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«Jeder spielt lieber, als dass er trainiert»

Das Swiss Sport Forum im FIFA-Museum in Zürich zog viele Gäste und hochkarätige Referenten an. Im ausverkauften Saal war auch Fussballlegende Paul Breitner, Weltmeister 1974 mit Deutschland.
Paul Breitner ist auch nach seiner Karriere eine Persönlichkeit im Fussball (Bild: Keystone/LAURENT GILLIERON)

Paul Breitner ist auch nach seiner Karriere eine Persönlichkeit im Fussball (Bild: Keystone/LAURENT GILLIERON)

(sda)

Am Swiss Sport Forum ging es um eine Standortbestimmung insbesondere im Fussball, um mögliche künftige Entwicklungen, Fakten und Meinungen, alles unter dem Generaltitel «Sport on the move».

In Wallung geriet auch Stargast Paul Breitner, der eine Extratour durchs FIFA-Museum genoss. Und als der einst eisenharte Haudegen des FC Bayern gefragt wurde, ob er den Original-Pokal von 1974 nicht doch noch einmal anfassen wolle, liess er sich das nicht nehmen. Mit stolzer Miene und breitem Lachen stemmte Breitner die Trophäe, die er vor 45 Jahren zusammen mit der goldenen Generation Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Berti Vogts und Co. gewonnen hatte, nochmals hoch.

Weniger später bewies Breitner, dass er auch neben dem Platz immer noch verbal zupacken kann - als hervorragender, manchmal gnadenloser Rhetoriker, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Breitner reagierte auf eine Aussage von Fussball- und Gastro-Experte Reiner Calmund, der sich bei allen den Wettbewerben im internationalen Fussball über die immer höhere Belastung der heutigen Profis äusserte ("Jetzt ist genug»), gereizt. «So ein Schmarrn! Wir hatten früher über 90 Spiele für Bayern pro Saison bei jedem Wetter – und keiner hat sich beschwert», polterte Breitner. «Allerdings, wenn eine Mannschaft Erfolg hat, klagt auch kein Profi. Das war früher so und ist auch heute nicht anders.» Klar, dass er sich so für einen noch breiteren, internationalen Wettbewerb wie etwa die Einführung einer Klub-WM ausspricht: «Ist doch logisch, jeder Fussballer spielt lieber, als dass er trainiert. Es gibt nichts Schöneres.»

Allerdings zeigte der ehemalige Real-Söldner Breitner auch Verständnis für die Argumente der Gegner seiner These, dass sich heute viele Profis überfordert fühlen würden. Nur ortet Breitner die Gründe dafür nicht im reichlich gefüllten Spielkalender: «Heute sind doch viele schon als Junge Superstars und können keinen Schritt mehr in der Öffentlichkeit machen, ohne dass sie dies wenig später in den sozialen Medien oder sonst wo vorgeführt bekommen. Es weiss keiner mehr, wie er sich verhalten soll. Da muss man die Hebel ansetzen.»

Weniger lautstark, aber nicht weniger emotional ging es in der Gesprächsrunde zum Thema «Erfolg, Misserfolg und die Folgen» zu. Als Teresa Enke das Wort ergriff, wurde es leise. Sie sprach offen den Suizid ihres Gatten Robert und die Folgen an. Der frühere Torhüter Robert Enke hatte sich vor knapp zehn Jahren nach langen Depressionen das Leben genommen. «Man muss endlich erkennen, dass diese Krankheit schon längst im Spitzensport angekommen ist und diese auch akzeptieren», fordert Teresa Enke, die in ihrer Trauerbewältigung 2010 die «Robert-Enke-Stiftung» gegründet hatte. Sie wird dabei von der Deutschen Fussball-Liga (DFL) und Enkes Stammklub Hannover 96 unterstützt. Sie wolle kein Geld generieren, sondern die Öffentlichkeit für diese Thematik sensibilisieren, die alle betreffen könne – nicht nur die Profifussballer, sondern auch andere Spitzensportlern. «Nur wird eine Depression oft nicht ernst genommen, da sie nicht messbar ist wie etwa ein Beinbruch.»

Einen Beinbruch hat sich Matthias Glarner bei seinem üblen Gondelsturz aus einigen Metern für ein Fotoshooting im Juni 2017 zwar nicht geholt. Aber der Schwingerkönig zog sich bei allem Glück, das er hatte, eine hartnäckige Sprunggelenkverletzung im linken Fuss zu. Diese macht ihm heute noch zu schaffen. Doch der Berner Oberländer kämpft sich hartnäckig an die Spitze seiner Gilde zurück.

Gab es da nie Momente der Resignation? Glarner, der seine Karriere schon immer sorgfältig geplant hat: «Es hat sicherlich geholfen, dass ich seit zehn Jahren immer den gleichen Sportpsychologen besuche.» Mit ein Grund sei, dass er neben seiner Karriere als Spitzensportler stets sein Studium der Sportwissenschaften vorangetrieben habe: «Das lenkte ab und nahm mir die Möglichkeit, viel zu grübeln. Auch wenn es an der Uni manchmal langweilig war.» Und wie stuft er seine Chance für die Titelverteidigung Ende August in Zug ein? Glarner: «Es wird sicher einen neuen Schwingerkönig geben – vielleicht ja einen neuen alten.»

Mit viel Witz, aber auch Eigenkritik zog SFV-Präsident Peter Gilliéron bei seiner «Standortbestimmung Nationalmannschaft» die Zuhörer in den Bann. Gilliéron, der diesen Sommer nach 26-jähriger Verbandstätigkeit in den Ruhestand treten wird, zog sein Fazit: «Vieles haben wir gut, weniges schlecht gemacht.» Als negativen Aspekt sieht er die Vorkommnisse an der WM im Sommer 2018 in Russland, als vor allem in kommunikativer Hinsicht einiges schief lief: «Aber wir haben die Lehren daraus gezogen und uns auch entschuldigt.» Er wolle jedoch weder die «Doppeladler-Affäre» aufwärmen noch eine «Doppel-Entschuldigung» aussprechen. «Hätten wir Schweden geschlagen und wären weitergekommen, wäre die Diskussion gar nie aufgekommen. Es zählen nur die Resultate», glaubt Gilliéron. Als positiven Fakt sieht er neben den sportlichen Erfolgen de Nationalmannschaft den wirtschaftlichen Aspekt in seiner Amtszeit: «Als ich 1993 im Verband begann, belief sich der Umsatz der Nationalteams 4,3 auf Millionen Franken, 2017 waren es 35 Millionen.»

Und was tut Gilliéron, wenn er in Rente ist - ohne offizielles Amt? Tagesleiter Urs Scherrer fragte dies und bekam zur Antwort: «Ich werde endlich mal bei Brot, Wurst und Bier ein Fussballspiel geniessen und über den Schiedsrichter lästern können.»

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