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Vettel muss liefern

Sebastian Vettel glaubt trotz missglückter erster Saisonphase weiter an seine Chance, in diesem Jahr Weltmeister werden zu können. Für den Deutschen steht aber mehr auf dem Spiel als der fünfte Titel.
Sebastian Vettel muss seine bevorzugte Behandlung bei Ferrari rechtfertigen (Bild: KEYSTONE/EPA/SRDJAN SUKI)

Sebastian Vettel muss seine bevorzugte Behandlung bei Ferrari rechtfertigen (Bild: KEYSTONE/EPA/SRDJAN SUKI)

(sda)

Als wäre da nichts gewesen in den vergangenen Wochen. Als hätte es weder die Enttäuschungen in den ersten drei Grands Prix des Jahres noch die in China entbrannten Diskussionen zum Thema Stallorder gegeben. Sebastian Vettel gab sich nach seiner Ankunft in Baku, wo am Sonntag der Grosse Preis von Aserbaidschan im Programm steht, gelassen. Auch die vielen bohrenden, unbequemen Fragen zu seiner bevorzugten Behandlung in der Scuderia Ferrari vermochten ihn nicht aus der Ruhe zu bringen.

Mehr als banale Sätze liess sich Vettel nicht entlocken. «Es ist normal, dass jeder seine eigene Meinung zu diesem Thema hat.» Oder: «Im Nachhinein ist es immer einfacher, gewisse Entscheide zu beurteilen.» Oder: «Unser Team hat lediglich versucht, das Maximum herauszuholen und die Fahrer von Mercedes unter Druck zu setzen.»

Druck. Den spürt Vettel zur Zeit wie kein anderer Fahrer in der Formel 1. Da ist der Rückstand von 31 Punkten in der WM-Gesamtwertung auf den führenden Lewis Hamilton. Da ist aber vor allem Charles Leclerc, der ihn auf ungeahnte Weise fordert. Der Aufstrebende aus Monaco bewegt sich schon nach kurzer Eingewöhnungszeit bei den Roten auf Augenhöhe. Er fährt eigentlich schon zu gut, um von Teamchef Mattia Binotto eingebremst zu werden.

Der Stachel des Ärgers

Leclerc spricht vom Frust, in Schanghai die Order erhalten zu haben, «einen anderen Fahrer passieren zu lassen». Den Namen des Teamkollegen nimmt er bewusst nicht in den Mund. Auch zehn Tage nach dem für viele unverständlichen Funkspruch sitzt der Stachel des Ärgers beim ambitionierten Jüngling noch tief. Leclerc redet und klagt zwischen den Zeilen an - ohne die Leitplanken des Anstandes zu verlassen.

Er ist nicht nur am Lenkrad ein Künstler. Er versteht es auch, auf die Umstände in der Equipe hinzuweisen, ohne dabei seine Vorgesetzten vor den Kopf zu stossen. Und am Selbstvertrauen hat es Leclerc ohnehin nie gefehlt. Er ist überzeugt, Vettel weiter die Stirn bieten zu können. «Ich glaube, dass ich das Potenzial dafür habe.» Er würde es gerne auch am Sonntag beweisen, wenn er denn darf.

Leclerc sagt die Sätze mit Bedacht. Trotzdem beinhalten sie jede Menge Sprengkraft, genug jedenfalls, um das interne Gefüge bei Ferrari in noch gefährlichere Schräglage zu bringen. Die Zündschnur ist kurz genug geworden, um die Harmonie zum Einsturz zu bringen. Binottos Fingerspitzengefühl ist im Moment besonders gefragt. Der in Lausanne geborene Italiener wandelt auf schmalem Grat. Er muss eine Lösung finden, um zu verhindern, dass Vettels Nummer-1-Status die tägliche Arbeit in ungesundem Mass tangiert und die Stimmung im Team auf frostige Werte absinken lässt.

Vettel selber weiss, dass er seine Schutzzone nur mit Leistung rechtfertigen kann. Bei anhaltend unbefriedigenden Ergebnissen ist nicht nur die Gefahr gross, dass das Pendel in Maranello endgültig zugunsten von Leclerc auszuschlagen beginnt. Zieht Vettel gegen den Hochbegabten aus dem Fürstentum anhaltend den Kürzeren, könnte dies auch für seine Zukunft als Angestellter von Ferrari unangenehme Folgen haben.

Das Manko in den Kurven

Binotto hat neben personellen auch technische Baustellen um sich. Der SF90 ist wohl das schnellste Auto im Feld, weist aber in Kurven, die mit verhältnismässig geringer Geschwindigkeit durchfahren werden, Mängel auf. Experten haben die Hinterachse als Schwachpunkt ausgemacht, die je nach Streckencharakteristik aufgrund überhitzender Reifen nicht den nötigen Abtrieb generiert.

Ein erstes grösseres Paket an Weiterentwicklungen, das dieser Tage in Baku zur Anwendung kommt, soll die Problemzonen des Ferrari zumindest eindämmen. Es soll der erste erfolgreiche Schritt im Wettrüsten sein. Die steten technischen Fortschritte sieht Binotto als Schlüssel für den Erfolg, als entscheidenden Faktor im Titelkampf. Die Hoffnung, dass sich für Ferrari alles zum Guten wenden wird, lebt beim Teamchef weiter. «Es kommen ja noch achtzehn Rennen. Noch ist nichts verloren.»

Die Zuversicht teilt Binotto mit Vettel. Trotz den missratenen Vorstellungen in Melbourne, Sakhir und Schanghai ist das Vertrauen des Hessen ins Auto ungebrochen. «Wir wissen, dass unser Paket gut ist. Deshalb habe ich weiterhin den absoluten Glauben, dass ich Weltmeister werden kann.»

Wie weit Leclerc in seinen Planspielen eine Rolle spielt, hat Vettel nicht verraten.

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