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Nadal nach Steigerungslauf im Final

Rafael Nadal fehlt noch ein Sieg, um zum 11. Mal das French Open zu gewinnen. Im Halbfinal deklassiert er Juan Martin Del Potro und trifft nun auf Dominic Thiem.
Je länger je stärker: Rafael Nadal (Bild: KEYSTONE/AP/ALESSANDRA TARANTINO)

Je länger je stärker: Rafael Nadal (Bild: KEYSTONE/AP/ALESSANDRA TARANTINO)

(sda)

Gegen den Argentinier Del Potro setzte sich der 32-jährige Spanier nach ausgeglichenem Startsatz deutlich 6:4, 6:1, 6:2 durch, während der Weltranglisten-Achte Thiem aus Österreich gegen den italienischen Überraschungsmann Marco Cecchinato (ATP 72) 7:5, 7:6 (12:10), 6:1 siegte. Thiem war gegen Nadal im vergangenen Jahr im Halbfinal chancenlos, er ist aber der Einzige, der den Sandkönig in den letzten zwei Jahren auf dessen Lieblingsunterlage bezwingen konnte - und dies sogar zweimal.

Wie des Öfteren in den letzten zehn Tagen startete Nadal zögerlich. Im ersten Satz bestimmte mehrheitlich der 1,98 m grosse Argentinier die Ballwechsel. Er konnte aber sechs Breakbälle nicht nutzen, während der Titelverteidiger bei 5:4 gleich seine erste Gelegenheit packte. Danach steigerte er sich aber in einen wahren Spielrausch und zeigte brillantes Sandplatztennis.

Mit einem Mal stimmte die Länge in den Bällen wieder, Nadal diktierte die Punkte und auch der Aufschlag wurde härter und wirkungsvoller. Im zweiten Satz gewann Del Potro, der allerdings ebenso deutlich abbaute wie der Spanier zulegte, sein erstes Game erst bei 0:5, und auch im dritten geriet er sofort 0:2 ins Hintertreffen.

Besonders eindrücklich ist Nadals Bilanz in Grand-Slam-Halbfinals. Von 27 hat er nur gerade drei verloren: 2008 am Australian Open gegen Jo-Wilfried Tsonga sowie 2008 und 2009 am US Open gegen Andy Murray respektive Del Potro. Mit dem 11. Final beim selben Major-Turnier egalisierte Nadal den Rekord von Roger Federer, der in Wimbledon ebenfalls 11. Finals (8 Siege) erreicht hat. In Paris hat er überhaupt erst zwei Matches verloren, 2009 im Achtelfinal gegen Robin Söderling und 2015 im Viertelfinal gegen Novak Djokovic. In zehn Roland-Garros-Finals ging er noch gar nie als Verlierer vom Platz.

Die Aufgabe von Thiem am Sonntag ist also fast übermenschlich. Doch Nadal warnt: "Das wird ganz schwierig für mich. Ich fühle mich gut, aber ein paar kleine Sachen muss ich noch verbessern."

Thiem überwindet Nervosität

Thiem tat sich in seinem dritten Roland-Garros-Halbfinal in Folge trotz Blitzstart und schneller 2:0-Führung lange schwer. Der klar favorisierte Österreicher konnte seine Nervosität angesichts dieser - auf dem Papier - unverhofft einfachen Aufgabe gegen die Nummer 72 der Welt nicht kaschieren. Am Ende war er aber dennoch der stärkere Spieler.

Die Vorentscheidung auf dem Weg zum Dreisatz-Sieg fiel im Tiebreak des zweiten Satzes, indem Thiem zunächst selber mehrere Chancen vergab, dann aber nach Abwehr von drei Satzbällen des Sizilianers doch obenaus schwang. Davon erholte sich Cecchinato, der durch Siege gegen die deutlich höher kotierten Pablo Carreño Busta, David Goffin und Novak Djokovic verblüfft hatte, nicht mehr. "Das war der ganz grosse Schlüssel", war sich der Schützling von Coach Günter Bresnik bewusst.

Thiem ist erst der zweite Österreicher nach Thomas Muster, der 1995 das French Open gewann, in einem Grand-Slam-Final. Dort wird er sich am Sonntag gegen den Titelverteidiger und zehnfachen Champion Nadal nochmals steigern müssen. Im Halbfinal agierte der 24-jährige Niederösterreicher zu zögerlich und defensiv, vor allem bei gegnerischem Aufschlag. Er behielt aber die Nerven und war am Ende auch physisch stärker als Cecchinato.

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