Swiss Olympic beantragt Verschiebung von Olympia

Die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio sollen verschoben werden. Das beantragt Swiss Olympic nach einem Entscheid seines Exekutivrats am Montag beim IOC.

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Ralph Stöckli, Chef de Mission von Swiss Olympic, im August 2019 anlässlich einer Medienkonferenz zu den Sommerspielen in Tokio

Ralph Stöckli, Chef de Mission von Swiss Olympic, im August 2019 anlässlich einer Medienkonferenz zu den Sommerspielen in Tokio

KEYSTONE/ANTHONY ANEX
(sda)

Der Exekutivrat fällte den Beschluss am Montagnachmittag in einer Telefonkonferenz. Den entsprechenden Brief hat Swiss Olympic dem IOC ebenfalls am Montagnachmittag zugestellt, wie der Dachverband des Schweizer Sports in einem Communiqué mitteilt. Hintergrund des Antrags ist die Coronavirus-Pandemie. Swiss-Olympic-Präsident Jürg Stahl: «Die Athletinnen und Athleten leiden unter schwierigen Trainingsbedingungen. Zudem haben nun die ersten Länder ihre Olympia-Teilnahme abgesagt. Unter diesen Voraussetzungen sind aus unserer Sicht keine fairen, weltumspannenden Olympischen Spiele im Sinne der olympischen Bewegung möglich.»

Bereits am Wochenende hatte Swiss Olympic dem IOC mitgeteilt, dass die Olympischen Spiele in Tokio nur dann stattfinden sollten, wenn die Coronakrise weltweit unter Kontrolle sei.

Swiss Olympic sei es bewusst, wie schwierig es für das IOC ist, einen Entscheid über eine Verschiebung zu fällen und wie viele Punkte und Interessensgruppen das IOC dabei berücksichtigen müsse. «Wir sind aber sicher, dass der Entscheid des IOC im Sinn der Athletinnen und Athleten, des internationalen Sports und der olympischen Bewegung ausfallen wird», sagte Stahl weiter.

Swiss Olympic hatte seine grundsätzliche Haltung dem IOC bereits am Sonntag. Am Montag lancierte Swiss Olympic eine Umfrage bei seinen potentiellen Olympia-Athletinnen und -Athleten, um deren Stimmung und ihre Meinung einzufangen. Das Ergebnis wird im Anschluss ebenfalls dem IOC mitgeteilt.

Der Schweizer Chef de Mission Ralph Stöckli wird die Rückmeldungen der Athleten mit dem Exekutivrat von Swiss Olympic besprechen. «Wichtig ist, dass wir den Athletinnen und Athleten eine Stimme geben. Denn schliesslich stehen sie im Zentrum der Olympischen Spiele. Sie sind persönlich stark betroffen von der ganzen Situation», sagt Stöckli.

Wollte sich die Schweiz von sich aus - wie beispielsweise Kanada - von den Spielen abmelden, noch bevor das IOC sie abgesagt hat, könnte der Exekutivrat von Swiss Olympic nicht allein darüber entscheiden. Für einen gültigen Beschluss müsste eine ausserordentliche Versammlung des Sportparlaments einberufen werden - die wiederum wohl telefonisch oder mit schriftlichen Stimmabgaben erfolgen würde.

Wie IOC-Präsident Thomas Bach am Sonntag sagte, gibt sich das IOC selber einen Monat Zeit für die Entscheidungsfindung. Ralph Stöckli sagt darüber: «Wir haben grosses Verständnis für diese Frist von vier Wochen. Das IOC muss in dieser Zeit alle möglichen Szenarien durchdenken mit Varianten von Verschiebungen. Es sind an Olympischen Spielen viele Player involviert, es ist eine ganz komplexe Sache. Aber wir sind mittlerweile immer mehr der Meinung, dass das IOC schon vor Ablauf der vierwöchigen Frist einen Grundsatzentscheid wird fällen müssen, dass die Spiele im Sommer 2020 kaum stattfinden können.»