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Super League 2018: Paintball, Patronen und Pirouetten

An Spannung an der Tabellenspitze hat das Jahr 2018 in der Super League herzlich wenig zu bieten. Dennoch sind verschiedene Dinge los, die vielleicht über das Jahr hinaus in Erinnerung bleiben.
Der Wunderschuss nach der Traumpirouette: Kasami schiesst (gegen Luzern) sein einzigartiges Tor (Bild: KEYSTONE/CYRIL ZINGARO)

Der Wunderschuss nach der Traumpirouette: Kasami schiesst (gegen Luzern) sein einzigartiges Tor (Bild: KEYSTONE/CYRIL ZINGARO)

(sda)

Maisonnial zum vorläufig Letzten. Die neue Saison war für Sion vier Minuten alt, als Verteidiger Dragan Mihajlovic den FC Lugano im Tourbillon aus nachgemessenen 82 Metern mit einem Kick auf gut Glück in Führung brachte. Sions neuer Goalie Anthony Maisonnial hatte etwa fünf Sekunden Zeit, um sich auf den Schuss, der nicht als solcher gedacht war, einzustellen. Der Franzose brachte es fertig, den Ball zu unterlaufen und über sich hinweg ins Tor fliegen zu lassen. Sion verlor 1:2, und Maisonnial spielte bis zur Winterpause keine Minute mehr.

Glanz und Doria. Wer kennt den Präsidenten von Schweizer Meister YB? Nicht viele wissen, dass er Hanspeter Kienberger heisst. Im FC St. Gallen dagegen ist der Präsident bekannt wie ein bunter Hund. Schweizweit. Matthias Hüppi hat auf Anfang 2018 zusammen mit seinem nicht weniger bekannten Sportchef Alain Sutter Glamour gebracht. Das Duo ist prominenter als die meisten Spieler aus dem Kader. Die beiden können jedoch auch handeln, wenn sie es für nötig halten. Trainer Giorgio Contini spürte schon im Frühling statt Glanz und Gloria ein Donner und Doria. Er musste gehen.

Pirouette und Kanonenschuss. Pajtim Kasami zeigt je länger, je deutlicher, dass er vor bald zehn Jahren nicht von ungefähr U17-Weltmeister mit der Schweiz wurde. Das Tor dieses Kalenderjahres gehört dem 26-jährigen, grossgewachsenen Zürcher. Es war am 1. Dezember Sions spätes 1:0 beim 2:0-Heimsieg gegen Luzern. Den Ball mit der Sohle führend, narrte er zwei Gegner mit einer Pirouette um 360 Grad und einem unhaltbaren Innenristschuss ins Lattenkreuz. Auch in den grossen Ligen Europas ist so etwas äusserst selten zu sehen.

Und wenn die nächste Patrone nicht sitzt? Marco Streller sammelte als erfolgreicher Stürmer viel Erfahrung. Beim FC Basel ist er als Sportdirektor ein Rookie, der, getrieben von Begeisterung und Hoffnung, vielleicht vorschnell etwas sagt. Als Trainer Raphael Wicky nach nur zwei Spielen der neuen Saison durch Marcel Koller ersetzt worden war, verkündete Streller vor den Mikrofonen: «Die nächste Patrone muss sitzen!» Derart markante Aussagen, die den neuen Trainer unter Druck setzen und den alten schier noch beleidigen, könnten dem Sportchef früher vorgehalten werden, als ihm lieb ist. Streller wird seine Rhetorik vielleicht überarbeiten.

Karriere-Höhepunkt nach elf Monaten. Gerardo Seoane ist der Trainer des Jahres in der Super League. Er rückte im Januar im FC Luzern von der U21 nach und löste Markus Babbel als Cheftrainer ab. Mit nahezu unverändertem Kader führte er Luzern zur zweitbesten Rückrundenbilanz der Liga. Mit YB gab er in 18 Spielen fünf Punkte ab. Nach dem 2:1-Sieg in der Champions League gegen Juventus Turin wurde Seoane von einem italienischen Journalisten gefragt, ob dies der grösste Erfolg in seiner Karriere als Cheftrainer sei. «Ja», sagte Seoane. «Aber so lange bin ich eigentlich noch gar nicht Cheftrainer.»

Gute Freundschaft rostet nicht. Als Jungspunde spielten der Neuenburger Steve von Bergen und der Bieler Raphaël Nuzzolo, beide im Sommer 1983 geboren, fünf Jahre bei Neuchâtel Xamax. Ab 2013 absolvierten sie weitere drei gemeinsame Saisons bei YB. Sie sind bis heute die besten Freunde geblieben. Sie sehen oder hören sich fast täglich. Und sie sind aktuell die beiden besten Beispiele in der Super League dafür, dass nicht nur Torhüter, sondern auch Feldspieler im höheren Alter besser werden können. Nuzzolo trifft und assistiert, wie er gerade will, und Von Bergen ist ein Abwehrchef von grosser Souveränität.

Jekami an der rotblauen Schiessbude. Für den Serienmeister Basel war das 1:7 am 23. September in Bern gegen YB die denkbar grösste Demütigung. Als wollten sie den derzeitigen Unterschied noch klarer herausstreichen, machten die Young Boys aus dem Match ein Jekami. Sieben verschiedene Spieler stellten sich in die Reihe, um die sieben Tore zu erzielen. Die Liste der eingesetzten Feldspieler, die nicht trafen, ist kürzer: Von Bergen, Moumi Ngamaleu, Benito, Sanogo, Mbabu, Schick.

Der YouTube-bewusste Youngster. Bastien Toma ist die Entdeckung des Herbsts. Der Sittener Mittelfeldspieler mit Jahrgang 1999 unterstrich seine aussergewöhnlichen Fähigkeiten mit Szenen, die in YouTube-Beiträgen oder auf Best-of-Zusammenstellungen festgehalten sind. Im Auswärtsspiel gegen Neuchâtel Xamax schlug Toma aus der Drehung einen verblüffenden Steilpass über gut 40 Meter auf den Torschützen Ermir Lenjani. Im Heimspiel gegen Thun schoss er kurz vor Schluss aus 25 Metern praktisch ohne Anlauf das Siegestor mit einem Vollristschuss ins Lattenkreuz.

Y geht, J kommt, J geht, Y kommt. Mit zwei Namen lässt sich belegen, dass an der Schweizer Trainerbörse immer etwas los ist. Als Murat Yakin rund ein halbes Jahr nach einer lauten Präsentation bei den Grasshoppers abgesetzt wurde, war Maurizio Jacobacci gerade dabei, im Wallis unter Präsident Christian Constantin Fuss zu fassen. Wieder ein halbes Jahr später musste Jacobacci in Sitten zusammenpacken - und den Platz für Yakin freimachen. Constantin begründete die Absetzung des Italo-Berners unter anderem damit, Jacobacci habe die Spieler in einem kurzen Trainingscamp in Crans-Montana Paintball spielen lassen.

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