Mark Spitz lanciert die Kommerzialisierung des Spitzensports

Mark Spitz tritt im Alter von 22 Jahren und nach 7 Goldmedaillen an den Spielen 1972 in München zurück, um seine Erfolge auch finanziell zu vergolden. Auch in dieser Disziplin schwimmt er obenauf.

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Mark Spitz wuchtet sich über 200 m Delfin aus dem Wasser.
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Erschöpft, aber auch mit der Staffel als Erster im Ziel: Mark Spitz.
Mark Spitz bei einem TV-Interview im Jahr 2008.
Mark Spitz klettert aus dem Bassin.

Mark Spitz wuchtet sich über 200 m Delfin aus dem Wasser.

KEYSTONE/AP
(sda)

Vor 48 Jahren stand Mark Spitz als Sportler im Zenit. An den Olympischen Spielen in München fuhr er die Ernte ein. Sieben Goldmedaillen, stets in Weltrekord-Rekordzeit. Den Anfang machte er am 28. August mit Siegen über 200 m Delfin und eine Stunde später als Schlussschwimmer der US-Staffel über 4x100 m Crawl.

In den folgenden Tagen legte der Mann aus Kalifornien nach und schrieb Sportgeschichte. Dies vor den Augen von Johnny Weissmüller, der nach seinen fünf Olympiasiegen 1924 und 1928 als muskulöser Tarzan Filmkarriere machte. Spitz hätte wohl nicht als Tarzan getaugt, denn seine Figur blieb für einen Top-Schwimmer eher schmächtig. Aber in Sachen Kasse machen ist der inzwischen 70-Jährige weitaus besser als Weissmüller, der sein Geld primär mit Frauen und Scheidungen verbrauchte und schliesslich sogar bevormundet und in ein Altersheim für verarmte Hollywood-Schauspieler eingewiesen wurde.

«Mark the Shark» trat nach den Spielen von München 1972 zurück - das IOC hielt bis 1980 recht strikt am sogenannten Amateurstatus fest, der Profisportlern den Zugang zu den Spielen untersagte. Olympiateilnehmer durften weder direkt über Preisgelder, noch indirekt über Werbung Geld durch ihren Sport verdienen. Nun war für Spitz der Weg zum Werbestar frei. Er posierte viel, mal mit, mal ohne Medaillen; für Rasierapparate, Milch oder Badehosen. Auch Homestorys mit Ehefrau Suzie waren kein Tabu. Das Geld floss und wurde wieder investiert. So fasste er auch im Immobilienmarkt Fuss. Arnold Schwarzenegger oder Clint Eastwood zählten zu seinen Kunden. Noch heute ist Spitz als Business- und Motivationsredner aktiv.

Bereits während seiner Karriere hatte er sich Markenzeichen aufgebaut. Dazu zählte der Schnauz, den er heute nicht mehr spriessen lässt. Um den Schnurrbart entstand ein Hype. Er war in den Anfängen ein wichtiges Zeichen seiner Selbstvermarktung.

Spitz ist auf seine zweite Karriere ebenso stolz wie auf die erste. Zum Thema Rücktritt sagte er einst in einem Interview: «Das war eine Frage des Timings, des Hypes, der wirtschaftlichen Cleverness und nicht zuletzt des Aussehens. Ich war ein Pionier. Niemand vor mir hat so viel Nutzen aus seinen olympischen Erfolgen gezogen wie ich.»

Pazifik als Trainingsbecken

Die Erfolge wurden Spitz nicht in die Wiege gelegt, obwohl die Anfänge einem glücklichen Zufall entsprangen. Sein Vater arbeitete als Geschäftsmann in der Stahlbranche. Er bekam eine Stelle in Honolulu. Die Familie zog deshalb zu Beginn der Fünfzigerjahre nach Hawaii. Der kleine Mark Spitz kraulte täglich am Waikiki-Strand entlang, sein Trainingsbecken war der Pazifik.

Vor seinem zehnten Geburtstag hielt Spitz, der nun wieder in Kalifornien lebte, bereits 17 nationale Altersrekorde. Als Spitz 1968 nach Mexiko City reiste, war der Teenager bereits eine grosse Nummer im Schwimmsport. Er selbst setzte sich sechs Goldmedaillen als Ziel. Doch letztlich scheiterte der damals 18-Jährige am eigenen Druck. Gold gab es nur mit den Staffeln über 100 und 200 m Crawl. Als Solist fiel die Ausbeute mit Silber (100 m Delfin) und Bronze (100 m Crawl) gemessen an den Erwartungen bescheiden aus. Vier Jahre später hielt er dem Druck besser stand: Sieben Mal Gold angesagt, sieben Mal Gold gemacht, Differenz null.

Das Comeback

Vor den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona galt das Interesse im Schwimmsport nochmals «Mark the Shark». Er wollte sich für die Spiele in Spanien qualifizieren, scheiterte aber als 42-Jähriger recht deutlich. Der Hauptantrieb für das Comeback war kaum die eine Million Dollar, die ihm der amerikanische Dokumentar-Filmemacher Bud Greenspan im Erfolgsfall überwiesen hätte. Spitz konnte das Scheitern finanziell locker verschmerzen.