Kam die Olympia-Verschiebung zu spät?

Lange haben das IOC und Japan an der im Sommer geplanten Austragung der Olympischen Spiele in Tokio festgehalten. Am Dienstag kam die unumgängliche Kehrtwende. Kam sie zu spät?

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Hajo Seppelt, Sportpolitik- und Dopingexperte der ARD, bezeichnet den Entscheid, die Olympischen Sommerspiele in Tokio zu verschieben, als «längst überfällig»

Hajo Seppelt, Sportpolitik- und Dopingexperte der ARD, bezeichnet den Entscheid, die Olympischen Sommerspiele in Tokio zu verschieben, als «längst überfällig»

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
(sda)

Dass die Olympischen Spiele in Tokio in diesem Sommer nicht stattfinden würden, hatte sich in den letzten Tagen angekündigt. Zusehends isolierter standen das IOC um Präsident Thomas Bach und Veranstalter Japan mit ihrem Bestreben da, den Grossanlass wie geplant durchzuführen. Das plötzliche Umschwenken am Dienstag kam dennoch überraschend, hatte sich das IOC am Sonntag doch eine Frist von vier Wochen eingeräumt, um über eine mögliche Verschiebung zu entscheiden.

Der Entschluss, die Sommerspiele zu verschieben, wurde grösstenteils begrüsst und allseits akzeptiert; doch bietet er auch Raum für Fragen. Kam der Entscheid nicht zu spät? Als am Samstag das Olympische Feuer in Japan ankam, versammelten sich trotz der Gefahren des Coronavirus am Bahnhof Sendai in der Präfektur Miyagi Zehntausende. Sie alle wollten einen Blick auf das Feuer erhaschen, harrten dafür Stunden lang im Pulk aus, mit der Gefahr, sich oder andere anzustecken.

Hajo Seppelt, Sportpolitik- und Dopingexperte der ARD, bezeichnet den Entscheid, die Spiele zu verschieben, als «längst überfällig». «Das IOC und die Japaner haben durch ihre wochenlange Verzögerungstaktik erheblichen Reputationsschaden zu verantworten», sagte Seppelt gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Es ist verständlich, dass ein solcher Entscheid nicht von heute auf morgen fallen kann, nur das Vorgehen in der Kommunikation war aus meiner Sicht dürftig und unverantwortlich», fuhr Seppelt fort.

Über die Ursache für das lange Zuwarten wird derzeit spekuliert. Gemäss der «New York Times» hätten auch finanzielle Gründe zur Trägheit geführt. «Jeder Tag, der ohne Entscheid verstreicht und verschiedene Länder dazu bewegt, ihre Athleten von den Spielen zurückzuziehen, wird den Organisatoren entgegen kommen», sagte der britische Sportanwalt John Mehrzad gegenüber der amerikanischen Zeitung. Die Veranstalter könnten dadurch bei allfälligen Klagen argumentieren, dass die Verschiebung nicht ihr Verschulden sei.