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Russlands Fussball stagniert auf konstantem Niveau

Die Erfolge des russischen Fussballs in der jüngeren Vergangenheit liegen allesamt mindestens zehn Jahre zurück. Das flächenmässig grösste Land der Welt kämpft mit der Genügsamkeit der besten Spieler.
Unter Andrej Arschawin spielte Russland vor zehn und mehr Jahren noch erfolgreicher als zuletzt (Bild: KEYSTONE/ARNO BALZARINI)

Unter Andrej Arschawin spielte Russland vor zehn und mehr Jahren noch erfolgreicher als zuletzt (Bild: KEYSTONE/ARNO BALZARINI)

(sda)

Erinnern Sie sich an den letzten wirklich bekannten Fussballer aus Russland, der zuletzt im Ausland für Furore gesorgt hat? Es dürfte sich um Andrej Arschawin handeln, der nach dem UEFA-Cup-Erfolg 2008 mit Zenit St. Petersburg und einer überragenden EM (Halbfinal-Einzug) in die Premier League wechselte. Dort trat er primär zwischen Anfang 2009 und Anfang 2012 für Arsenal in Erscheinung, etwa mit vier Toren bei einem 4:4 gegen Liverpool.

Dass man (vergleichsweise) lange suchen muss, um eine dominante Figur des russischen Fussballs zu finden, zeigt das Problem der Nationalmannschaft und der heimischen Liga auf. Es herrscht seit Jahren Stagnation auf konstantem Niveau. Abgesehen von Zenits Triumph im UEFA-Cup kam mit ZSKA Moskau (2005) nur ein russischer Klub zu internationalen Titelehren, die Viertelfinal-Qualifikationen von Spartak (1996) und ZSKA Moskau (2010) in der Champions League waren Ausreisser nach oben. An der WM 2014 war Russland die einzige Mannschaft, die mit lauter Akteuren aus der heimischen Premjer Liga antrat - und die wie bei den zwei WM-Teilnahmen davor seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 in der Vorrunde ausschied.

Gründe für fehlende Fortschritte gibt es durchaus. In Russlands Profifussball wurden und werden bei einem Steuersatz von 13 Prozent noch immer gute Löhne bezahlt, nationale Spitzenspieler ziehen die Verhältnisse im eigenen Land der Umgewöhnung an eine andere Kultur vor. Der Entscheid wird ihnen einigermassen leicht gemacht. Die meisten Spitzenteams des Landes sind von finanziell potenten Sponsoren wie Gazprom (Zenit), der staatlichen Eisenbahngesellschaft (Lokomotive Moskau) oder Mitgliedern der Forbes-Liste der reichsten Personen der Welt (Spartak Moskau, FC Krasnodar) grosszügig alimentiert.

Politische Wirren im Zusammenhang mit der Ukraine, der sinkende Ölpreis, internationale Sanktionen und die Abwertung des Rubels führten zuletzt aber dazu, dass sich längst nicht alle Vereine auf Millionen-Zustüpfe verlassen können. ZSKA Moskau, das seit zwei Jahren in einem schmucken Stadion spielt, plagen gemäss russischen Medienberichten Schulden in der Höhe von rund 200 Millionen Euro. Das führt zu neuen Problemen. ZSKA gab in den letzten sechs Transferperioden genau 500'000 Euro für einen (!) neuen Spieler aus, nun droht der nächste personelle Aderlass. Riskante Haupteinnahme-Quelle bleiben die Millionen für die Champions-League-Teilnahme, die der Armeeklub als Zweiter diesmal direkt schaffte.

Derweil zeigt das Beispiel von Zenit St. Petersburg auf, dass sich Erfolg nicht kaufen lässt. In der einzigen Saison unter dem italienischen Trainer Roberto Mancini ging ziemlich alles schief. Der Lieblingsklub von Staatspräsident Wladimir Putin fuhr trotz Ausgaben von 80 Millionen Euro für Neuzuzüge das schlechteste Liga-Resultat seit 2008 (5.) ein, schied im Cup gegen den zweitklassigen Lokalrivalen Dynamo aus und flog beim Versuch, wenigstens die Europa League zu gewinnen, im Achtelfinal gegen Leipzig raus.

Nun soll der 42-jährige Sergej Semak den Klub, bei dem er 2013 seine Karriere als Spieler beendet hatte, zu neuen Ufern führen. Der finanzielle Teppich für den bisherigen Trainer vom Überraschungsteam Ufa mit dem ehemaligen GC-Captain Veroljub Salatic (erstmaliger Europa-League-Qualifikant als 6.) ist gelegt. Zenit kann dank dem neuen Stadion viel mehr Geld generieren als vorher. Der Zuschauerschnitt in der ersten Saison seit dem Umbau stieg von etwas mehr als 18'500 auf fast 44'000 an.

Damit sorgte Zenit für einen statistischen Lichtblick in der Premjer Liga. Die massiv erhöhte Kapazität des St. Petersburger Stadions hob den Zuschauerschnitt der 16 Klubs auf die beste Marke seit vielen Jahren (13'956). Am Ende war das aber der positivste Fakt einer Saison, die aus Sicht von Beobachtern - abgesehen von Lokomotives erstem Meistertitel seit 14 Jahren und Zenits überraschender Baisse - wenig spannend verlief, wie eine andere Statistik aufzeigte: 89 von 240 Spielen endeten 1:0 oder 0:0.

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