Etappensieg und grünes Trikot für Bennett - Schweizer angriffig

Sam Bennett erfüllt sich an der Atlantikküste einen Traum. Der Ire gewinnt im Sprint die 10. Etappe der Tour de France. Während sich die Schweizer angriffig zeigen, bleibt Leader Roglic souverän.

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Der irische Meister Sam Bennett (2. von links) hat im Sprint der 10. Etappe der Tour de France die Nase vorne
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Der Thurgauer Stefan Küng wagte sich in der 10. Etappe in die Offensive und erhielt dafür die rote Rückennummer für den kämpferischsten Fahrer des Tages
Nach einem Ruhetag wurde die 107. Ausgabe der Frankreich-Rundfahrt am Dienstag an der Atlantikküste fortgesetzt
Leader Primoz Roglic erlebte einen stressigen, aber erfolgreichen ersten Tag im Maillot jaune
Sam Bennett freut sich auf dem Podium über seinen ersten Sieg an der Tour de France
Stefan Küng (vorne) war unmittelbar nach dem Start auf der Atlantikinsel Ile d'Oléron zusammen mit dem Luzerner Schär ausgerissen

Der irische Meister Sam Bennett (2. von links) hat im Sprint der 10. Etappe der Tour de France die Nase vorne

KEYSTONE/AP/Kenzo Tribouillard
(sda)

Bei der fünften Massensprint-Ankunft in der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt hat es für Sam Bennett endlich geklappt mit dem langersehnten Etappensieg. 4., 2. und 3. war er in den letzten Tage bereits, doch auf der Atlantikinsel Ile de Ré liess der irische Meister keinen an sich Vorbeikommen. Caleb Ewan, dem Sieger der 3. Etappe, und Peter Sagen blieben nach einem chaotischen Sprint nur die Plätze 2 und 3.

Für Bennett war es der erste Etappenerfolg bei der Tour, nachdem er 2018 bereits drei Teilstücke beim Giro d'Italia und im letzten Jahr zwei Etappen an der Vuelta für sich entschieden hatte. Im Siegerinterview liess der Ire seinen Emotionen freien Lauf: «Ich habe immer davon geträumt, aber nie geglaubt, dass es passieren kann. Aber es ist geschehen, keine Ahnung wieso. Ich habe lange gewartet», sagte Bennett unter Tränen.

Das lange Warten

Erst durch seinen Teamwechsel zu Deceuninck-Quick Step auf diese Saison hin war es für den 29-jährigen Bennett möglich, sich seinen Traum vom Tour-Etappensieg zu erfüllen. Etwas, das in seinen Jahren bei Bora-Hansgrohe nicht möglich war. In der deutschen Equipe hatte er sich mit zahlreichen Siegen in kleineren Rundfahrten zwar schnell einmal für höhere Aufgaben empfohlen. Eine Chance, sein Können auch bei der Tour de France, dem prestigeträchtigsten aller Rennen, unter Beweis zu stellen, erhielt Bennett in den letzten Jahren aber nie.

Stets stand ihm Peter Sagan vor der Sonne, dem man bei Bora-Hansgrohe das Vertrauen schenkte - mit gutem Grund. Der dreifache Strassen-Weltmeister gewann in den letzten acht Jahren zwölf Tour-Etappen, dazu holte der Slowake sieben Mal das grüne Trikot des punktbesten Fahrers, was Rekord ist.

Eben dieses Trikot musste Sagan am Dienstag wieder an Bennett abgeben, der es schon in der 6. und 7. Etappe getragen hatte. Seine Chancen, es bis nach Paris zu tragen, sieht Bennett eher kritisch. Es werde «schwierig» für ihn sein, Sagan zu schlagen, der «der Beste in dieser Rolle ist», sagte der Ire.

Das gelbe Leadertrikot bleibt derweil auf den Schultern von Primoz Roglic. Der Topfavorit aus Slowenien erlebte einen stressigen, aber erfolgreichen ersten Tag im Maillot jaune. Der starke Wind sorgte für Positionskämpfe im Feld, was immer wieder zu Stürzen führte. Roglic kam jedoch ungeschoren davon und führt das Gesamtklassement weiterhin 21 Sekunden vor dem kolumbianischen Vorjahressieger Egan Bernal an.

Küng mit roter Startnummer

Die Schweizer sind bei der 107. Ausgabe der Frankreich-Rundfahrt zwar nur zu viert vertreten, sie zeigen sich - im Bestreben, den ersten Schweizer Etappensieg seit acht Jahren einzufahren - aber weiterhin von ihrer angriffigen Seite. Nach Michael Schär (in der 1. Etappe) und Marc Hirschi (in der 9. Etappe) wurde mit Stefan Küng am zehnten Tag bereits zum dritten Mal ein Schweizer mit der roten Startnummer für den kämpferischsten Fahrer ausgezeichnet.

Der Thurgauer war unmittelbar nach dem Start auf der Atlantikinsel Ile d'Oléron zusammen mit dem Luzerner Schär ausgerissen. Das Duo wurde von den Sprinterteams allerdings an der kurzen Leine gehalten. Bereits 100 km vor dem Ziel war ihr Vorhaben gescheitert. Küng liess jedoch nicht locker und versuchte sein Glück in der Schlussphase des Rennens erneut. Aber auch der Solovorstoss des letztjährigen WM-Dritten war nicht von Erfolg gekrönt.

Schon in der 11. Etappe vom Mittwoch dürften sich weitere Ausreisser versuchen. Auf dem 167,5 km langen Teilstück zwischen Châtelaillon-Plage und Poitiers warten abgesehen von einem Bergpreis der 4. Kategorie keine topografischen Schwierigkeiten auf die Fahrer, was wiederum den Sprintern eine gute Möglichkeit eröffnen könnte.