Hirschi unglücklicher Zweiter - Roglic siegt im Chaos-Sprint

Marc Hirschi verpasst den Sieg bei Lüttich-Bastogne-Lüttich auf unglücklich Weise. Der junge Berner wird nach einem verrückten Sprintfinale als Zweiter gewertet. Den Sieg holt sich Primoz Roglic.

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Das Podest in Lüttich: Der slowenische Sieger Primoz Roglic (Mitte) mit dem zweitplatzierten Marc Hirschi (links) und Landsmann Tadej Pogacar an seiner Seite
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Auf anspruchsvollen 257 km ging es von Lüttich nach Bastogne und zurück. Die 175 gestarteten Fahrer waren hart gefordert
Primoz Roglic ist der erste Slowene, der eines der fünf Monumente im Radsport für sich entscheiden konnte
Für den aufstrebenden Marc Hirschi geht mit dem 2. Platz in Lüttich eine kurze, intensive und sehr erfolgreiche Saison zu Ende
Primoz Roglic (links) überspurtet Weltmeister Julian Alaphilippe, der zu früh zum Jubel ansetzte. Dahinter überquert Marc Hirschi die Ziellinie als Dritter. Der Schweizer wird nach der Rückversetzung von Alaphilippe allerdings als Zweiter gewertet

Das Podest in Lüttich: Der slowenische Sieger Primoz Roglic (Mitte) mit dem zweitplatzierten Marc Hirschi (links) und Landsmann Tadej Pogacar an seiner Seite

KEYSTONE/EPA/JULIEN WARNAND
(sda)

Marc Hirschi war drauf und dran, nach seinem Sieg bei der Flèche Wallone am Mittwoch auch den zweiten Ardennen-Klassiker in diesem Herbst für sich zu entscheiden. Für den aufstrebenden Schweizer wäre es nach seinen Erfolgen an der Tour de France und dem Gewinn der Bronzemedaille im WM-Strassenrennen der nächste Höhepunkt in einer aussergewöhnlichen Saison gewesen. Doch es kam anders.

Hirschi zeigte bei «La Doyenne», dem ältesten Eintagesrennen im Radsport-Kalender, erneut eine grossartige Leistung. Wiederum mischte der erst 22 Jahre alte Berner im Konzert der Grossen mit. Als Weltmeister Julian Alaphilippe an der letzten Steigung 14 km vor dem Ziel mit einem Angriff das Finale einläutete, war es Hirschi, der dem Franzosen am Côte de la Roche-aux-Faucons als Erster folgen konnte - mit Primoz Roglic und Tadej Pogacar, den beiden Dominatoren der Tour de France, im Schlepptau.

Als sich das Quartett nach knapp 257 auf der Zielgeraden in Lüttich auf den Schlusssprint vorbereitete, stiess mit Matej Mohoric sogar noch ein dritter Slowene dazu. Hirschi heftete sich sofort ans Hinterrad von Alaphilippe und befand sich in aussichtsreichster Position, um als erster Schweizer seit Oscar Camenzind im Jahr 2001 den Ardennen-Klassiker zu gewinnen. Mit einem Schlenker nach links brachte Alaphilippe Hirschi jedoch aus dem Tritt, worauf der Ittiger kurz vom Pedal rutschte und seinen Spurt abbrechen musste.

Alaphilippe freut sich zu früh

Alaphilippe hingegen zog weiter, wähnte sich etwa 10 Meter vor der Ziellinie bereits als sicherer Sieger und riss jubelnd die Arme in die Höhe. Doch der meistgenannte Favorit auf den Sieg in Lüttich rechnete nicht mit Primoz Roglic. Der Slowene zog rechts an Alaphilippe vorbei. Erst nach der Konsultation der Zielbilder war ersichtlich, dass Roglic sich wenige Zentimeter vor Alaphilippe durchsetzte.

Hirschi überquerte die Ziellinie als Dritter, wurde nach einem Entscheid der Rennjury und der Rückversetzung von Alaphilippe ans Ende der fünfköpfigen Spitzengruppe jedoch als Zweiter gewertet - ein schwacher Trost für den Schweizer, der im Finale der Stärkste zu sein schien. «Das kann bei einem Sprint passieren, so ist das nun einmal. Die Jury hat analysiert, sie sind die Experten, also muss ihr Entscheid richtig sein», gab sich Hirschi gelassen.

Trotz dem verpassten Sieg zeigte sich der U23-Weltmeister von 2018 zufrieden mit dem 2. Rang. «Das gibt mir Selbstvertrauen für die Zukunft. Es ist schön, wenn man mit den besten der Welt mithalten kann», so der Aufsteiger dieser Corona-Saison. Nun werde er wahrscheinlich noch eine Woche weiter trainieren, und dann eine Pause einlegen. Weitere Renneinsätze in dieser Saison scheinen für den Schweizer Shootingstar im Team Sunweb derzeit nicht vorgesehen.

Alaphilippe entschuldigt sich, Roglic jubelt

Während Julian Alaphilippe seinen Fehler einsah und sich dafür entschuldigte, zeigte sich Primoz Roglic nach seiner ersten Teilnahme bei Lüttich-Bastogne-Lüttich überglücklich über seinen Sieg im Foto-Finish. «Es war wirklich sehr, sehr eng. Ich kann nicht glauben, dass ich es getan habe, es ist unglaublich», freute sich der 30-jährige Slowene, der nach seiner bitteren Niederlage im Zeitfahren der Tour de France das sicher geglaubte Maillot jaune noch einen seinen Landsmann Tadej Pogacar verloren hatte.

Pogacar stieg in Lüttich nach der Rückversetzung von Alaphilippe als Dritter erneut aufs Podest. Dahinter klassierte sich mit Matej Mohoric ein weitere Slowene. Roglic ist ausserdem der erste slowenische Fahrer, dem es gelungen ist, eines der fünf Monumente im Radsport zu gewinnen. Wenn Hirschi so weitermacht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch er - wie schon mehrfach sein Manager Fabian Cancellara - bei einem grossen Klassiker triumphieren kann.