Duett Singer/Boss: «Wir waren völlig verschieden»

Für das Schweizer Duett Karin Singer/Edith Boss gehören in den Achtzigerjahren im Synchronschwimmen EM-Medaillen sowie Top-5-Platzierungen an Olympia und Weltmeisterschaften zur Tagesordnung.

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Edith Boss (Mitte) und Karin Singer (rechts) nahmen schon 1984 in Los Angeles an den Olympischen Spielen teil - links die damalige Ersatzschwimmerin Caroline Sturzenegger
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Karin Singer (links) und Edith Boss in der Qualifikation an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles
Edith Boss (links) und Karin Singer Anfang September 1988 kurz vor den Olympischen Spielen in Südkorea
Die Schweizer Synchronschwimmerinnen Edith Boss (links) und Karin Singer an den Olympischen Spielen 1988 in Seoul
Karin Singer (links) und Edith Boss beim Olympia-Wettkampf in Los Angeles, den sie im 5. Rang beendeten
Im Duett-Wettkampf an Olympia 1988 erreichten Karin Singer und Edith Wälti den 5. Platz

Edith Boss (Mitte) und Karin Singer (rechts) nahmen schon 1984 in Los Angeles an den Olympischen Spielen teil - links die damalige Ersatzschwimmerin Caroline Sturzenegger

KEYSTONE/STR
(sda)

Obwohl die St. Gallerin Karin Singer und die Bernerin Edith Boss zur absoluten Weltspitze gehörten und an internationalen Anlässen im Klassement immer weit vorne zu finden waren, kamen Siege nur selten vor. Ganz anders jedoch am 8. Mai 1988. Mitten in der intensiven Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele in Seoul stand der Europacup der Synchronschwimmerinnen in Bonn ganz im Zeichen der zwei gleichaltrigen Schweizerinnen, die über ein Jahrzehnt zuvor erstmals miteinander geschwommen waren. Singer gewann in der damaligen Hauptstadt Deutschlands bei fast komplett versammelter europäischer Elite den Solo- und zusammen mit Boss auch den Duett-Wettkampf. Beide Male hatten sie die damals stark aufstrebenden (Sowjet-)Russinnen, die den Sport mittlerweile fast nach Belieben dominieren, gerade noch im Griff.

So schön jene Siege im Moment auch gewesen sein mochten, spezielle Erinnerungen an den Anlass haben die beiden Protagonistinnen 32 Jahre später nicht mehr. «Unser Fokus galt gänzlich den ein paar Monate später stattfindenden Olympischen Spielen. Von Bonn im Mai 1988 weiss ich nichts mehr», gibt Karin Randegger-Singer lachend zu. «Doch die Siege waren natürlich eine Bestätigung, dass wir uns für Seoul auf einem guten Weg befanden.»

«Wir kannten uns in- und auswendig»

Edith Wälti-Boss ist im Rückblick insbesondere präsent, «wie viel wir in den zwei Olympia-Saisons jeweils zusammen trainiert haben». 1984, als die Sportart in Los Angeles ihre olympische Premiere erlebte, verbrachten die damals knapp 18-Jährigen sechs Monate in Gainesville in Florida, um bei ihrer damaligen Trainerin Heidi O'Rourke zu trainieren. Auch vor Seoul setzte das Duo, das «körperlich und vom Typ her völlig verschieden war» (Randegger-Singer), sich aber «in- und auswendig kannte» (Wälti-Boss), voll auf die Karte Sport. «Zusammen mit unserer Trainerin Andrea Holland waren wir sehr viel im Ausland unterwegs und konnten so viele Erfahrungen sammeln», erinnert sich Wälti-Boss.

Der immense Aufwand sollte sich lohnen; nicht in finanzieller Hinsicht, trotz grosszügiger Unterstützung der Sporthilfe, sondern in Form von Topresultaten in Südkorea. Wie vier Jahre zuvor in Kalifornien resultierte der 5. Platz, wobei das Schweizer Duett einmal mehr gerade in der Kür eine Bestätigung seiner Klasse lieferte und insbesondere mit seinen Hebefiguren und seiner Ausstrahlung sowohl die Jury wie auch die Fans in der vollgepackten Halle überzeugte. «Mehr zu erreichen war kaum möglich. Eine Medaille lag nicht drin», erzählt Randegger-Singer, die sich nebst der tollen Wettkampf-Atmosphäre noch an ein weiteres Highlight gut erinnert: «Beim Fahnenaufzug im olympischen Dorf durfte ich die Schweizer Fahne tragen. Das war speziell und ebenfalls sehr schön.»

Randegger-Singers Leben dreht sich noch immer intensiv um Sport. So ist die Ostschweizerin sportlich weiterhin sehr aktiv unterwegs, wobei die erstmalige Teilnahme am Engadiner Skimarathon leider der Coronavirus-bedingten Absage zum Opfer fiel. «Nun halt nächstes Jahr», hofft sie. Über ihre zwei Söhne bekam und bekommt Randegger-Singer zudem viel vom Kunstturnen mit. Während der ältere Sohn mittlerweile mit dem Leistungssport aufgehört hat, gehört der jüngere Sohn dem erweiterten Nationalkader an und wird deshalb ab Sommer in Magglingen trainieren.

Nun sollen Träume anderer wahr werden

Wälti-Boss ist gar weiterhin dem Synchronschwimmen sehr eng verbunden. Die Bernerin ist seit drei Jahren Sportdirektorin von Swiss Artistic Swimming und kann in dieser Funktion der «unglaublich schönen und faszinierenden Sportart etwas zurückgeben. Ich versuche nun, was ich erreicht habe, anderen zu ermöglichen und deren Träume wahr werden zu lassen.»

Übrigens: 15 Monate nach dem Sieg beim Europacup kehrten Singer/Boss nochmals nach Bonn zurück. An den Europameisterschaften im August 1989 gelang dem Duett, welches zwei Jahre zuvor in Strassburg EM-Silber geholt hatte, zum Abschluss der erfolgreichen Karriere ein letzter überzeugender Auftritt. Hinter den siegreichen Französinnen und knapp hinter den Sowjetrussinnen resultierte der 3. Platz. Dies am Tag nachdem Karin Singer im Solo-Wettkampf zum zweiten Mal in Folge Bronze gewonnen hatte. «Diese EM-Medaillen sind mir heute noch ein schöner Lohn für all das harte Training, das wir damals zu absolvieren hatten», sagt Randegger-Singer.