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«Dieses Resultat heilt viele Wunden»

Thomas Tumler stürmt im Weltcup-Riesenslalom in Beaver Creek aus dem Nichts an die Spitze. Was vom aussergewöhnlichen Tag in Colorado übrig bleibt, wird sich zeigen.
Thomas Tumler bejubelt seinen Coup in Beaver Creek (Bild: KEYSTONE/FR37383 AP/NATHAN BILOW)
Thomas Tumler bei seiner Sternstunde im Riesenslalom vom Sonntag in Beaver Creek (Bild: KEYSTONE/EPA/JOHN G. MABANGLO)
Nicht immer lief es in der Vergangenheit für Thomas Tumler nach Wunsch (Bild: KEYSTONE/FR37383 AP/NATHAN BILOW)
Thomas Tumler (ganz rechts) auf dem Podest in Beaver Creek (Bild: KEYSTONE/FR37383 AP/NATHAN BILOW)
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«Dieses Resultat heilt viele Wunden»

(sda)

Es ist Samstagnachmittag. Thomas Tumler hat im Super-G in Beaver Creek Platz 44 belegt. Wie fast immer verlässt er unbeachtet den Zielraum. Etwas mehr als 24 Stunden später ist alles anders. Der Samnauner ist ein gefragter Mann. Ein Interview da, ein Foto dort. Gratulationen, Schulterklopfen.

Platz 3 im Riesenslalom, ein Vorpreschen aus dem Nichts. Tumler kommt sich vor wie in einer verkehrten Welt. Er kann es vorerst kaum glauben. Den Erfolg einzuordnen, gelingt ihm ohnehin nicht. Das Geniessen hat Vorrang, das Jetzt steht im Mittelpunkt. Die Zukunft, in der ihm mehr Beachtung zukommen und die Erwartungshaltung ihm gegenüber eine andere sein wird, muss warten.

Tumler ist die Sensation an diesem Sonntag. Kollektives Staunen über den 29 Jahre alten Fahrer mit der Startnummer 48. Nein, damit hatte nun wirklich niemand gerechnet. Auch Tumler selber nicht. Wie hätte er sich auch eine solche Platzierung zum Ziel setzen können, wo er doch seit vier Jahren in einem Weltcup-Riesenslalom nie mehr im zweiten Lauf dabei gewesen und er in dieser Disziplin noch nie besser als im 26. Rang klassiert war.

Speed- und Riesenslalom-Fahrer

Dann aber das. Laufbestzeit im zweiten Lauf, die Steigerung um 18 Positionen in der Rangliste. Ausgerechnet Tumler also schaffte als erster Schweizer seit beinahe acht Jahren und dem Sieg von Carlo Janka im März 2011 in Kranjska Gora einen Podiumsplatz in der alpinen Basisdisziplin. Ausgerechnet er, der nicht der Riesenslalom-Gruppe mit Trainer Helmut Krug, sondern der von Simon Rothenbühler geführten Equipe der Speed-Fahrer angehört und deshalb nicht eingleisig fahren kann. Die Vorbereitungsphase im Sommer und Herbst absolvierte Tumler mit den beiden Teams je zur Hälfte. «Ich hatte freie Hand. Das Ganze hat trotz der Rochaden sehr gut funktioniert.»

Irgendwann an diesem Sonntag hatte sich Tumler gefasst. Er erzählte davon, dass er nach der Enttäuschung im Super-G mit viel Frust zum Riesenslalom angetreten sei und seine Erwartungen deshalb nicht sonderlich hoch gewesen seien. Oder davon, dass er nach seiner Fahrt im ersten Lauf nicht damit gerechnet hatte, dass es mit der Qualifikation für den zweiten Durchgang etwas werden könnte.

Es wäre wieder so gewesen wie in den vorangegangen 17 Weltcup-Riesenslaloms, in denen er ausgeschieden oder für eine Final-Teilnahme zu langsam war. Es blieb glücklicherweise beim Konjunktiv. Die Realität war eine ganz andere. Sie hielt etwas Gutes, Erfreuliches und Überraschendes bereit für ihn, der in seinem Leben als Spitzensportler noch nicht so oft auf der Sonnenseite stand. Endlich durfte er den Lohn entgegennehmen für seinen Willen und seine Beharrlichkeit, trotz vielen Rückschlägen und Gedanken an den Rücktritt nie aufgegeben zu haben.

Die Gedanken an den Rücktritt

«Dieses Resultat heilt viele Wunden», sagt Tumler. «Ich habe oft ans Aufhören gedacht, vor allem in Zeiten mit Verletzungen oder wenn es wieder einmal nicht so gelaufen ist, wie ich es mir erhofft hatte.» Ein ewiger Trainings-Weltmeister habe er nicht sein wollen. Der ausbleibende Erfolg habe ihn zweifeln lassen, und manchmal habe er gedacht, nicht für diesen Weg bestimmt zu sein. Tumler besann sich stets wieder um. Auch deshalb, weil ihn seine Familie, seine Freundin und auch die Trainer umzustimmen vermochten.

Er nennt weitere motivierende Fakten. Den auf diese Saison hin vollzogenen Markenwechsel von Atomic zu Fischer etwa. Oder die Zimmergemeinschaft mit Mauro Caviezel. Sein Kollege aus dem gleichen Kanton war sozusagen mit gutem Beispiel vorangegangen. Ein eiserner Wille, Überzeugung und Kampfgeist haben ihm erlaubt, sich aus jeder noch so aussichtslos scheinenden Lage zu befreien und doch noch ein erfolgreicher Skirennfahrer zu werden.

Zum Abschluss des verlängerten Weltcup-Wochenendes im WM-Ort von 1999 und 2015 war Tumler selber Vorreiter. Seine Leistung soll Sogwirkung haben und den Glauben der Riesenslalom-Fahrer in die eigenen Fähigkeiten weiter stärken. So besonders dieser Sonntagnachmittag in Beaver Creek für Tumler war. Er soll keine Ausnahme bleiben.

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