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Im Westen junge Gesichter, im Norden nichts Neues

Arsenal und Chelsea versuchen in dieser Saison mit ähnlichen Mitteln in der Premier League vorne mitzuspielen. Die Kopie übertrifft bisher das Original.
Captain Granit Xhaka steht bei Arsenal arg in der Kritik (Bild: KEYSTONE/AP PA/NIGEL FRENCH)

Captain Granit Xhaka steht bei Arsenal arg in der Kritik (Bild: KEYSTONE/AP PA/NIGEL FRENCH)

(sda)

Am Wochenende wurde in der Premier League natürlich über den VAR, über den spät zustande gekommenen Sieg von Leader Liverpool und den Höhenflug von Leicester City geredet. Doch das Sujet der Runde lieferte Granit Xhaka. Wie der Schweizer mit finsterer Miene und provokanten Gesten den Rasen verliess, lieferte die Vorlage für eine grundsätzliche Diskussion zur Verfassung von Arsenal und dessen Captain.

Xhaka wurde im Spiel gegen Crystal Palace nach einer Stunde ausgewechselt. Pfiffe und Buhrufe von den eigenen Fans begleiteten den Captain, der die Unzufriedenen mit Armbewegungen und einer Hand am Ohr zynisch dazu aufforderte, ihren Unmut doch noch etwas lauter zu äussern. Danach zog er das Trikot aus und verschwand schnurstracks in die Katakomben des Stadions. Kurz vor der Auswechslung von Xhaka hatte Crystal Palace zum 2:2 ausgeglichen. Dabei blieb es.

Der Ärger über den verspielten 2:0-Vorsprung dürfte die launische Reaktion der Anhänger gegenüber dem Schweizer verstärkt haben. Doch dass sie gerade ihn traf, war kein Zufall. Xhaka steht als Captain auch stellvertretend für die Mannschaft, die nicht erst in dieser Saison durch ihre fehlende Konstanz und Nervenstärke den Anhang zum Verzweifeln bringt. Er ist auch zum liebsten Opfer jener geworden, die die «Gunners» als ineffiziente und instabile Schönwetterspieler ansehen.

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass sich ein zum TV-Experte gewordener ehemaliger Spieler zu Xhaka äussert und kritisiert, was auch vielen Fans missfällt: Körperhaltung, Defensivverhalten, Kampfgeist. Alles Eigenschaften, die bei Arsenal im Verhältnis zu anderen englischen Teams nicht so ausgeprägt sind, was Xhaka zum idealen Sündenbock macht. Nun könnten die Kritiker einen Sieg davontragen: Trainer Unai Emery liess nach dem Vorfall am Sonntag offen, ob der Mittelfeld-Stratege Captain bleibt.

Der Spanier gab Xhaka bislang immer Rückendeckung. Doch diesmal hat Xhaka das fast Unentschuldbare getan und sich mit den eigenen Fans angelegt. Diese zu besänftigen wird für Arsenal immer schwieriger, zumal die Klubphilosophie der Nordlondoner mit dem Aufbau junger Spieler nicht mehr so gut als Begründung für schlechte Resultate hinhalten kann, seit Chelsea, der Klub im Westen der englischen Hauptstadt, unfreiwillig den gleichen Weg geht.

Zum Glück gezwungen

Die Transfersperre hat den FC Chelsea gezwungen, nach Jahren der grossen Ausgaben unter Besitzer Roman Abramowitsch zumindest kurzfristig einen neuen Weg zu gehen. Ob nun der milliardenschwere Russe und seine Führungsleute sich den Plan für diese Saison ausgedacht haben oder ob es ein glücklicher Zufall ist, die derzeitige Personalkonstellation überzeugt. Frank Lampard, die Klub-Ikone, führte am Samstag eine immer selbstsicherer auftretende junge Mannschaft zum siebten Sieg in Folge.

«Die jungen Spieler bringen viel positive Energie und eine gute Mischung mit der Erfahrung der älteren Spieler», hat Marcos Alonso, einer der Routiniers, beobachtet. Der Amerikaner Christian Pulisic, der beim 4:2-Sieg am Wochenende in Burnley dreimal traf, Topskorer Tammy Abraham, Mittelfeldspieler Mason Mount und Innenverteidiger Fikayo Tomori sind vier der jungen Spieler, die von der ungewöhnlichen Situation an der Stamford Bridge profitieren und sich in die Startformation gespielt haben.

Während bei Arsenal das Projekt mit den jungen Spielern Jahr für Jahr in einer Sackgasse zu enden scheint, war es für Chelsea bislang ein Befreiungsschlag. Die letzten beiden Saisons unter den Italienern Antonio Conte und Maurizio Sarri waren harzig verlaufen, selbst wenn die Amtszeit von Sarri mit dem Europa-League-Titel einen versöhnlichen Abschluss fand. Unter Lampard seien nun alle Fans wieder zufrieden, bemerkte Captain Cesar Azpilicueta.

Die Mannschaft, mit einem Durchschnittsalter von gut 25 Jahren in etwa gleich alt wie jene von Arsenal und damit eine der jüngsten der Premier League, verkauft sich gut - nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben. Viel ist bei den Spielern die Rede von harter Arbeit und Liebe zum Trikot. Lampard verlangt, dass jeder das Chelsea-Shirt spüre, erzählte Azpilicueta. Das Trikot von Chelsea scheint derzeit auf jeden Fall deutlicher leichter zu tragen als jenes von Arsenal.

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