Nadal und Wawrinka kaum am US Open, Djokovic wohl schon

Bis Ende Woche soll sich entschieden, ob die Turniere in New York, darunter das US Open, durchgeboxt werden. Es zeichnet sich ab, dass Stan Wawrinka und Rafael Nadal sowieso nicht dabei sein werden.

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Novak Djokovic hat nach seinem frühen Aus im letzten Jahr am US Open hingegen viel zu gewinnen
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Zuschauer wird es in diesem Jahr am US Open keine geben. Um die Fernsehgelder zu bekommen, wäre die Durchführung für den amerikanischen Tennisverband dennoch enorm wichtig
Stattdessen dürfte sich der Waadtländer in diesem Herbst auf die Sandturniere konzentrieren
2016 triumphierte Stan Wawrinka am US Open, in diesem Jahr dürfte er die Reise nach New York kaum antreten
Auch Rafael Nadal dürfte seinen US-Open-Titel eher nicht verteidigen

Novak Djokovic hat nach seinem frühen Aus im letzten Jahr am US Open hingegen viel zu gewinnen

KEYSTONE/FRE171643 AP/EDUARDO MUNOZ ALVAREZ
(sda)

Normalerweise steht das Feld eines Turniers - ausser ein paar Wildcards - sechs Wochen vor dem Start fest. Normal ist aber während dieser Coronavirus-Pandemie nichts. So kann derzeit nur spekuliert werden, wer die Reise nach Nordamerika antreten wird, wenn am 14. August die ATP in New York (mit dem verschobenen und aus Cincinnati verlegten Masters-1000-Turnier) ihr Programm wieder aufnehmen will. Einer wird mit Sicherheit nicht dabei sein: Stan Wawrinka. Der Waadtländer figuriert als einer von vier Top-40-Spielern nicht auf der Antrittsliste - neben den verletzten Roger Federer und Fabio Fognini sowie seinem häufigen Trainingspartner Gaël Monfils.

Damit verdichten sich die Anzeichen praktisch zur Gewissheit, dass der US-Open-Champion von 2016 auch das Grand-Slam-Turnier in New York sausen lassen wird. Überraschend kommt dies nicht, denn wie Rafael Nadal sah man Wawrinka in den sozialen Medien nur auf Sand trainieren. Nach dem US Open ist in Europa eine verkürzte Sandsaison geplant, zu der die wichtigsten Turniere in Madrid, Rom und dem French Open in Paris gehören werden. Wer alle Masters-1000- und Grand-Slam-Events, die in normalen Zeiten zum Pflichtprogramm gehören, bestreiten will, müsste also sieben Wochen am Stück spielen - inklusive Transatlantikreise und Belagswechsel.

Nadal ist zwar für das Cincinnati-Ersatzturnier gemeldet, doch das will nicht viel heissen. In der aktuellen Lage dürfen sich die Spieler auch kurzfristig ohne Strafe von Turnieren abmelden. Viele Faktoren spielen eine Rolle beim Entscheid, nach New York zu reisen oder nicht. An erster Stelle steht natürlich die epidemiologische Lage, und diese ist in den USA wieder sehr prekär. Deshalb musste auch der eigentlich in Washington geplante Neustart der ATP abgesagt werden.

Djokovic hat viel zu gewinnen

Daneben ist auch die sportliche Ausgangslage von Bedeutung. Novak Djokovic liess sich die Bälle, die beim US Open verwendet werden, nach Europa schicken. Er hätte in Nordamerika viel zu gewinnen. Im letzten Jahr waren die Resultate in Cincinnati (Halbfinal) und am US Open (Achtelfinal-Niederlage gegen Wawrinka) für seine Verhältnisse bescheiden. Die Weltnummer 1 könnte also im ATP-Ranking viele Punkte dazugewinnen und wäre - bei mutmasslich ungewöhnlich schwacher Besetzung - der haushohe Favorit auf den 18. Grand-Slam-Titel. Es ist bekanntlich das oberste Ziel von Djokovic, in dieser Kategorie den Rekordhalter Federer zu übertrumpfen. Rafael Nadal könnte hingegen als Titelverteidiger beim US Open keine Punkte hinzugewinnen (es zählt ausnahmsweise das bessere Resultat von 2019 und 2020) und dürfte sich deshalb eher darauf konzentrieren, seine Krone als Sandkönig zu verteidigen.

Dass die beiden Turniere in New York so unbedingt durchgeboxt werden sollen, hat einen Grund: Geld. Der amerikanische Tennisverband (USTA) braucht die Einnahmen aus den TV-Einnahmen dringend, und viele Spieler der zweiten und dritten Garde müssen ebenso dringend wieder Geld verdienen. Und nirgends gibt es so viel davon wie am US Open.