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Federer steht gegen Nadal vor der grössten Aufgabe seiner Karriere

Die letzten fünf Duelle gewann Roger Federer. Dennoch sagt er vor dem heutigen Halbfinal in Paris gegen Nadal mit gutem Grund: «Meine Chancen hängen auch von Rafa ab.»
In Paris zog Roger Federer gegen Rafael Nadal bislang immer den Kürzeren - wie hier im Final von 2011 (Bild: KEYSTONE/AP/Lionel Cironneau)

In Paris zog Roger Federer gegen Rafael Nadal bislang immer den Kürzeren - wie hier im Final von 2011 (Bild: KEYSTONE/AP/Lionel Cironneau)

(sda)

Nach dem hart erkämpften, aber überzeugenden Sieg im Viertelfinal gegen Stan Wawrinka war Roger Federer zum Scherzen aufgelegt: «Ach, mein nächster Gegner spielt auf Sand ja ganz korrekt», meinte er im Platzinterview auf Französisch. Ernsthafter fügte der 37-jährige Basler hinzu: «Ich freue mich auf das Spiel gegen Rafa (Nadal). Auch deshalb habe ich mich zur Rückkehr auf Sand entschieden.»

«Das glaube ich nicht», meinte dieser später trocken. Tatsächlich gibt es einige Argumente, warum es nicht unbedingt gut ist für Federer, am Freitag gegen seinen grössten Rivalen antreten zu müssen. Die Bilanz auf Sand ist mit 2 Siegen in 15 Partien geradezu katastrophal, in Roland Garros hat der Schweizer gegen den elffachen Champion in fünf Duellen nie mehr als einen Satz gewonnen und im Final 2008 mit 1:6, 3:6, 0:6 sogar eine seiner schlimmsten Ohrfeigen kassiert.

Zwar hat Federer zuletzt fünfmal in Folge - und immer seit Januar 2014 - gegen Nadal gewonnen. Sand ist aber eine ganz andere Geschichte. Dass Federers Bilanz gegen den Linkshänder auch deutlich besser sein könnte als die aktuellen 15:23 Siege, zeigten die letzten Jahre, in denen der Basler auf Sand nicht mehr spielte. Auf allen anderen Belägen ist die Bilanz positiv für den Schweizer (13:10). Er riskiert nun also in Paris, dass das Momentum wieder auf die Seite des Spaniers kippt. Nadal werden die letzten Jahre jedenfalls kein Kopfzerbrechen bereiten - nicht in Paris.

«Er könnte ja krank sein»

Federer weiss um die Schwierigkeit der Aufgabe. «Der Ausgang der Partie liegt eher im Racket von Rafa als meinem», gab er zu. «Aber du weisst ja nie. Er könnte ein Problem haben, er könnte krank sein. Ich könnte grossartig spielen. Es könnte unglaublich viel Wind haben, regnen, zehn Unterbrechungen.» Die vielen «könnte» zeigen: Auch Federer ist sich bewusst, dass für ihn sehr viel zusammenpassen müsste, um den fünf Jahre jüngeren Erzrivalen bezwingen zu können.

Das Hauptproblem ist für ihn der Linkshänder. «Gegen einen Linkshänder wie Rafa ist nichts natürlich», erklärte Federer. «Alles ändert.» Zu Beginn seiner Karriere habe er es gehasst, gegen «Lefties» zu spielen, gibt der 20-fache Grand-Slam-Champion zu, der seinen einzigen French-Open-Titel vor zehn Jahren gewann, als Nadal früh gegen Robin Söderling scheiterte. «Heute liebe ich diese riesige Herausforderung.»

Das Erfolgsrezept ist ebenso einfach wie unglaublich schwierig umzusetzen. Der Schweizer muss attackieren, möglichst wenig klassisches «Sandtennis» spielen. Auf Hartplatz gelang es ihm in den letzten Jahren formidabel, Nadal so sehr unter Druck zu setzen, dass sich dieser nie wohl fühlte. Der tatsächlich angesagte Regen könnte Federer etwas entgegenkommen. Gegen fast alle anderen Spieler würde er lieber bei warmen, trockenen Bedingungen spielen. Ein feuchter, langsamer Platz hätte gegen Nadal aber den Vorteil, dass dessen Topspin-Bälle weniger hoch abspringen und einfacher anzugreifen wären.

Ein Spiel für Rechner oder Träumer?

So oder so ist dir Rückkehr nach Roland Garros für Federer bereits ein Erfolg. Deshalb stimmt die Aussage, dass er sich freue, gegen Nadal zu spielen, eben doch. Es bedeutet, dass er fünf Runden gewonnen hat, sonst wäre das Duell, auf das alle Tennisfans so sehnlichst warten, nicht möglich gewesen. Das Turnier verlief für den Schweizer optimal. Vier einfache Siege ohne Energieverlust, dann ein bestandener Test gegen einen starken Wawrinka und zwei Tage zur Erholung. Dennoch ist Federer so sehr Aussenseiter wie sonst nie in seiner Karriere, seit er vor 15 Jahren erstmals die Nummer 1 wurde.

Vincent Cognet, renommierter Schreiber der Fachzeitung «L'Equipe», formulierte die Ausgangslage treffend: «Es gibt nur zwei Arten, dieses Ereignis anzugehen. Entweder man schaut die Vergangenheit und ihre Statistiken an. Dann muss man einen Alleingang erwarten. Oder man verschliesst die Ohren und träumt sehr laut von einem dantesken Halbfinal. Klarsichtiger Rechner oder unverbesserlicher Romantiker, wähle dein Lager, Kamerad!» Federer und seine Fans gehören am Freitag mit Sicherheit zu den Träumern.

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