken verbunden.

"Das war sehr schwierig. Für den Menschen Gökhan tat es mir leid. Aber ich war überzeugt, dass er nicht mehr zur Entwicklung dieser Mannschaft passte. Und in einer Nebenrolle wollte ich ihn nicht. Einer mit seinen Verdiensten ums Team ist entweder gesetzt oder nicht dabei. Ich habe das Gökhan erklärt, von Mann zu Mann. Korrekt, offen. Darum haben wir trotz seiner Enttäuschung noch immer ein gutes Verhältnis. Eine solche Massnahme kann enorm viel auslösen. Man weiss nie sicher, wie es herauskommt. Aber ich hörte damals auf mein Gefühl und riskierte etwas. Es ging fast immer gut, wenn ich meinen ersten Gedanken umgesetzt habe."

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