Hollenstein: «Viel besseres kannst du in meinem Alter nicht haben»

Goalie Luca Hollenstein hext die Schweiz an der U20-WM vor einem Jahr in den Halbfinal. Daran will er in Tschechien anknüpfen.

Hören
Drucken
Teilen
Luca Hollenstein will auch in Tschechien brillieren

Luca Hollenstein will auch in Tschechien brillieren

KEYSTONE/AP The Canadian Press/JONATHAN HAYWARD
(sda)

Hollenstein denkt immer wieder gerne an den mit 2:0 gewonnenen Viertelfinal gegen Schweden vor einem Jahr zurück. Er brachte die klar favorisierten Skandinavier mit 41 Paraden zur Verzweiflung. «Das pusht einen auf jeden Fall», sagte der Keeper des EV Zug. «Es ist jedoch eine neue WM, an der ich die Leistung wieder bringen muss.»

Im Auftaktspiel gegen Kasachstan überzeugte Hollenstein noch nicht restlos. Dennoch stimmt die Form. Weil der Zuger Stammtorhüter Leonardo Genoni eine Adduktorenverletzung erlitten hatte, durfte der 19-Jährige bereits siebenmal von Beginn weg in der National League spielen, einmal wurde er eingewechselt. Dabei verzeichnete er eine Abwehrquote von 92,8 Prozent.

«Es ist schon eine Umstellung im Vergleich zur Swiss League», so Hollenstein. «Die Spieler sind etwas schlauer, sie sehen die freien Leute oder die offenen Stöcke vor dem Tor, die Schussqualität ist besser. Das kommt mir jedoch alles zu Gute. Ich kann davon nur profitieren.» In der Champions Hockey League, in der er fünfmal zum Einsatz kam, kassierte er knapp ein Gegentor pro Partie (0,98), womit er in dieser Statistik die Nummer 1 ist.

Wenn Hollenstein im Tor steht, erweckt er den Eindruck, als könnte ihn nichts aus der Ruhe bringen. «Es ist schön, wenn es von aussen so scheint. Innerlich bin ich schon etwas nervös, aber damit muss ich umgehen können.» Den Umgang mit einem haltbaren Gegentreffer bezeichnete er als «nicht so einfach, wie es sein sollte.» Macht er Mentaltraining? «Ehrlich gesagt nicht. Ich habe das Gefühl, dass mir das gegeben ist.»

Ausserdem hat Hollenstein mit Genoni den perfekten Lehrmeister an seiner Seite. Er redet viel mit dem derzeit wohl besten Schweizer Keeper. «Er liest das Spiel sehr gut, sieht so viele Optionen, weiss immer, wo der Puck hinkommt. Das macht ihn so stark», schilderte Hollenstein die Vorzüge von Genoni. «Und er ist eine gute Persönlichkeit. Es hilft sehr, jeden Tag mit ihm trainieren zu können und zu sehen, welche Technik er in welcher Situation anwendet.» Bei sich selber sieht er noch beim Umgang mit dem Stock das grösste Potenzial. «Es dient den Verteidigern und dem ganzen Team, wenn du mitspielst. Da gilt es dranbleiben», sagte Hollenstein. Weil er mit 1,78 m kein grosser Torhüter ist, muss er etwas aggressiver spielen, um mehr Fläche abzudecken.

Ein Wechsel nach Nordamerika, denn mittlerweile einige Schweizer schon früh vollziehen, war für Hollenstein «nie gross ein Thema. Ich hatte die Möglichkeit, sehr früh in der Swiss League zu spielen. Nun bin ich die Nummer 2 hinter Leo. Viel besseres kannst du in meinem Alter nicht haben.» Zwar sei es für jeden Eishockeyspieler ein Ziel, in der NHL tätig zu sein, zunächst aber will er in der National League den Durchbruch schaffen. Des Weiteren wird er im kommenden Mai/Juni die KV-Abschlussprüfungen absolvieren.

An der Goalie-Position faszinierte ihn die Ausrüstung. Allerdings hatten die Eltern nicht so Freude daran, dass er zwischen die Pfosten wollte. Er konnte sie aber überreden. «Ich glaube, es war die bessere Lösung», ist Hollenstein überzeugt. Er stellte jedoch nicht in Abrede, dass es viele Torhüter gibt, die speziell sind. Man sei schon ein bisschen ein Einzelsportler im Team. Gleichzeitig sei die Verantwortung gegenüber der Mannschaft gross. Dass er mit diesem Druck umgehen kann, will er in Tschechien ein weiteres Mal beweisen.