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Für Bern die Vergangenheit, für Zug die Gegenwart

Zum dritten Mal stehen sich im Playoff-Final der National League Bern und Zug gegenüber. Die Erfahrungen der letzten Jahre sprechen für den SCB, der diesjährige Playoff-Verlauf für Zug.
Für ihn wird es ganz speziell: SCB-Goalie Leonardo Genoni wechselt auf die neue Saison hin von Bern zu Finalgegner Zug (Bild: KEYSTONE/ANTHONY ANEX)

Für ihn wird es ganz speziell: SCB-Goalie Leonardo Genoni wechselt auf die neue Saison hin von Bern zu Finalgegner Zug (Bild: KEYSTONE/ANTHONY ANEX)

(sda)

Erstmals seit sechs Jahren und dem Duell zwischen Fribourg-Gottéron und Bern (2:4 Siege) treffen im Final die beiden besten Mannschaften der Qualifikation aufeinander. Entsprechend offen ist die Ausgangslage. Auf der einen Seite die Zuger, die bisher äusserst souveräne Playoffs hinter sich haben und sich in den letzten Wochen unantastbar zeigten, auf der anderen Seite der Qualifikationssieger aus Bern, der im Viertel- und Halbfinal öfters taumelte, aber immer siegte, wenn es zählte, und der am Dienstag beim 5:1 gegen Biel nichts anbrennen liess.

Zug steigt ausgeruht und nach einer Pause von einer Woche in die Endausmarchung der Meisterschaft. Der Faktor Müdigkeit - Bern stand mehr als 300 Minuten länger auf dem Eis als der EVZ - sei aber kein Faktor, versicherte Berns Tristan Scherwey nach dem Finaleinzug. «Ich bin es leid, ständig Fragen nach der Müdigkeit zu beantworten. Es sind Playoffs, die schönste Zeit des Jahres. Da ist man nicht müde», sagte der Berner Aggressivleader, der am Dienstag mit zwei Toren glänzte und zudem wertvolle Vorarbeit beim wegweisenden 2:0 leistete.

Nicht nur die körperliche Frische spricht für den EV Zug, sondern auch zahlreiche Statistiken. Das Team von Trainer Dan Tangnes schoss deutliche mehr Tore (4,11 pro Spiel) als Bern (2,50) und kassierte auch weniger (2,11) als der Qualifikationssieger (2,17). Zug hat das effizientere Powerplay und das erfolgreichere Boxplay. In Lino Martschini und Garrett Roe stellt der EVZ auch die beiden aktuellen Topskorer der Playoffs.

Martschini ist so etwas wie das Sinnbild der aktuellen Zuger Stärke. In den vergangenen Jahren tauchte der kleingewachsene Stürmer in entscheidenden Phasen oftmals unter, nun ist er mit fünf Toren und acht Assists der Playoff-Topskorer. Zudem befindet sich Torhüter Tobias Stephan ebenso (Top-)Form wie sein Gegenüber bei Bern und Nachfolger bei Zug, Leonardo Genoni.

Die Euphorie rund um den EVZ ist gross. Berechtigt ist die Hoffnung, dass die Zuger 21 Jahre nach ihrem ersten Meistertitel den Pokal wieder in die Höhe stemmen dürfen und die Herrschaft der «grossen Vier» im Schweizer Eishockey (Bern, ZSC Lions, Davos und Lugano) beenden.

Im Weg steht den Zugern mit dem SCB aber ein grosser Brocken. Das Team von Kari Jalonen vermochte in den bisherigen Playoffs nur selten richtig zu überzeugen. Es bekundete mit dem unangenehmen Genève-Servette grösste Mühe und stand gegen Biel kurz vor dem Ausscheiden. Mit dem Rücken zur Wand aber spielte Bern jeweils seine ganze Routine aus. «Wir sind gewachsen in diesen Playoffs und haben trotz schlechter Phasen die wichtigen Spiele gewonnen», attestierte Jalonen seiner Mannschaft.

Bern konnte nicht verbergen, dass es schon mit besseren Voraussetzungen in eine finale Phase gestiegen ist. Die Kämpferqualitäten, eine wichtige Eigenschaft im Playoff, und die immense Erfahrung sprechen aber für Bern. Drei Finalteilnahmen in vier Jahren sprechen Bände. Und aus der Tatsache, dass er gegen den EVZ noch nie eine wichtige Serie (Halbfinal oder Final) verlor, darf der SCB ebenfalls Kraft schöpfen.

Bern ist zu Gute zu halten, dass es sich im Halbfinal gegen Biel deutlich steigerte. War zum Beispiel das Powerplay gegen Servette noch inexistent, gehörte es gegen Biel zu den grossen Stärken. Hatte sicher Bern im Viertelfinal fast nur auf seine vierte Linie verlassen können, waren im Halbfinal Spieler wie Tristan Scherwey plötzlich ein wichtiger Faktor. Und mit Ramon Untersander kehrte der Spielmacher an der blauen Linie nach einer langen Pause stark zurück. Gegen Biel spielte der Verteidiger so dominant auf, als wäre er nie weg gewesen.

Speziell wird die Serie für Berns Keeper Genoni, der ab der kommenden Saison das Zuger Tor hüten wird. Die grosse Frage vor dem Final lautet deshalb: Reicht es dem EVZ bereits ohne den besten Schweizer Goalie zum Meistertitel? Oder stösst das fehlende Puzzle-Teil zum Triumph doch erst in der nächsten Saison zur Mannschaft?

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