Verspekulierter Schongang am eigenen Turnier

Der HC Davos scheitert am 93. Spengler Cup erstmals seit der Einführung des aktuellen Modus im Jahre 2010 bereits in den Viertelfinals und verlor gleich alle drei Spiele.

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Sportchef Raeto Raffainer musste sich nach der Schmach des HC Davos am 93. Spengler Cup kritischen Fragen stellen
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Auch Goalie Sandro Aeschlimann konnte das frühe Spengler-Cup-Ausscheiden des HC Davos nicht verhindern
Dem Davoser Headcoach Christian Wohlwend gab die schwache Offensivwirkung seines Teams trotz Verstärkungsspielern wie dem finnischen Weltmeister Harri Pesonen (SCL Tigers) zu denken
Für Dauerkämpfer und Captain Andres Ambühl war es schlicht der schlechteste Spengler Cup mit dem HC Davos

Sportchef Raeto Raffainer musste sich nach der Schmach des HC Davos am 93. Spengler Cup kritischen Fragen stellen

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
(sda)

Captain Andres Ambühl, Sportchef Raeto Raffainer und Trainer Christian Wohlwend suchten bei der Analyse nicht nach Ausflüchten. Raffainer, bislang für eine bemerkenswerte erste HCD-Saison nach der Ära Arno Del Curto noch kaum mit Gegenwind konfrontiert, musste sich kritische Fragen gefallen lassen.

Vorab dahingehend, das klubeigene Turnier quasi selbst zu einem reinen Show-Event degradiert zu haben mit sechs geschonten Spielern im letzten Vorrunden-Spiel gegen das Team Canada (1:5). «Wir wollten dieses Spiel mit diesem Aufgebot bestreiten, um den Viertelfinal zu gewinnen. Das haben wir nicht getan.»

«In den Playoffs hätten alle gespielt»

Das Ganze sei aus einer Situation mit angeschlagenen Spielern entstanden. «Dass die Fans oder das Spengler-Cup-OK enttäuscht sind, kann ich nachvollziehen. Ich will nicht nach Ausreden suchen. Wir setzten alles auf eine Karte. Und wir scheiterten.» Raffainer gab indes auch zu: «Wenn Playoff gewesen wäre, hätten alle angeschlagenen Spieler gespielt, auch die Gastspieler.»

Trotz der historischen Schmach für den HCD ist für Raffainer klar: «Wir werden auch im nächsten Jahr alles daran setzten, um den Titel mitzuspielen. Das muss unser Anspruch sein, auch wenn es vielleicht wieder eng wird im personellen Bereich. Klar ist: Wir sind ehrgeizig und neu. Und wir wollen unsere Mannschaft in einem besseren Licht zeigen.»

Trainer Wohlwend betonte, dass sein Team offensiv zu wenig Wirkung erzielte (nur je ein Tor pro Spiel). «Es war nur ein Tor bei fünf gegen fünf im ganzen Turnier für uns.» Auch die Verstärkungsspieler seien vorab auch hinter ihren eigenen Erwartungen geblieben. «Ganz klar, dieses Abschneiden ist ein 'Boxhieb in den Magen'. Als positiver Mensch werden wir es analysieren und abhaken und dann wieder angreifen.»

Captain Andres Ambühl hatte vor einem Jahr während des Spengler Cups noch seinen Vertrag verlängert. Er konnte sich nicht erinnern, jemals mit dem HCD am Spengler Cup schlechter gespielt zu haben: «Die letzten paar Jahren spielten wir grundsätzlich besser. Wir dürfen nun keine Ausreden suchen. Zum Teil haben wir keine Tore aus Chancen gemacht und blöde Treffer kassiert. So verliert man halt die Spiele. Vielleicht spielten wir insgesamt auch zu kompliziert.»

Ab Berchtoldstag sechs Spiele in zwölf Tagen

Nun hätte das Team eine längere Ruhepause als angedacht. «Wir müssen die nächsten Tage nun clever nützen, um im Januar wieder erfolgreich zu sein. Aber es war sicher nicht in unserem Sinne, zwei Tage früher fertig zu sein.»

Physisch könnte sich die Pause als Vorteil erweisen: Vom 2. bis 12. Januar folgen für den HCD nun sechs Meisterschaftsspiele in zehn Tagen. Allenfalls bereits zum Auftakt am 2. Januar im Heimspiel gegen die Rapperswil-Jona Lakers dürfte unter anderen der für den Spengler Cup verletzt ausgefallene Davoser PostFinance-Topskorer Perttu Lindgren ins Line-Up zurückkehren.