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Kovac kämpft: «Kenne die Mechanismen»

Im FC Bayern München herrscht am Tag nach der 0:3-Niederlage gegen Mönchengladbach Kater- statt Fest-Stimmung. Spieler und Bayern-Führung stellt sich trotz der Probleme hinter Trainer Niko Kovac.
Konnte seinen Wiesn-Besuch nicht geniessen: Bayern-Coach Niko Kovac (Bild: KEYSTONE/AP dpa/MATTHIAS BALK)

Konnte seinen Wiesn-Besuch nicht geniessen: Bayern-Coach Niko Kovac (Bild: KEYSTONE/AP dpa/MATTHIAS BALK)

(sda/dpa)

Niko Kovac konnte sich heute auf dem Weg ins Festzelt beim obligaten Oktoberfestbesuch des FC Bayern kein Lächeln abringen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge tat sich etwas leichter, an der Seite seiner Ehefrau freundlich in die Kameras zu schauen. Die Stars posierten neben Frauen und Familien standesgemäss vor einem Promizelt in Tracht und mit dem Masskrug in der Hand für die Fotografen. Doch alle hatten am Tag nach dem demütigenden 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach und dem Absturz aus den Champions-League-Rängen schon vor dem ersten Prosit einen Kater.

«Ich kenne die Mechanismen im Fussball und in der Bundesliga. Ich weiss, dass die Zeit bei Bayern München anders läuft», sagte Coach Kovac und schätzte seine persönliche Lage nach dem vorläufigen Saisontiefpunkt realistisch ein. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Entlassung von Carlo Ancelotti muss auch der Kroate um seinen Job beim deutschen Rekordmeister zittern - und das bereits kurz vor Ablauf der 100-Tage-Schonfrist.

Als sich Kovac alleine für das Wiesnfoto bereit machte, stellte sich Sportdirektor Hasan Salihamidzic demonstrativ neben den 46-Jährigen und nahm ihn kumpelhaft in den Arm. Verbal bekam Kovac auf dem Volksfest vorerst allerdings keine öffentliche Rückendeckung. Präsident Uli Hoeness und Rummenigge schwiegen auch vor dem Käferzelt wie schon am Samstagabend in der Arena zur Krise und Kovac. Gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» brachte Hoeness später allerdings seine Unterstützung für Kovac klar zum Ausdruck. Er stehe «wie eine Eins» hinter seinem Trainer, «egal was in den nächsten Wochen passieren wird», erklärte der 66-Jährige.

Eine solche Negativbilanz wie Kovac wies zuletzt Louis van Gaal vor acht Jahren auf. Damals waren die Münchner sogar nur Zwölfter nach sieben Spieltagen, sagten kurzerhand sogar ihren Oktoberfestbesuch ab. Van Gaal kämpfte sich zunächst aus der Krise, wurde aber ein halbes Jahr später doch entlassen.

Nun rumort es wieder in München. Daran hat auch Hoeness mit seinen provokanten Aussagen unter der Woche zur Rotation und Kovac' Verantwortlichkeit massgeblichen Anteil. Dazu machen Gerüchte über Missstimmungen in der Kabine die Runde. «Wir stehen zum Trainer und haben auch in den ersten sieben Spielen zum Trainer gestanden, als der Trainer und wir auch hochgejubelt wurden», sagte Süle.

Joshua Kimmich betonte, dass er einen «guten» und «positiven» Kovac erlebe. «Er versucht, uns immer wieder zu pushen. Erstaunlich wie selbstbewusst er trotzdem bleibt», sagte der deutsche Nationalspieler, wies aber auf die branchenüblichen Gesetze hin. «Jeder Trainer in der Bundesliga und jeder Trainer in der Welt wird am Ende genauso wie wir Spieler an Erfolg und Misserfolg gemessen. So ist das auch bei Bayern München. Da sind wir keine Ausnahme.»

Kimmich ist nach der Verletzung von David Alaba (kleiner Muskelfaserriss im Oberschenkel) der einzige verbliebene Aussenverteidiger. Zu allem Übel fällt Kovac nun schon der vierte Spieler weg, wenngleich wohl nicht lange. Der von den Bossen als zu gross empfundene Kader bietet derzeit nicht viele Optionen.

Nach sechs Meistertiteln am Stück herrscht Ratlosigkeit. Die Protagonisten setzen auf die Länderspielpause, harte Arbeit und mehr Spielglück in nun vier (!) Auswärtsspielen am Stück. «Immer Pech ist auch kein Zufall», stellte Kimmich nüchtern fest. Neben den individuellen Fehlern in der Defensive ist der Mangel an erspielten Torchancen eklatant.

Die von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus unterstellte Arbeitsverweigerung konnte man den bemühten Bayern-Stars aber nicht nachsagen. Allerdings monierte selbst Salihamidzic Mängel bei der «Körpersprache». «Wir kommen da auf jeden Fall als Mannschaft wieder raus», versprach Süle. Als Mannschaft - und auch mit diesem Trainer?

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