EV Zug übernimmt Tabellenführung - Saison in Gefahr

Der EV Zug übernimmt nach einwöchigem Unterbruch wieder die Tabellenführung. Innerhalb von 24 Stunden besiegen die Zuger die ZSC Lions zweimal: auf das 6:3 auswärts folgt daheim sogar ein 8:2.

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Die Spieler des SC Bern verabschiedeten sich vorerst zum letzten Mal von den Fans
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Mark Arcobello schoss Lugano in der Verlängerung zum Sieg
Die Spieler der ZSC Lions sind bedient
Der Lausanner Christoph Bertschy erzielt sein erstes von zwei Toren
Der Rapperswiler Topskorer Roman Cervenka machte einmal mehr den Unterschied aus

Die Spieler des SC Bern verabschiedeten sich vorerst zum letzten Mal von den Fans

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
(sda)

Aber obwohl erstmals seit einer Woche in der National League wieder fast ein volles Programm abgespult werden konnte, drehte sich im Profi-Eishockey auch am Freitag erneut vieles um die Behörden. Die Schweiz ist halbiert: Im Westen dürfen ab diesem Wochenende maximal noch 1000 Zuschauer in die Hallen, in einigen Kantonen (wie Bern) gar keine mehr. Der SC Bern spielte beim 6:0-Erfolg über Biel zum vorerst letzten Mal vor Fans. Im Osten und im Süden der Schweiz hingegen dürfen vorerst weiter zwei Drittel der Sitzplätze besetzt werden.

Im Frühling brachen National League und Swiss League die Meisterschaft ab, als Geisterspiele drohten. Diese Diskussionen drängen sich in den nächsten Tagen und Wochen wieder auf. Bereits unterbrochen wurde am Freitag die Eishockeymeisterschaft der Amateure.

Probleme gibt es auch bei den Profis einige. Zwar befinden sich Lugano und Freiburg nicht mehr in Quarantäne, aber in Anbetracht der steigenden Fallzahlen sind die nächsten Coronavirus-Fälle in der National League bloss eine Frage der Zeit. In der Swiss League ist jetzt schon die Hälfte aller Partien bis Ende Oktober wegen Quarantäne-Verfügungen verschoben.

Was lief auf dem Eis? Der märchenhafte Saisonstart des ZSC-Goalie Ludovic Waeber verlor diese Wochen an Glanz: Nach fünf Gegentoren am Donnerstag liess Waeber am Freitag sechs der ersten zwölf Schüsse und insgesamt acht Schüsse auf sein Tor passieren. Lugano meldete sich mit einem 4:3-Heimerfolg nach Verlängerung über Davos aus der Quarantäne zurück, wobei Joe Thornton für Davos ein erstes Tor beisteuerte. Davos hatte erst 2,1 Sekunden vor Schluss zum 3:3 ausgeglichen.

Bern mit gelungenem Abschied von den Fans

Der SC Bern lässt im vorerst letzten Heimspiel mit (1000) Zuschauern mit einem 6:0-Sieg gegen Biel nichts anbrennen. Die Berner markierten im zweiten Abschnitt vier Tore innerhalb von elf Minuten. Nicht die typischen Skorer erzielten die Tore: Jeremi Gerber (zum 2:0) und Gregory Sciaroni (6:0) trafen zum ersten Mal in dieser Saison; Inti Pestoni (1:0), Mika Henauer (3:0) und Tristan Scherwey (4:0) erzielten jeweils ihr zweites Tor. Der Schwede Ted Brithén kam zu seinem dritten Treffer innerhalb einer Woche, und der Kanadier Dustin Jeffrey stand bei vier der fünf Toren auf dem Eis.

Und Biel? Bei den Seeländern missriet Coach Lars Leuenberger die Rückkehr nach Bern gehörig. Die Bieler müssen ihr Defensivspiel überdenken: Seit dem 6:0-Startsieg über Lausanne kassierte der EHCB in jeder Partie mindestens vier Gegentore.

Lausanne besiegte Ambri erneut

Der Lausanne Hockey Club gewann mit 3:2 gegen Ambri-Piotta vor 4341 Zuschauern auch sein drittes Heimspiel. Schon am Dienstag hatte Lausanne gegen die Leventiner 3:2 gewonnen, damals auswärts und erst nach Verlängerung. Am Dienstag gelangen Denis Malgin zwei und Christoph Bertschy ein Tor. Drei Tage später machten sie es umgekehrt: Malgin brachte Lausanne nach 32 Minuten in Führung, Bertschy stellte danach mit zwei Treffern den Sieg sicher.

Die Lausanner verbesserten sich dank des Erfolges in der Tabelle auf den 2. Platz. Wie der EV Zug holte Lausanne in den ersten drei Wochen 17 Zähler; die Waadtländer benötigten dazu indes ein Spiel mehr.

Bei Lausanne hütete diesmal wieder Tobias Stephan (30 Paraden) das Tor, der in den letzten 134 Minuten bloss noch zwei Gegentreffer zuliess. Mit ihm vor dem Kasten feierte Lausanne auch den bislang wertvollsten Sieg: das 3:0 vor einer Woche in Zug.

Offensivspektakel und Dramatik

Mit einer spektakulären Partie meldete sich Lugano aus der Quarantäne zurück. Die Tessiner führten 2:0 und 3:2 und besiegten den HC Davos letztlich verdientermassen mit 4:3 nach Verlängerung.

Die beiden Teams lieferten sich ein Offensivspektakel mit 83 Torschüssen (44:39 für Lugano). Dramatisch wurde es im Finish: Der Schwede Magnus Nygren (Minus-2-Bilanz) realisierte für die Davoser 2,1 Sekunden vor Schluss den 3:3-Ausgleich. Nygren und Thornton mit jeweils einem Tor und einem Assist retteten Davos den einen (glückhaften) Punkt. In der Overtime sicherte Mark Arcobello mit seinem zweiten Saisontor Lugano den Sieg.

Den Luganesi waren die zehn Tage Quarantäne nicht anzumerken. Anders als beispielsweise Fribourg-Gottéron hatte Lugano während der von den Behörden verordneten Auszeit aber auf dem Eis trainieren können. Erstaunlich: Davos bestritt bislang noch weniger Spiele als die Quarantäne-Klubs - nämlich erst vier, drei davon gingen verloren.

Cervenka nicht zu stoppen

Die grössere Klasse der Lakers entschied auch die zweite Partie zwischen Rapperswil-Jona und den SCL Tigers. Nach dem 1:0 in Langnau am Dienstag setzten sich die Lakers zu Hause 3:2 nach Verlängerung durch.

Roman Cervenka sicherte den Lakers die fünf Punkte von dieser Woche. Schon am Dienstag war ihm der einzige Treffer gelungen. Im Heimspiel steuerte Cervenka wieder ein Tor bei (das 2:2), die andern zwei Treffer der St. Galler bereitete er vor.

Bitter für Langnau: An der Seite von Cervenka blüht auch Kevin Clark auf, der bei den Tigers einst für zu leicht befunden worden ist. Clark entschied in der 63. Minute mit dem 3:2 für die Lakers die Partie, nachdem er schon am Dienstag Cervenkas Tor vorbereitet hatte.

Telegramme:

Bern - Biel 6:0 (0:0, 4:0, 2:0)

999 Zuschauer. - SR Salonen (FIN)/Müller, Fuchs/Obwegeser. - Tore: 23. Pestoni 1:0. 28. Jeremi Gerber (Jeffrey) 2:0. 31. Henauer (Pestoni) 3:0. 34. Scherwey (Jeffrey) 4:0. 41. (40:33) Brithén (Praplan, Simon Moser) 5:0. 52. Sciaroni (Bader, Thiry) 6:0. - Strafen: je 2mal 2 Minuten. - PostFinance-Topskorer: Brithén; Janis Jérôme Moser.

Bern: Karhunen; Untersander, Henauer; Andersson, Beat Gerber; Thiry, Zryd; Burren; Scherwey, Jeffrey, Pestoni; Praplan, Brithén, Simon Moser; Sciaroni, Neuenschwander, Ruefenacht; Berger, Heim, Jeremi Gerber; Bader.

Biel: Paupe; Lindbohm, Forster; Kreis, Janis Jérôme Moser; Fey, Rathgeb; Sartori, Schläpfer; Hofer, Ullström, Rajala; Brunner, Cunti, Künzle; Fuchs, Nussbaumer, Hügli; Kohler, Gustafsson, Tanner.

Bemerkungen: Bern ohne Blum (verletzt) und Haas (krank), Biel ohne Lüthi, Pouliot (beide verletzt) und Kessler (krank).

Lausanne - Ambri-Piotta 3:2 (0:0, 2:1, 1:1)

4341 Zuschauer. - SR Borga/Kristijan Nikolic, Huguet/Wermeille. - Tore: 32. Malgin (Gibbons, Conacher) 1:0. 36. Bertschy (Heldner, Frick) 2:0. 39. Ngoy (Dal Pian) 2:1. 52. Bertschy (Jooris) 3:1. 57. Nättinen (D'Agostini, Flynn/bei 5 gegen 3) 3:2. - Strafen: 7mal 2 Minuten gegen Lausanne, 3mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta. - PostFinance-Topskorer: Kenins; Zwerger.

Lausanne: Stephan; Genazzi, Barberio; Heldner, Frick; Grossmann, Marti; Krueger, Antonietti; Bertschy, Jooris, Kenins; Conacher, Malgin, Gibbons; Emmerton, Maillard, Almond; Leone, Jäger, Douay.

Ambri-Piotta: Conz; Fora, Ngoy; Hächler, Fischer; Fohrler, Pezzullo; Zaccheo Dotti, Schwab; D'Agostini, Flynn, Horansky; Nättinen, Müller, Zwerger; Trisconi, Kostner, Rohrbach; Grassi, Dal Pian, Kneubuehler.

Bemerkungen: Lausanne ohne Hudon (überzähliger Ausländer), Ambri-Piotta ohne Bianchi, Isacco Dotti, Novotny (alle verletzt), Goi und Incir (beide krank). Ambri-Piotta ab 59:20 ohne Torhüter.

Lugano - Davos 4:3 (1:0, 1:1, 1:2, 1:0) n.V.

3082 Zuschauer. - SR Lemelin/Mollard, Wolf/Betschart. - Tore: 17. Bürgler (Kurashev/Powerplaytor) 1:0. 27. Fazzini (Arcobello) 2:0. 37. Knak 2:1. 45. Thornton (Nygren/Powerplaytor) 2:2. 48. Suri (Bürgler) 3:2. 60. (59:58) Nygren (Thornton) 3:3 (ohne Torhüter). 64. Arcobello 4:3. - Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Lugano, 3mal 2 Minuten gegen Davos. - PostFinance-Topskorer: Arcobello; Corvi.

Lugano: Schlegel; Heed, Riva; Loeffel, Chiesa; Nodari, Wolf; Antonietti, Ugazzi; Fazzini, Arcobello, Carr; Bodker, Kurashev, Suri; Bürgler, Herburger, Lammer; Walker, Morini, Romanenghi.

Davos: Mayer; Nygren, Heinen; Kienzle, Barandun; Buchli, Jung; Meyer; Marc Wieser, Corvi, Ambühl; Palushaj, Thornton, Hischier; Baumgartner, Lindgren, Turunen; Frehner, Egli, Knak.

Bemerkungen: Lugano ohne Lajunen, Sannitz, Wellinger (alle verletzt), Bertaggia, Traber und Zurkirchen (alle krank), Davos ohne Du Bois, Guerra, Herzog, Paschoud, Rubanik und Dino Wieser (alle verletzt). Davos ab 59:24 ohne Torhüter.

Rapperswil-Jona Lakers - SCL Tigers 3:2 (0:1, 2:1, 0:0, 1:0) n.V.

2562 Zuschauer. - SR Urban (AUT)/Hendry, Kehrli/Duarte. - Tore: 7. Earl (Weibel, Maxwell) 0:1. 24. Egli (Cervenka, Profico) 1:1. 27. Blaser 1:2. 36. Cervenka (Jelovac, Profico) 2:2. 63. Clark (Cervenka) 3:2. - Strafen: je 3mal 2 Minuten. - PostFinance-Topskorer: Cervenka; Maxwell.

Rapperswil-Jona Lakers: Nyffeler; Egli, Randegger; Jelovac, Profico; Maier, Sataric; Vukovic, Dufner; Clark, Sobotka, Cervenka; Wick, Rowe, Dünner; Lehmann, Wetter, Eggenberger; Schweri, Ness, Lhotak.

SCL Tigers: Punnenovs; Blaser, Leeger; Glauser, Brannström; Schilt, Erni; Guggenheim, Grossniklaus; Sturny, Flavio Schmutz, Julian Schmutz; Earl, Maxwell, Weibel; Berger, Diem, Neukom; Andersons, Melnalksnis, Kuonen.

Bemerkungen: Rapperswil-Jona Lakers ohne Loosli, Moses und Payr (alle verletzt), SCL Tigers ohne Salzgeber (verletzt).

Resultate/Rangliste:

Freitag: Bern - Biel 6:0 (0:0, 4:0, 2:0). Rapperswil-Jona Lakers - SCL Tigers 3:2 (0:1, 2:1, 0:0, 1:0) n.V. Lausanne - Ambri-Piotta 3:2 (0:0, 2:1, 1:1). Lugano - Davos 4:3 (1:0, 1:1, 1:2, 1:0) n.V. Zug - ZSC Lions 8:2 (3:0, 3:1, 2:1).

Rangliste: 1. Zug 7/17 (24:14). 2. Lausanne 8/17 (23:21). 3. ZSC Lions 9/15 (27:28). 4. Rapperswil-Jona Lakers 8/11 (17:20). 5. Fribourg-Gottéron 4/9 (13:12). 6. Genève-Servette 5/9 (21:12). 7. Bern 6/9 (16:12). 8. Lugano 5/8 (15:10). 9. Ambri-Piotta 8/6 (11:23). 10. Biel 6/5 (19:24). 11. Davos 4/4 (17:15). 12. SCL Tigers 6/4 (12:24).