Ein Cupfinal mit unterschiedlichen Voraussetzungen

Der Cupfinal Basel gegen Thun am Sonntag ab 14 Uhr in Bern ist zwar das Duell zwischen dem Zweiten und Vierten der Super League, dennoch aber ein Vergleich von David und Goliath.

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Die Spieler des FC Basel während des Trainings am Tag vor dem Cupfinal. (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Die Spieler des FC Basel während des Trainings am Tag vor dem Cupfinal. (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

(sda)

Während der FCB eine verkorkste Saison retten könnte, wäre es für Thun der erste Titel überhaupt.

Die Rollenverteilung vor dem 94. Schweizer Cupfinal auf dem Kunstrasen des Stade de Suisse in Bern ist zumindest auf dem Papier klar: Der grosse FC Basel, der 2018 knapp 100 Millionen Franken ausgegeben und bereits zwölfmal den Cup gewonnen hat, trifft auf den kleinen FC Thun, der erst nach der Jahrtausendwende in die nationale Spitze vorstiess und mit einem Budget von rund zwölf Millionen operiert. «Wir müssen diesen Cup unbedingt gewinnen, um die Saison ein wenig zu retten», sagte Basels Mittelfeldspieler Zdravko Kuzmanovic.

Der erste Titelgewinn in der Ära von Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller wäre ein versöhnlicher Abschluss einer schwierigen Saison. Der frühe Trainerwechsel von Raphael Wicky zu Marcel Koller, das Verpassen einer europäischen Gruppenhase, der grosse Rückstand in der Meisterschaft auf die Young Boys; beim FCB lief in der zweiten Saison nach dem Ende der Ära Heusler/Heitz vieles nicht nach Wunsch. Auch finanziell muss der Liga-Krösus kürzer treten. Trotz mehr als 50 Millionen Franken Transfergewinn resultierte laut «Basler Zeitung» 2018 nur dank der Auflösung von 13 Millionen Reserven ein kleiner Gewinn.

Die Euphorie rund um den 22. Cupfinal der Vereinsgeschichte hält sich am Rheinknie in Grenzen, nur 5500 Tickets beantragte der FCB beim Verband. Innerhalb der Mannschaft geniesst der K.o.-Wettbewerb aber einen hohen Stellenwert. Für einige FCB-Spieler wäre es der erste Titel, für Trainer Koller der erste Cupsieg als Trainer, nachdem er als Spieler mit den Grasshoppers den Pokal fünfmal in die Höhe gestemmt hatte. «Es freuen sich alle auf den Cupfinal», so Koller. «Wir wollen den Kübel unbedingt nach Basel bringen.»

Thun: Der erste Titel und hohe Prämien locken

Anders präsentiert sich die Ausgangslage beim FC Thun. Seit einer Woche sind die letzten Zweifel am Ligaerhalt beseitigt, so dass die Vorfreude auf den Cupfinal und die anschliessende Feier auf dem Thuner Rathausplatz nicht getrübt wurde. «Viele haben einen Cupfinal mit dem FC Thun noch nicht erlebt», sagte Trainer Marc Schneider, deshalb soll auch bei den Spielern die Vorfreude und der Genuss des Events im Vordergrund stehen. 1955 verloren die Thuner bei ihrer bislang einzigen Teilnahme gegen La Chaux-de-Fonds 1:3.

Auch sportlich rechnen sich die Thuner etwas aus. «Wir haben bewiesen, dass wir sie schlagen können», sagte Schneider, der als Spieler den Cup 2005 mit dem FC Zürich gewann. Ein Sieg, ein Remis und eine Niederlage stehen im Direktvergleich mit dem FCB in dieser Saison zu Buche. Dass der FCB das Selbstverständnis der Meisterjahre verloren hat, ist Schneider nicht entgangen. «Basel ist nicht mehr dasselbe wie früher.» Auch deshalb fordert er einen mutigen Auftritt seiner Mannschaft. «Eine defensive und vorsichtige Ausrichtung würde ich mir nicht verzeihen.»

Auch für die Thuner, die als klarer Aussenseiter ins Spiel gehen, steht aber viel auf dem Spiel. Der erste Titel in der Vereinsgeschichte würde dank der direkten Qualifikation für die Europa League allein schon gut drei Millionen Franken Startgeld einbringen. Falls Basel gewinnen sollte, zieht der Tabellendritte der Super League in die Europa League ein. Der FCB bestreitet im Sommer als Zweiter der Super League die Qualifikation für die Champions League.

Noch hat Thun auch in der Meisterschaft gute Karten, sich Rang 3 und damit den Fixplatz im internationalen Geschäft zu sichern - vier andere Klubs allerdings auch. «Wir haben leider nicht Figgi und Müli», sagte Präsident Markus Lüthi. Trotz aller Vorfreude und Euphorie weiss auch er: Am Ende einer über weite Strecken erfolgreichen Saison könnten die Thuner am Ende mit leeren Händen dastehen. «Wir müssen schauen, dass die Überraschung stattfindet», so Lüthi.