Kollegen und Konkurrenten freuen sich mit Janka

Carlo Janka schreibt in Lake Louise mit seiner Rückkehr auf das Weltcup-Podest die Schweizer Story des Tages. Seine Renaissance freut auch die Teamkollegen und langjährige Weggefährten.

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Beat Feuz (links) gratuliert und freut sich mit Carlo Janka

Beat Feuz (links) gratuliert und freut sich mit Carlo Janka

KEYSTONE/EPA/NICK DIDLICK
(sda)

Elf Jahre nach seinem sensationellen 2. Platz mit Startnummer 65 erlebte Carlo Janka in Lake Louise ein zweites Märchen. Ziemlich unerwartet meldete sich der Riesenslalom-Olympiasieger von 2010 mit zwei Trainingsbestzeiten und Platz 3 in der ersten Abfahrt des Winters in der Weltspitze zurück.

Einige gönnten Janka den ersten Podestplatz seit März 2017 ganz besonders. Der neun Jahre jüngere Teamkollege Niels Hintermann outete sich nach Jankas Traingsbestzeit am Freitag gar als grösser Fan. Er habe früher jeden Zeitungsartikel, den er über Janka gefunden habe, ausgeschnitten und an seine Zimmertür gehängt, offenbarte Hintermann. «Es freut mich so fest, dass er nach einer so schweren Zeit wieder vorne dabei ist. Für mich war er schon immer der beste Skifahrer.»

Beat Feuz, der sich den 3. Platz mit Janka teilte, meinte: «Schön zu sehen, dass Carlo wieder vorne mitmischt. Er hatte keine Wahnsinns-Vorbereitung und keine grossen Erwartungen, dazu war er auch noch abgelenkt, weil er Vater geworden ist. Das macht es speziell. Doch es ist auch typisch für unseren Sport, in dem sich vieles im Kopf abspielt.»

Mauro Caviezel konnte sich angesichts seiner eigenen Verletzungs-Historie gut in die Lage seines Zimmerkollegen versetzen. «Ich habe aus nächster Nähe miterlebt, was er durchgemacht hat. Viele haben ihn bereits abgeschrieben, und es gab eine Zeit, da stand tatsächlich ein grosses Fragezeichen hinter seiner Zukunft. Über seinen Podestplatz freue ich mich deshalb wie über einen eigenen.»

Zu den Gratulanten im Zielraum gehörte auch der Norweger Kjetil Jansrud, der ihn innig umarmte. Janka selbst blieb derweil ganz der Alte. Der Bündner wirkte im Zielraum nicht anders als nach einem 40. Platz. In den Interviews schwang die Erleichterung aber mit. «Ein bisschen ist es vielleicht auch Altersmitleid, dass sich alle mit mir freuen», scherzte er.

«Völlig unerwartet» seien die Bestzeiten in den Trainings und dieser Podestplatz im Rennen gekommen, meinte Janka. Vor kurzem habe er sich noch gefragt, ob sein Körper noch geschaffen sei für den Leistungssport. «Ich kam nach Kanada, ohne zu wissen, ob es funktioniert mit dem Rücken. Beim Test zuvor in St. Moritz hätte ich nach zwei Tagen wieder heimgehen können», sagte er.

Nun kann sich der Riesenslalom-Weltmeister von 2010 wieder mit anderen Fragen beschäftigen. Zum Beispiel, ob er auch in einer Woche in Beaver Creek oder heute Sonntag im Super-G von Lake Louise überraschen kann.