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Interview

«Ich habe das Gefühl, dass ich eine unglaubliche Chance verpasst habe»: Mehr Wut als Enttäuschung bei Roger Federer

Nach der Fünfsatzniederlage gegen Novak Djokovic im Wimbledon-Final hat Roger Federer mehr zu beissen, als es dies an der Siegerehrung auf dem Platz den Anschein gemacht hat.
Roger Federer gab erst später zu, wie sehr ihn die Niederlage schmerzte (Bild: KEYSTONE/AP/TIM IRELAND)

Roger Federer gab erst später zu, wie sehr ihn die Niederlage schmerzte (Bild: KEYSTONE/AP/TIM IRELAND)

(sda)

Der 37-jährige Baselbieter spricht von einer gewissen Wut und einer verpassten Chance. Seinen nächsten Auftritt wird er am Masters-1000-Turnier in Cincinnati haben.

Roger Federer, was ging Ihnen nach den beiden vergebenen Matchbällen durch den Kopf? Dachten Sie danach, die Partie sei verloren?

«Nein, ich versuchte das Positive zu sehen. Wenn mir vor der Partie jemand gesagt hätte, dass es 9:9 im fünften Satz stehen würde, hätte ich das nicht als schrecklich empfunden. Aber klar war es hart, diese Chancen vergeben zu haben.»

Ist es schwieriger, wenn man so knapp verliert als klar in drei Sätzen?

«Schwierig zu sagen, am Ende spielt es keine Rolle. Vielleicht ist man enttäuschter, trauriger, wütender. Ich habe das Gefühl, dass ich eine unglaubliche Chance verpasst habe.»

Kann man diesen Final mit demjenigen von 2008 und der Niederlage gegen Rafael Nadal vergleichen?

«Diesmal ging es schneller, weil wir keine Regenunterbrechungen hatten, auch die Dunkelheit spielte keine Rolle. Aber klar, es war ein episches Ende und die Partie in vielen Momenten sehr eng. Aber ausser, dass ich beide Matches verloren habe, sehe ich keine Ähnlichkeiten.»

Nach der damaligen Niederlage waren Sie am Boden zerstört. Heute wirken Sie gelassener. Täuscht dieser Eindruck?

«Ich bin sicherlich älter geworden. Diesmal bin ich eher wütend als enttäuscht oder traurig.»

Wie verarbeiten Sie solche Niederlagen? Welche Mechanismen haben Sie über die Jahre dafür entwickelt?

«Irgendwann vergisst man die Niederlage, dann ist sie weg. Meistens geht das ziemlich schnell. Je weniger ich darüber reden muss, desto besser. Es bringt ja nichts, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen und nochmals spielen. Ablenkung habe ich genug. Es hilft, auch nicht an einem Turnier zu sein und vor Journalisten darüber reden zu müssen.»

Wie schaffen Sie es, nach so einer Niederlage zurückzukommen?

«Es ist ähnlich, wie wenn man zum Matchgewinn serviert und dann gebreakt wird. Man versucht zu vergessen und nimmt die guten Sachen heraus, denn davon gibt es sehr viele. Das habe ich auch 2008 getan. Im Moment tut es sehr weh, wie jede Niederlage in Wimbledon. Es ist eine frage der Einstellung, ich bin sehr stark dabei, wieder vorwärts zuschauen.»

Sie werden in der Liste der meisten Grand-Slam-Sieger von Nadal und Djokovic bedrängt. Stresst sie das oder ist dies für Sie irrelevant?

«Es war für mich eine grosse Sache, als ich nahe dran war, mir noch zwei Titel fehlten, ich den Rekord egalisieren oder brechen konnte. Danach hat sich das Ganze etwas verändert. Es gibt mehrere Dinge, woraus ich meine Motivation ziehe, aber nicht unbedingt daraus, in dieser Wertung vorne zu bleiben, weil ich den Rekord gebrochen habe. Wenn jemand anderem dies gelingt, dann ist das grossartig für ihn. Ich bin nicht wegen dem Rekord Tennisspieler geworden, sondern weil ich in Wimbledon gewinnen wollte. Und noch heute spiele ich, um auf diesem Centre Court, vor einer solchen Kulisse gegen Spieler wie Novak zu anzutreten.»

Sie haben vor Wimbledon im Vergleich zu den letzten beiden Jahren sehr viel gespielt. Wie sieht Ihre Planung für den Rest der Saison aus?

«Es hat mir geholfen, auf Sand zu spielen, so hatte ich viel Matchpraxis und die nötige Matchhärte. Ich bin froh, wie ich in Halle und in Wimbledon gespielt habe, ich kann von den letzten zwei Monaten sehr viel Positives mitnehmen. Als Team haben wir entschieden, dass wir das Turnier in Montreal auslassen werden, um mir ein wenig Erholung zu gönnen. Ich wünschte, ich hätte noch ein wenig mehr davon.»

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