Konsternation im ÖSV

In Österreichs Alpin-Team der Männer herrscht nach dem Tiefpunkt im Riesenslalom vom Sonntag in Garmisch Konsternation. Der erste Winter nach Marcel Hirscher präsentiert sich als grosse Baustelle.

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Vor einem Jahr hatte das Austria-Team mit Präsident Peter Schröcksnadel noch gut lachen: Im WM-Slalom in Are feierten Marcel Hirscher (Mitte), Michael Matt (links) und Marco Schwarz (rechts) einen Dreifachsieg
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ÖSV-Athlet in Schieflage: Roland Leitinger

Vor einem Jahr hatte das Austria-Team mit Präsident Peter Schröcksnadel noch gut lachen: Im WM-Slalom in Are feierten Marcel Hirscher (Mitte), Michael Matt (links) und Marco Schwarz (rechts) einen Dreifachsieg

KEYSTONE/EPA/VALDRIN XHEMAJ
(sda)

Das miese Wetter am Sonntag war Sinnbild für die aktuelle Situation in der Riesenslalom-Gruppe des ÖSV. Die Mannen von Cheftrainer Andi Puelacher standen sprichwörtlich im Regen. Manuel Feller hatte sich als Einziger aus dem rot-weiss-roten Team für den zweiten Durchgang qualifiziert. In der Schlussrangliste war der Tiroler auf dem 28. Platz zu finden. So schlecht standen die Österreicher in der Basisdisziplin noch nie da. Die zuvor grösste Schmach hatten sie vor 28 Jahren in Kranjska Gora erlebt, als Hubert Strolz als Bester im 22. Rang gelandet war.

Österreichs Equipe versagte auf der ganzen Linie. Die zweite Garde vermochte die miserablen Leistungen der Routiniers nicht zu kompensieren. Sie musste einmal mehr zur Kenntnis nehmen, dass Weltcup und Europacup zwei verschiedene Welten sind. Zu den Gescheiterten gehörten Patrick Feurstein und Stefan Brennsteiner, die beide zuvor zwei Europacup-Riesenslaloms gewonnen hatten. Feurstein verpasste die Qualifikation für den zweiten Lauf deutlich, Brennsteiner schied im ersten Durchgang aus. Zur unbefriedigenden Gegenwart scheint die getrübte Zukunft dazuzukommen, was Puelacher und seinen Trainerkollegen zusätzlich zu denken geben wird.

«Ein sehr schwarzer Tag»

Puelacher sprach von «einem sehr schwarzen Tag. Das ist natürlich viel zu wenig, was wir zeigen». Der Chefcoach mit langer beruflicher Vergangenheit in der Schweiz und in Liechtenstein hatte am Verdikt schwer zu kauen. Nach den letzten zwei Riesenslaloms hatte er seine Fahrer noch auf einem guten Weg gesehen. Marco Schwarz in Alta Badia und Roland Leitinger in Adelboden schienen mit ihren 6. Plätzen die Trendwende eingeleitet zu haben.

Wird die Weltcup-Startliste als Referenz herbeigezogen, waren das allerdings Ausreisser nach oben. Den nach wie vor an 4. Stelle geführten Marcel Hirscher ausgeklammert, liegen Schwarz und Feller als beste Österreicher in diesem Klassement auf dem 23. und dem 24. Platz und damit deutlich hinter einem Schweizer Quartett. Loïc Meillard ist die Nummer 5, Marco Odermatt die Nummer 11, Gino Caviezel die Nummer 15 und Justin Murisier die Nummer 17.

Erste Rufe nach Hirschers Rückkehr

Der Absturz in Garmisch entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Er deckt schonungslos auf, wie sehr Marcel Hirscher dem Team fehlt. Der Salzburger hatte die vorangegangenen drei Riesenslaloms in Oberbayern mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Um 1,50, 1,57 und sogar 3,28 Sekunden hatte er die Konkurrenz abgehängt. In die Erinnerungen an jene Grosstaten mischte sich am Sonntag im Zielraum der Kandahar-Piste da und dort der Ruf nach einer Rückkehr des früheren Dominators.

Es wird wohl Wunschdenken bleiben. Hirscher hatte unmittelbar nach der Verkündung seines Rücktritts mit der Umstellung wohl etwas Mühe bekundet. Mittlerweile hat er sich aber an das Leben ohne Skirennsport und die damit verbundenen Verpflichtungen und Zwänge gewöhnt, wie er kürzlich in einem Interview im österreichischen Fernsehen verraten hat. «Für die Qualifikation für den zweiten Lauf würde es wohl noch reichen», sagte er lachend auf ein mögliches Comeback angesprochen. Als ernsthaft wird er die Frage nicht aufgefasst haben.