Fritz Chervet ist im Alter von 77 Jahren gestorben

Der populärste Schweizer Profiboxer der letzten Jahrzehnte ist tot. Der ehemalige Fliegengewichts-Europameister Fritz «Fritzli» Chervet ist im Alter von 77 Jahren verstorben.

Drucken
Teilen
Der Schweizer Boxer Fritz Chervet und Chartchai Chionoi, gegen den der Schweizer zwei WM-Kämpfe verlor
5 Bilder
Fritz Chervet jubelt nach der Verteidigung seines EM-Titel im Fliegengewicht gegen den britischen Herausforderer John McCluskey am 26. Dezember 1972 im Hallenstadion in Zürich
Fritz Chervet nach einem Niederschlag im Kampf gegen John McCluskey im Hallenstadion in Zürich 1969
Fritz «Fritzli» Chervet liess sich nach seinem EM-Titel 1972 in Bern feiern
Fritz Chervet und sein langjähriger Trainer Charly Bühler

Der Schweizer Boxer Fritz Chervet und Chartchai Chionoi, gegen den der Schweizer zwei WM-Kämpfe verlor

KEYSTONE/STR
(sda)

Dies bestätigte Andreas Anderegg, der Schweizer Verbandspräsident von Swiss Boxing, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Chervet wurde am Samstagmorgen nach einem Kollaps ins Spital in Meyriez-Murten eingeliefert und verstarb dort am selben Tag.

«Fritz Chervet ist der grösste Boxer, den die Schweiz je gesehen hat», würdigte Anderegg den Verstorbenen. Chervet kämpfte zweimal gegen den gleichen Gegner um den WBA-WM-Titel im Fliegengewicht. Den ersten Kampf in Thailand gegen Chartchai Chionoi um den damals vakanten Titel verlor er am 17. Mai 1973 vorzeitig durch technischen K.o. Der Rückkampf am 27. April 1974 im Zürcher Hallenstadion schlug grosse Wellen. Der Fight im Hallenstadion endete nach damals 15 Runden unentschieden, Chionoi blieb Weltmeister.

Nach dem Punktrichter-Urteil im Hallenstadion brach das Chaos aus. Stuhlkissen und Bierflaschen flogen in den Ring, Chionoi wurde auf dem Weg zu den Kabinen mit einem Schlag in den Nacken niedergestreckt, die Veranstaltung abgebrochen.

Der Ringrichter Walter Cho aus Hawaii sah indes kein Fehlurteil: «Chervet hätte mehr tun müssen, um Weltmeister zu werden. Seine zehnte Runde war wirklich grossartig. Er ist ein Good Boy, aber kein Weltmeister.» Nach 70 Profikämpfen (59 Siegen, 9 Niederlagen, 2 Remis) trat Chervet als 34-Jähriger zurück.

Ein guter Junge

Chervet war auch ausserhalb des Rings ein «guter Junge». Demut prägte sein zurückhaltendes Wesen. «Er war ein sehr introvertierter, zurückhaltender, eher schüchterner Mensch gewesen», sagte Stefan Angehrn, der im April 1997 - 23 Jahre nach Chervet - ebenfalls im Zürcher Hallenstadion gegen den Deutschen Ralf Rocchigiani um einen WM-Titel boxte.

Nach seiner Box-Karriere war Chervet bis 2007 als Hilfsweibel beziehungsweise Türsteher im Bundeshaus in Bern angestellt. «Ich bin glücklich, habe endlich eine schöne Arbeit. Der Mensch nimmt sich allgemein viel zu wichtig», betonte er seinerzeit.

Chervet reiste im Verlaufe seines Lebens immer wieder gerne nach Thailand. «Die Leute dort sind nicht so aggressiv wie hier. Und das Leben ist viel günstiger dort.» Zu seinen Abstechern nach Südostasien zählte auch immer wieder ein Zwischenhalt in Bangkok, wo er im Trainingslokal seines einstigen Widersachers trainierte.

Viele Jahre lebte Fritz Chervet zurückgezogen in seinem Haus in Sugiez. Er wurde durch einen Sozialarbeiter betreut, da er ab und zu unter Vergesslichkeit litt. Hie und da war er noch bei Kämpfen seines Neffen Alain Chervet vor Ort. Das letzte Lebensjahr verbrachte er im Pflegeheim.

Ansonsten hatte er mit dem Boxen abgeschlossen. Eine eigentliche Aussöhnung mit seinem ehemaligen Trainer Charly Bühler, von dem er sich einst entfernt hatte, fand indes nie statt. «Fritz Chervet wurde in seinen letzten Lebensjahren höchstens altersmilde», urteilten profunde Kenner der Schweizer Boxszene.