Joel Wicki gewinnt das Aargauer Kantonalschwingfest

Von Beginn weg drückte der starke Innerschweizer Gast Joel Wicki im Schlussgang vehement aufs Tempo und suchte gegen seinen bis anhin ungeschlagenen Gegner Joel Strebel die Entscheidung. Dann der entscheidende Griff: Mit Wyberhaken bezwingt Wicki den einen Monat jüngeren Strebel.

Rainer Sommerhalder
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Joel Wicki gewinnt das Aargauer Kantonalschwingfest. (Bild: Melanie Gamma)

Joel Wicki gewinnt das Aargauer Kantonalschwingfest. (Bild: Melanie Gamma)

Joel Wicki gilt als Innerschweizer Hoffnungsträger für das Eidgenössische Schwingfest in Zug. Dem 22-Jährigen wird Ende August sogar der Königstitel zugetraut. Dabei ist der Mann aus den Bergen noch nicht einmal Eidgenosse.

Beim 113. Kantonalschwingfest in Zofingen bekam die Aargauer Elite eine eindrückliche Kostprobe von Wickis Schwingkünsten abgeliefert. Nach exakt sechs Minuten im Schlussgang legte der Gast aus dem Skiort Sörenberg vor 3450 Zuschauern seinen gleichaltrigen Gegner Joel Strebel aus Aristau mit Wyberhaken ins Sagmehl. Damit gewann der schnellkräftige und spektakuläre Offensivschwinger bereits sein insgesamt neuntes Kranzfest.

Joel Wicki (oben) legt Joel Strebel ins Sägemehl. (Bild: Melanie Gamma)

Joel Wicki (oben) legt Joel Strebel ins Sägemehl. (Bild: Melanie Gamma)

Das Einteilungsgericht bescherte Joel Wicki eine Tour d’Argovie. Alle seine sechs Gegner vertraten den gastgebenden Schwingverband. Nur einmal tat sich der mit 182 cm eher kleine Entlebucher dabei schwer: Gegen den begnadeten Defensivkünstler Michael Bächli war Wicki zwar ebenfalls mehrmals nur Zentimeter vom Sieg entfernt, letztlich konnte der Würenlinger bei seinem Kranzfest-Comeback dem favorisierten Gast aber ein glückliches Unentschieden abringen. Ein Resultat, das den in fünf Kämpfen ungeschlagenen Joel Strebel mit einem ganzen Punkt Vorsprung in den Schlussgang steigen liess. Was ihm letztlich aber nicht viel nutzte.

Wicki wirft drei Eidgenossen

Ansonsten machte Wicki auf souveräne Art und Weise Werbung für sich. Dran glauben mussten die drei Aargauer Eidgenossen Nick Alpiger, David Schmid und Patrick Räbmatter sowie Schwergewicht Tiago Vieira - für alle vier blieb es die einzige Niederlage des Tages.

Für Titelverteidiger und Mitfavorit Nick Alpiger im Anschwingen jedoch bereits die Entscheidende. Denn der Seetaler bekam nach einer Verwarnung, weil er den Griff zu lange suchte, vom Kampfgericht eine zusätzliche Viertelnote abgezogen. So fand sich der erfolgsverwöhnte Alpiger nach einem Gang mit 8.25 ganz alleine auf dem letzten Platz wieder.

Eine zu grosse Hypothek, um es mit seiner Aufholjagd noch in den Schlussgang zu schaffen. «Ich bin selber schuld», sagte der vierfache Saisonsieger nach dem Fest. Während des Tages war ihm der Ärger gut anzumerken. Am Abend zeigte sich Alpiger wieder versöhnt und zufrieden mit seinem Abschneiden.

Auch Wicki betonte die Signalwirkung dieses ersten Kampfes. «Wir kennen uns von den Trainings in Magglingen her gut. Ich bin glücklich, hatte ich gegen einen starken Gegner das bessere Ende für mich.» Wicki freute sich durchaus über die schwierige Einteilung durch das Kampfgericht. «So etwas bringt mich weiter, denn in einer Woche am Luzerner Kantonalen wird es wohl noch härter». Dort trifft der Sieger von Zofingen auf die besten Innerschweizer und die starken Gäste Kilian Wenger und Samuel Giger.

Strebel so stark wie noch nie

Zurück zum Fest in Zofingen. Bemerkenswert zum einen der Auftritt des 205 cm grossen Comeback-Schwingers Michael Bächli. Er musste seine Schlussgang-Ambitionen nach fast vierjähriger Verletzungspause und vier Knieoperationen erst mit der Niederlage gegen Joel Strebel im fünften Gang begraben. Und herausragend natürlich eben dieser 22-Jährige aus Aristau.

Strebels Talent ist seit Jahren bekannt. Beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingfest von 2012 stand der Freiämter im Schlussgang . . . und verlor ihn nach kurzer Kampfdauer gegen Joel Wicki. Zwischen 2013 und 2017 sammelte der Jungspund bereits acht Kränze, bevor ihn eine Schulterverletzung im Vorjahr für Monate aus dem Sagmehlring riss. Erst seit November kann Strebel wieder schwingen.

Der Landmaschinenmechaniker hat die Zwangspause nach der Operation genutzt, um körperlich noch einmal zuzulegen. Stolze 113 Kilogramm bringt er bei einer Grösse von 192 cm auf die Waage. «Ich muss mich nicht verstecken, kann mit einer offensiven Einstellung auf den Platz», sagt Strebel.

Er spekulierte zwar aufgrund seiner guten Verfassung auf einen Kranzgewinn, mit der Schlussgang-Teilnahme allerdings rechnete er nicht. Der Niederlage trauert er nicht nach. «Joel Wicki ist ein ganz starker Schwinger. 2012 war ich gegen ihn noch chancenlos, heute hatte ich durchaus auch meine Möglichkeiten. Ich hatte beim Greifen ein gutes Gefühl, aber gegen den Wyberhaken war ich dann machtlos.»