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Viel Druck auf schmächtigen Schultern

Borussia Dortmund hat den Meistertitel zum Ziel erklärt. Trainer Lucien Favre kann nicht anders, als die neue forsche Art mitzugehen.
Markus Brütsch
Lucien Favre, Trainer Borussia Dortmund (Bild: key).

Lucien Favre, Trainer Borussia Dortmund (Bild: key).

Lucien Favre ist gut drauf. Leute, die das Trainingslager organisiert und ihn in Bad Ragaz während einer Woche begleitet, erlebt und beobachtet haben, sprechen von einem jederzeit freundlichen und entspannten Trainer.

Es ist der vorletzte Tag der Dortmunder im Sarganserland. Mit einem Tross von 70 Personen haben sie wie in jedem Sommer hier Quartier bezogen. Allein die Kommunikationsabteilung umfasst 25 Leute, und begleitet wird die Borussia von 1000 begeisterten Fans.

Bevor die Mannschaft und der Staff am Freitag ab Mollis mit einem Kleinflugzeug nach Westfalen zurückfliegen, um am Samstag den Supercup gegen die Bayern auszuspielen, spricht Favre im «Grünen Salon» des Quellenhofs über die kommende Saison und seine Befindlichkeit.

Im Gegensatz zu den Landsleuten Roman Bürki und Manuel Akanji, die eine Stunde zuvor mit eher mässiger Begeisterung ein paar Fragen der Schweizer Medien beantwortet hatten, nimmt sich ihr Trainer Zeit. Ja, als diese nach einer halben Stunde abgelaufen ist und die Medienverantwortliche dezidiert «Letzte Frage!» ruft, sagt Favre: «Wir können ruhig noch ein paar Minuten weitersprechen.»

Das grosse Interesse für den Schweizer Fussball

Es geht jetzt nicht mehr um die Bundesliga und den Titelkampf, sondern um den Schweizer Fussball. «Ich freue mich für meinen Freund Marcel Koller über den Basler Sieg gegen Eindhoven, und dass mein einstiger Teamkollege Alain Geiger Servette in die Super League zurückgeführt hat», sagt Favre. Trotz der vielen Arbeit, die er immer vor sich sieht, lässt er es sich nicht nehmen, sich über das Geschehen in der Heimat auf dem Laufenden zu halten. Für den Donnerstagnachmittag zum Beispiel hatte sich Trainerkollege René Weiler zu einem Besuch auf dem Ragazer Sportplatz Ri-Au angekündigt, und immer wieder schauen ihm in Dortmund auch angehende Schweizer Trainer wie Alex Frei über die Schultern. So sehr sich Favre dafür interessiert, was gerade in der Super League läuft, so deutlich formuliert er: «In der Schweizer Liga werde ich nie mehr als Trainer tätig sein.»

Die schmächtigen Schultern des 61-Jährigen, der 1991 nach 15 Profijahren als Spieler seine Trainerlaufbahn in Echallens begonnen hatte und nun in seine 29. Saison als Coach steigt, müssten eigentlich unter dem Druck einbrechen, der auf ihnen lastet. Anders als im letzten Jahr haben die Dortmunder Bosse um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ihr Saisonziel deutsch und deutlich formuliert: «Wir wollen Meister werden.» Bürki findet das cool. «In der letzten Saison waren wir wohl zu zurückhaltend beim Ausrufen unserer Ziele. Jetzt wissen wir, woran wir sind.» Der Torhüter sagt, er habe noch nie in einer solch starken Mannschaft gespielt. Während der 28-Jährige seinen Platz zwischen den Pfosten auf sicher hat und der Thurgauer Marwin Hitz sein Stellvertreter bleibt, muss der Winterthurer Manuel Akanji in der Innenverteidigung um den Posten neben dem gesetzten Königstransfer Mats Hummels kämpfen. Sich gegen Topkonkurrenten wie Leonardo Balerdi, Ömer Toprak und Dan-Axel Zagadou durchsetzen. «Man vergisst immer wieder, wie jung Akanji mit 23 Jahren ist», sagt Favre, «aber er muss noch viel lernen.» Der Nationalspieler sieht es genau gleich: «Ich bin eigentlich zufrieden, so wie es für mich in Dortmund bisher gelaufen ist. Aber ich darf mich nicht auf dem Erreichten ausruhen und muss weitere Fortschritte machen.»

Grund für die neue Kühnheit des BVB in der Zielsetzung ist die beeindruckende Transferoffensive. Mit Hummels (von Bayern München), Hazard (Gladbach), Schulz (Hoffenheim), Brandt (Leverkusen) und Alcacer (Barcelona) haben die Gelb-Schwarzen ordentlich zugelangt und 130 Millionen Euro ausgegeben.

Auch vor einem Jahr stark unter Druck

Eigentlich wäre es typisch für Favre gewesen, hätte er nach den forschen Dortmunder Ankündigungen die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Doch der Waadtländer sagt: «Für mich ist das kein Problem. Ich habe mein Okay gegeben, es so zu kommunizieren. Auch vor einem Jahr stand ich unter Druck. Wir sprachen intern bereits über Titel, aber ich sagte, dass man mir dafür noch etwas Zeit geben müsse.»

Als die Borussia unter Favre dann allerdings brillant startete und zwischenzeitlich als Leader neun Punkte Vorsprung aufwies, sahen manche in Dortmund die Bäume in den Himmel wachsen. Als es am Ende doch nicht zum Titel reichte, gab es irritierende Kritik. Doch der Verein reagierte mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung und Favre sagt: «Ich spürte immer das Vertrauen des Klubs.» Er lässt sich sein erstes BVB-Jahr ohnehin nicht schlecht reden, im Gegenteil. «Es war sehr gut. Bevor ich kam, war die Borussia mit 55 Punkten Vierte. Nun wurden wir Vizemeister mit 76 Zählern, dem drittbesten Wert der Klubgeschichte.» Aber Favre wäre nicht Favre, würde er nicht an die Defizite erinnern: «Wir machten zu viele Fehler und kassierten zu viele Tore.»

Obwohl die Spielzeit mit dem Supercup gegen Bayern offiziell beginnt und die Bundesliga in zwei Wochen mit dem Spiel gegen Augsburg, sieht Favre die Saisonvorbereitung erst Ende August abgeschlossen. Nach der PR-Tournee in den USA und dem Camp in Bad Ragaz gilt nun vor allem: üben, üben, üben. Das ist für Favre nach wie vor die Kernaufgabe eines Trainers. «Er sieht Dinge, die ein anderer Coach nicht sieht», sagt Akanji.

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