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Überschwänglich in Innsbruck - gefasst in Seefeld

Aufs Podest sprang Killian Peier am Nachmittag in Innsbruck, die WM-Bronzemedaille erhielt der Romand am Abend in Seefeld umgehängt.
Strahlen mit der Bronzemedaille: Killian Peier erhielt in Seefeld seinen verdienten Preis (Bild: KEYSTONE/PETER SCHNEIDER)

Strahlen mit der Bronzemedaille: Killian Peier erhielt in Seefeld seinen verdienten Preis (Bild: KEYSTONE/PETER SCHNEIDER)

(sda)

Die Tränen hatte der 23-Jährige bei der Siegerehrung im Griff. «Es ging gut mit den Emotionen. Während der Zeremonie dachte ich an die Arbeit, die ich das ganze Jahr über gemacht habe», schilderte Peier die Minuten auf dem Podest. Der Waadtländer wirkte auf der Bühne in Seefeld im Gegensatz zum goldwürdigen Jubel des Schweizer Teams in Innsbruck gefasst. «Ich war total in den Moment vertieft», sagte er. Dies verdeutlichte die Tatsache, dass er sich nicht mehr an die Person erinnern konnte, die ihm die Bronzemedaille umhängt hatte - es war der Österreicher Ernst Vettori, der Olympiasieger von Albertville 1992.

Das Szenerie auf der Bühne wirkte eigenartig. Vor den Weltmeisterschaften hatten die Experten auf ein Podest mit Ryoyu Kobayashi, Kamil Stoch und Stefan Kraft getippt. Die drei Favoriten standen in Seefeld tatsächlich auf der Bühne, aber als Vierter, Fünfter und Sechster. Das Scheinwerferlicht galt den beiden Deutschen Markus Eisenbichler und Karl Geiger sowie Peier. «Ich bin wirklich stolz auf das, was ich gemacht habe», kommentierte Peier diese Szene. «Das ist der Sport. Eine Türe kann sich öffnen, dann heisst es zupacken und nicht zurückschauen.»

An den möglichen Coup glaubte Peier eigentlich erst am Freitagabend nach der Qualifikation. Er, der zuvor im Weltcup nie über einen 7. Rang hinausgeflogen war, musste sich erst an diese Situation gewöhnen. «Am Freitagabend war ich nervös. Da begann ich mir plötzlich vorzustellen, wie es wäre, eine Medaille zu gewinnen», erzählte der perfekt zweisprachige Romand aus dem Waadtländer Jura. Um die Gedanken zu sortieren, machte er mit dem Trainer eine Video-Sprunganalyse und lüftete nach dem Nachtessen bei einem Spaziergang mit Musik auf den Ohren den Kopf.

Mit dem Einschlafen bekundete er keine Probleme. «Am Samstag fühlte ich viel weniger Druck als noch am Freitag», erzählte Peier. Auch die Pause als Halbzeit-Führender wurde nicht zur Qual. Er strampelte auf dem Hometrainer, um die Beine zu lockern. Die Minuten vor dem finalen Sprung waren jedoch weniger einfach zu handhaben. Um dem Zittern zu entgegnen, führte er ein Selbstgespräch, in dem er sich nochmals die technisch wichtigen Aspekte des Sprungs in Erinnerung rief.

Nach dem Sprung verspürte Peier «das Gefühl der Ewigkeit». Er wusste, dass er die grüne Linie nicht erreicht hatte, bei der Landung leicht patzte, der Sprung aber gleichwohl von hoher Qualität war. Als die Drei aufleuchtete, brachen alle Dämme. «Es ist unglaublich. Das Team wartet unten auf dich, leidet mit und fällt dann über dich her», schwärmte er. All dies habe ihn an die Szene erinnert, als Simon Ammann 2002 in Salt Lake City sein erstes Gold gewonnen habe.

«Es ist das Wunder des Skispringens. In unserem Sport kann alles sehr schnell gehen. Aber man muss daran glauben, alles geben», erklärte Peier seine frappante Leistungssteigerung. Erst seit vergangenem Sommer, nach dem Verpassen der Olympischen Spiele 2018 mangels Resultaten, ist der Romand bereit, seine Karriere kompromisslos voranzutreiben.

«Ein scharfer Radius, ein kurzer Tisch. Das entspricht meinen Vorlieben», sagte Peier auf die Eigenschaften der Schanze in Innsbruck angesprochen. Kann er seine Stärken auch auf der Normalschanze in Seefeld ausspielen? «Ich will einfach geile Sprünge zeigen. Ob es dann zur Medaille reicht, ist mir im Moment egal.»

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