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Starke Schweizer verlieren Penalty-Krimi gegen Schweden

Die Schweiz verpasst den ersten WM-Titel im Eishockey knapp. Das Team von Trainer Patrick Fischer verliert den Final gegen Schweden trotz zweimaliger Führung 2:3 nach Penaltyschiessen.
Johan Larsson (links) gegen Torhüter Leonardo Genoni und Raphael Diaz. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)

Johan Larsson (links) gegen Torhüter Leonardo Genoni und Raphael Diaz. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)

(sda)

Damit verpasste der SIHF-Auswahl die Revanche für die 1:5-Niederlage im WM-Final 2013. Damals waren die Schweizer nach dem Einzug ins Endspiel euphorisiert gewesen. Diesmal freuten sie sich nach dem Halbfinal-Coup gegen Kanada (3:2) zwar ebenfalls, es war jedoch zu spüren, dass sie mehr wollen. Und genau dank dieser Mentalität forderten sie den favorisierten Schweden alles ab. Umso bitterer war es, dass sie im Penaltyschiessen, das immer auch eine Lotterie ist, den Kürzeren zogen. In der 76. Minute war Kevin Fiala aus bester Position am schwedischen Goalie Anders Nilsson gescheitert und vergab damit den totalen Triumph. Es war eine so genannte "hundertprozentige" Chance.

Im Shootout traf von den Schweizern einzig Sven Andrighetto, bei den Schweden reüssierten Oliver Ekman-Larsson und Filip Forsberg. Der zweite Titelgewinn der Skandinavier in Folge im Penaltyschiessen und der elfte insgesamt ging allerdings in Ordnung. Die mit 13 WM-Neulingen und nur drei Spielern aus dem letztjährigen WM-Team angetretenen Nordländer gewannen an diesem Turnier nicht nur sämtliche zehn Partien, sie waren auch im Final die aktivere Mannschaft, was das Schussverhältnis von 37:27 unterstreicht. Ausserdem hatten sie Pech, dass Adam Larsson eine Sekunde vor Ablauf der Verlängerung am Pfosten scheiterte.

Unmittelbar nach dem Spiel ist die Enttäuschung bei den Schweizer Spielern gross. | Bild: Salvatore Di Nolfi / Keystone (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Enttäuschung bei Torhüter Leonardo Genoni. | Bild: Andy Müller / Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Raphael Diaz (rechts) nimmt Gratulationen von Verbandspräsident René Fasel entgegen. | Bild: Andy Müller / Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
(Andy Mueller/freshfocus)
Gaetan Haas (links) und Enzo Corvi sitzen nach dem Spiel enttäuscht an der Bande. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Die Schweizer während der Nationalhymne nach dem Spiel. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Die Schweden halten den WM-Pokal in den Händen. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Enttäuschte Gesichter bei den Schweizern. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Oliver Ekman-Larsson und Kevin Fiala verabschieden sich nach dem Finalspiel. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Nino Niederreiter (links). Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Nino Niederreiter (Nr. 22) schiesst gegen Adam Larsson, Patric Hornqvist und Mikael Backlund (von links) das Tor zum 1:0. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Die Schweizer bejubeln ihr erstes Tor. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Gustav Nyquist jubelt mit der Mannschaft nach seinem Treffer zum 1:1. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Torhüter Andres Nilsson (links) und Mattias Ekholm gegen den Schweizer Tristan Scherwey. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Goalie Leonardo Genoni nach der Niederlage. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Mikael Wikstrand (links) im Spiel gegen Reto Schäppi. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Der Schweizer Dean Kukan wird von den Schweden John Klingberg und Filip Forsberg tiefergelegt. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Viktor Arvidsson versucht es gegen Schweiz-Goalie Leonardo Genoni und Michael Fora. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Roman Josi kommt auf Gustav Nyquist zu liegen. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Johan Larsson (links) gegen Torhüter Leonardo Genoni und Raphael Diaz. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Die Schweden feiern ihr Tor zum 2:2. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
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Schweiz holt WM-Silber

Trotz der guten Leistung überwog bei den Schweizern nach der Partie selbstredend die Enttäuschung. Keiner wollte etwas davon wissen, Silber gewonnen zu haben. "Wenn man so nah am WM-Titel dran ist, ist es extrem bitter", sagte Captain Raphael Diaz stellvertretend für die Mannschaft. Es brauche Zeit, das Ganze zu verdauen. "Später werden wir aber sicher stolz sein auf die Medaille. Ich glaube, wir haben viele Fans fürs Eishockey gewonnen."

Dass sich die Schweizer erst im Penaltyschiessen geschlagen geben mussten, lag einerseits an einer unglaublichen Aufopferungsbereitschaft. Sinnbildlich dafür war das Boxplay im letzten Drittel, in dem Roman Josi zwei Strafen nacheinander kassierte. Die Schweizer wehrten sich mit allen Kräften und liessen gegen eine Mannschaft kein Gegentor zu, deren Erfolgsquote im Powerplay vor diesem Spiel 39,29 Prozent betragen hatte.

Andererseits konnte sich die Fischer-Equipe erneut auf Leonardo Genoni verlassen, der wie bereits im Viertelfinal gegen Finnland (3:2) und im Halbfinal eine brillante Leistung zeigte. So rettete der Berner Keeper auch gut 20 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit gegen den solo auf ihn losstürmenden Mattias Ekholm und ermöglichte damit erst eine Verlängerung.

Fischer hatte im Vorfeld gesagt, dass es gut wäre, wenn sie das erste Tor schiessen würden. Diesen Wunsch erfüllte ihm seine Mannschaft. Nino Niederreiter gelang in der 17. Minute das 1:0 für die stark in die Partie gestarteten Schweizer. Der Stürmer der Minnesota Wild behauptete sich nach einem Vorstoss von Roman Josi vor dem Tor gegen eine schwedische Übermacht. Niederreiter erzielte seinen vierten Treffer an diesem Turnier, nachdem er zuvor sechs Partien hintereinander erfolglos geblieben war. Das 1:0 fiel in einer Phase, in der die Skandinavier dem Spiel den Stempel aufgedrückt hatten. Allerdings hielt die Führung bloss während 76 Sekunden, dann glich Gustav Nyquist aus.

In der 24. Minute schoss Timo Meier die Schweizer in Überzahl erneut in Front. Das elfte Powerplay-Tor der SIHF-Auswahl an dieser WM war allerdings kein typisches. Den Ausgangspunkt bildete ein Block von Josi in der eigenen Zone, worauf Enzo Corvi nach einem schlechten Wechsel der Schweden blitzschnell schaltete und den auf der rechten Seite völlig freistehenden Meier bediente, der mit einem perfekten Handgelenkschuss reüssierte. Das 2:1 fiel mit dem achten Torschuss der Schweizer in dieser Partie, was deren Effizienz unterstreicht. Danach besassen sie nach einer 3:1-Situation gar die Möglichkeit zum 3:1, allerdings wurde diese Chance zu fahrlässig verspielt, kam es doch nicht einmal zu einem Abschluss.

In der Folge schalteten die Schweden einen Gang höher, schnürten die Schweizer minutenlang ein. Diese wehrten sich zwar tapfer, nach einer Strafe gegen Corvi war das 2:2 (35.) dann aber doch Tatsache. Dafür verantwortlich zeichnete Mika Zibanejad. Dieses Resultat hatte bis zum Penaltyschiessen Bestand.

Telegramm:

Schweden - Schweiz 3:2 (1:1, 1:1, 0:0, 0:0) n.P.

Kopenhagen. - 12'490 Zuschauer (ausverkauft). - SR Gofman/Gouin (RUS/CAN), Lasarew/Vanoosten (RUS/CAN). - Tore: 17. (16:38) Niederreiter (Josi, Fiala) 0:1. 18. (17:54) Nyquist (Ekholm) 1:1. 24. Meier (Corvi, Fiala/Ausschluss Nyquist) 1:2. 35. Zibanejad (Ekman-Larsson/Ausschluss Corvi) 2:2. - Penaltyschiessen: Andrighetto 0:1, Zibanejad - (daneben); Fiala - (gehalten), Rakell - (gehalten); Corvi - (gehalten), Ekman-Larsson 1:1; Haas - (daneben), Forsberg 2:1; Niederreiter - (gehalten). - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Schweden, 5mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Schweden: Nilsson; Adam Larsson, Ekman-Larsson; Klingberg, Lindholm; Wikstrand, Ekholm; Rakell, Zibanejad, Janmark; Hörnqvist, Backlund, Nyquist; Arvidsson, Kempe, Forsberg; De la Rose, Johan Larsson, Pääjärvi; Everberg, Andersson.

Schweiz: Genoni; Diaz, Josi; Untersander, Kukan; Fora, Müller; Frick; Rod, Schäppi, Scherwey; Niederreiter, Corvi, Fiala; Andrighetto, Vermin, Meier; Moser, Haas, Hofmann; Baltisberger.

Bemerkungen: Schweden ohne Pettersson und Gustafsson (beide verletzt), Schweiz ohne Berra (Ersatztorhüter), Senn, Genazzi und Riat (alle überzählig). - Timeout Schweiz (79:31). - Pfostenschuss Adam Larsson (79:59). - Schüsse: Schweden 38 (13-11-8-5-1); Schweiz 27 (7-8-3-9-0). - Powerplay-Ausbeute: Schweden 1/4; Schweiz 1/1.

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