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Nervosität und Vorfreude bei Steingruber

Am kommenden Wochenende bestreitet Giulia Steingruber an der SM in Romont ihren ersten Wettkampf seit dem im Juli 2018 erlittenen Kreuzbandriss. Die Nervosität ist ebenso gross wie die Vorfreude.
Die Schweizer Kunstturnerin Giulia Steingruber beschreibt ihre Situation. (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)

Die Schweizer Kunstturnerin Giulia Steingruber beschreibt ihre Situation. (Bild: KEYSTONE/MARCEL BIERI)

(sda)

Ziemlich genau vor zwei Jahren war Steingruber in einer ähnlichen Situation. Nach einer zweimonatigen Auszeit nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro und einer Fussoperation im Januar gab sie auch damals an den Schweizer Meisterschaften nach einer mehr als einjährigen Wettkampfpause ihr Comeback. Gut einen Monat später gewann die 25-jährige Ostschweizerin an den Weltmeisterschaften in Montreal am Sprung sensationell die Bronzemedaille.

Hilft ihr das im Hinblick auf die Weltmeisterschaften in Stuttgart, die am 4. Oktober beginnen? «Die beiden Verletzungen sind nicht gleich zu setzen, jene am Knie war eine Stufe gravierender. Es ist mega schwierig. Wir befinden uns ein Jahr vor den Olympischen Spielen, alle sind auf einem Topniveau. Derweil ist es für mich wichtig, auf einem einigermassen ansprechenden Niveau einen guten Wettkampf zu zeigen. Insofern kann man das nicht ganz vergleichen.»

Steingruber richtet den Fokus an der WM auf den Mehrkampf, in dem sie eine Top-20-Klassierung anstrebt. Ausserdem will sie mit dem Team den 12. Platz erreichen, womit es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für Tokio 2020 qualifiziert wäre. «Wenn wir einen perfekten Wettkampf turnen, ist das realistisch», sagte die Olympia-Dritte von 2016 am Sprung.

Für Steingruber war vor allem das erste halbe Jahr nach der Verletzung sehr schwierig. «Ich wusste, dass ich drei Grossanlässe verpasse werde. Ich hatte zwar ein Ziel (Tokio), jedoch war dieses sehr weit weg. Ein guter Wettkampf ist eine Genugtuung und eine Belohnung für die Anstrengungen. Es war eine Herausforderung, die Motivation hoch zu halten.» Aufhören war für sie jedoch keine Option: «Ich wusste, dass ich es bereuen würde, wenn ich es nicht versuche.»

Als sie ab Januar wieder zweiphasig trainieren konnte, wechselte die Gefühlslage rasch. «Als ich merkte, dass es vorwärts geht, ging die Sonne wieder auf», so Steingruber. Ihr Ziel war, bis vor den Sommerferien an allen Geräten wieder ein gewisses Niveau zu haben. Das gelang ihr «mehr oder weniger», einzig am Boden hatte sie «etwas mehr Mühe», ist sie nach wie vor nicht dort, wo sie sein will. Am Sprung konzentrierte sie sich hauptsächlich auf den Tschussowitina, ob sie an der WM einen zweiten Sprung machen wird, ist fraglich. Sie arbeitete zudem viel mit Visualisierungen.

Behindert sie das Knie überhaupt nicht mehr? «Am Boden spüre ich es ab und zu noch beim Absprung, da ich noch nicht die gleiche Beweglichkeit habe wie im rechten Knie. Es versichern mir aber alle immer wieder, dass es stabil ist, was für mein Vertrauen sehr gut ist.» Ausserdem halfen ihr bei den Landungen Sportwissenschaftler.

Ohnehin sind für Steingruber die kommenden Wettkämpfe ein Herantasten - zwischen den Schweizer Meisterschaften und der WM nimmt sie noch an einem Länderkampf gegen die Niederlande teil. «Es ist wichtig, dass ich im nächsten Jahr Vollgas geben kann», betonte sie. Ob Tokio ihre letzten Olympischen Spiele sind, liess sie offen. «Ich schaue von Jahr zu Jahr, wie es geht. Es muss alles zusammenstimmen, ich bin auch nicht mehr die Jüngste», sagte Steingruber und lachte. Sicher ein Thema ist die Heim-EM 2021 in Basel. Zunächst aber will sie an der SM fehlerfrei turnen.

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