Remo Freuler über den Atalanta-Coup des Jahres

Gestatten, Atalanta Bergamasca Calcio! Der Aussenseiter mischt nach der Serie A auch die Champions League auf. Remo Freuler gewährt einen Blick hinter die Kulissen des verblüffenden Achtelfinalisten.

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Der Schweizer Nationalspieler Remo Freuler (rechts) reitet mit seinem Klub Atalanta Bergamo derzeit auf einer Erfolgswelle

Der Schweizer Nationalspieler Remo Freuler (rechts) reitet mit seinem Klub Atalanta Bergamo derzeit auf einer Erfolgswelle

KEYSTONE/AP/DAVE THOMPSON
(sda)

Der Empfang am Flughafen in Bergamo fiel stürmisch aus. Mitten in der Nacht nach dem 3:0 in Charkiw gegen Schachtar Donezk rollten die Tifosi ihren Helden den Gesangsteppich aus. Gegen 2000 zelebrierten zusammen mit der Mannschaft den Coup des Champions-League-Abends. «Göttlich!», titelte die Zeitung «Tuttosport». Der kleine, aber feine italienische Debütant setzt seinen bereits mehrjährigen Höhenflug im kommenden Februar im Feld der Top 16 der europäischen Klub-Elite fort.

Beeindruckende Aufholjagd

Mittendrin in der Erfolgsgeschichte wirkt Remo Freuler mit. Der Schweizer Nationalspieler spricht von einem «vorgezogenen Weihnachtsgeschenk». Sie hätten zu Beginn der internationalen Kampagne ziemlich viel Lehrgeld bezahlt. Dem 0:4 in Zagreb folgten ein 1:2 gegen Donezk und die 1:5-Abreibung beim englischen Meister Manchester City. «Es sah lange sehr schlecht aus», sagt Freuler zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Ausserhalb von Bergamo hatte uns jeder abgeschrieben.»

Manche Experten hätten ihnen einen Untergang ohne Punktgewinn prophezeit. «Von peinlichen Auftritten war die Rede», so Freuler. Als Wendepunkt ortet der 27-Jährige im Rückblick das Heim-Remis gegen City. «Diese Leistung war ausschlaggebend. Das 1:1 verschaffte uns das nötige Selbstvertrauen.» Zupasskam der Squadra das organische Wachstum. «Wir spielen seit Jahren zusammen und haben gemeinsam viel aufgebaut.»

«Der Lohn für erstklassige Arbeit»

Freuler, seit Januar 2016 eine Schlüsselfigur im faszinierenden Projekt, holt bei der Einschätzung des sportlichen Outputs auf höchster europäischer Ebene weit aus: «Die Ergebnisse der letzten Wochen sind der Lohn für die erstklassige Arbeit des Trainers, der Mannschaft und all jener, die an der Klubspitze engagiert sind. Das Präsidium macht seit Jahren einen Top-Job - unser Achtelfinal-Vorstoss spricht für den Verein.»

Den charismatischen Chef-Taktiker Gian Piero Gasperini lobt Freuler explizit: «Er fordert uns im Training alles ab. Seine Einheiten sind hart, aber der Mister bringt jeden weiter.“ Der frühere Inter-Exponent ist massgeblich am grössten Erfolg der Klubgeschichte beteiligt. Ausgerechnet im San Siro könnte er die nächste grosse Story produzieren - Atalanta tritt wegen des Umbaus der eigenen Arena im Mailänder Europacup-Exil an.

Am kommenden Montag ist die Achtelfinal-Auslosung angesetzt. Freuler wagt schon mal eine Ansage: «Es wird für keinen der Gruppenersten einfach gegen uns.“ Die Reichweite der möglichen Gegner ist ihm dennoch klar: «Barcelona, Paris oder Liverpool - das sind schon richtige Kracher.“ Und doch: «Wir verfügen über Qualität, sonst wäre uns diese Überraschung nie gelungen.“