George Best - Playboy, Dribbelgenie, tragische Figur

Am 22. Mai wäre der geniale Dribbelkünstler George Best, vielleicht der Beste der Geschichte, 74-jährig geworden. Der Alkohol und seine Nationalität verhindern eine noch grössere Karriere.

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Noch heute heiss geliebt und verehrt: An der Mauer von Belfasts Stadion Windsor Park ist George Best mit einem Wandbild verewigt, vor dem Old Trafford in Manchester mit einer Statue
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Zwei der Grössten unter sich: George Best (li.) dribbelt bei einem Spiel in den USA 1976 gegen Pelé
In der zweiten Hälfte seiner Karriere tingelte Best mit Bart und etwas Übergewicht durch exotische Fussballligen
Wegen seiner Frisur und seinem Talent als Showman erhielt Best den Übernamen «Der fünfte Beatle»

Noch heute heiss geliebt und verehrt: An der Mauer von Belfasts Stadion Windsor Park ist George Best mit einem Wandbild verewigt, vor dem Old Trafford in Manchester mit einer Statue

KEYSTONE/AP/PETER MORRISON
(sda)

Das berühmteste Zitat von George Best sagt viel aus über sein Leben: «Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest hab ich einfach verprasst.» Best übertrieb keineswegs. Vor allem ab dem Alter von etwa 24 (!) Jahren begannen die Eskapaden auch sein fussballerisches Leben zu beeinträchtigen. 1971 wurde er von Manchester United für zwei Wochen gesperrt, nachdem er den Zug zum Auswärtsspiel bei Chelsea verpasst hatte - wegen einer Affäre mit einer Schauspielerin. Anfang 1972 brannte er mit der Miss Great Britain durch und tauchte eine Woche nicht im Training auf. Und im Dezember 1972 - frustriert über die zunehmend schlechteren Resultate ManUniteds - verschwand er nächtelang auf Partys in Londoner Nachtclubs.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Best aber nicht zu stoppen. Er war von einem Scout in Belfast entdeckt worden. Glentoran, sein Lieblingsklub als Kind, hatte ihn als «zu klein und schmächtig» befunden, doch Bob Bishop schrieb in einem Telegramm an Matt Busby, den legendären Coach von Manchester United: «Ich glaube, ich habe ein Genie für dich gefunden.» Mit 17 Jahren gab Best sein Debüt für die «Red Devils», bis zum Ende seiner ersten Saison kam er bereits auf 26 Einsätze und sechs Tore. Busby war bekannt für seine Arbeit mit jungen Spielern. Mit den sogenannten «Busby Babes» - einem Team mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren - hatte er je zweimal hintereinander den englischen Meistertitel und den Halbfinal des Meistercups erreicht, ehe 1958 ein Flugzeugunglück in München acht Stammspieler aus dem Leben riss.

Mit dem überlebenden Bobby Charlton und den jungen Dennis Law und Best hatte Manchester United wieder eine Mannschaft zusammen, die Grosses erreichte. Bereits 1965, mit 19 Jahren, wurde Best erstmals Meister, 1967 ein zweites Mal, und 1968 gewannen die «Red Devils» als erste englische Mannschaft den Meistercup. Im Final gegen Benfica Lissabon erzielte Best in der zweiten Minute der Verlängerung das Siegtor, indem er den überragenden portugiesischen Goalie José Henrique in seiner unnachahmlichen Art umdribbelte. Im selben Jahr gewann er den Ballon d'Or als bester Fussballer der Welt.

Der fünfte Beatle

Die Medien und Fans liebten Best, der immer für eine Show gut war. Nachdem er in Lissabon in einem Europacupspiel mit zwei Toren brilliert hatte, gaben ihm die portugiesischen Zeitungen den Übernahmen «der fünfte Beatle» - wohl eher wegen seiner Frisur und obwohl er ja in der falschen englischen Stadt spielte. Für die Gegner war er meistens zu flink und zu schnell, so dass oft nur harte Fouls halfen, ihn zu stoppen. Busby bereitete ihn darauf vor, indem er seine Spieler anwies, Best in den Trainings ähnlich hart anzugehen, um ihn abzuhärten.

In der Wahl des besten Fussballers des 20. Jahrhunderts durch eine FIFA-Fachjury landete Best hinter Pelé, Alfredo Di Stefano, Diego Maradona und Franz Beckenbauer auf dem 5. Platz. Es hätte auch noch weiter vorne sein können, hätte er nach seinem letzten Spiel für Manchester United am 1. Januar 1974 nicht nur noch in Südafrika, Irland, Schottland, den USA, Hongkong, Australien und unteren englischen Ligen gespielt. Und wenn er Engländer statt Nordire gewesen wäre.

Best wäre 1966 fast sicher im Aufgebot der englischen Nationalmannschaft gestanden, die mit Captain Bobby Charlton den WM-Titel gewann. Als Nordire hatte er aber keine Chance, er ist wahrscheinlich der beste Spieler, der nie an einer WM dabei war. Die Länderspiele mit mehrheitlich Amateuren als Mitspielern sah er deshalb eher als Hobby an.

Best zeigte nie Reue über seinen Lebensstil, Folgen hatte er dennoch. Leber und Niere hatten stark gelitten. Im Oktober 2005 wurde er im Alter von 59 Jahren nach einer Niereninfektion ins Spital eingeliefert. Best wusste, dass er sich nicht mehr erholen würde und verabschiedete sich von seinen besten Freunden. Zu den letzten Besuchern gehörten Bobby Charlton und Dennis Law. Am 25. November starb George Best, doch vor dem Old Trafford in Manchester erinnert eine Statue der United-Dreifaltigkeit an den Schotten Law, den Engländer Charlton und den Nordiren Best. Letzterer war der talentierteste der drei, dafür leben die deutlich älteren Charlton und Law noch. Genialität ist selten gut für die Gesundheit.