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Deutschland spielt nun gegen den Abstieg

Der Neustart nach dem WM-Debakel ist missglückt. Nach der ersten Niederlage gegen Erzrivale Niederlande droht Deutschland der Abstieg in Europas zweite Fussball-Liga.
Jogi Löw kann es kaum glauben: Deutschland wird von den Niederlanden gedemütigt (Bild: KEYSTONE/EPA/SASCHA STEINBACH)

Jogi Löw kann es kaum glauben: Deutschland wird von den Niederlanden gedemütigt (Bild: KEYSTONE/EPA/SASCHA STEINBACH)

(sda/dpa)

Schon wieder eine Demütigung: Der Absturz des deutschen Nationalteams geht rasant weiter. 108 Tage nach dem blamablen WM-K.o. gegen Südkorea droht Bundestrainer Joachim Löw mit dem DFB-Team nach dem 0:3 gegen Erzrivale Niederlande in der Nations League der Abstieg in die Zweitklassigkeit.

Captain Virgil van Dijk (30. Minute), der überragende Memphis Depay (86.) und Georginio Wijnaldum (93.) versetzten am Samstagabend in Amsterdam die rund 50'000 Oranje-Fans in der Johan-Cruyff-Arena in Jubelstimmung.

Die mit einer Fünf-Mann-Achse des kriselnden FC Bayern und Neuling Mark Uth angetretene DFB-Elf zeigte ähnliche Schwächen wie schon in Russland: Es fehlten Tempo, Frische, Spielwitz und Effizienz. «Hätten wir 0:1 verloren, wäre es akzeptabel gewesen. Dass wir dann so auseinanderfallen, ist es nicht», sagte ein sichtlich enttäuschter Löw. «Ein Abstieg wäre nicht wünschenswert. Jetzt müssen wir in Frankreich Charakter zeigen nach so einer herben Niederlage», ergänzte der Bundestrainer. Eine neu entflammende Debatte um seine Zukunft hält Löw nach der höchsten Niederlage seit elf Jahren für normal: «Damit muss man natürlich rechnen wenn man so eine Leistung zeigt», sagte Löw. Er sehe sich zuallererst in der Verantwortung.

Mats Hummels fand im Gegensatz zu Löw eine einfache Erklärung. «Es ist eine Frage der fehlenden Chancenverwertung. Wir haben 3:0 verloren in einem Spiel, das wir meiner Meinung nach gewinnen müssen. Mal haben wir Pech, mal geht ein Ball vorbei, mal ist es Unvermögen. Jetzt stehen wir mit 0:3 und werden auf die Fresse kriegen», sagte der Verteidiger unmittelbar nach Spielschluss im ZDF.

Selbstverständnis bei Deutschland ist weg

Nach der ersten Niederlage gegen Oranje seit 16 Jahren steht Deutschland (1 Punkt) am Dienstag gegen Weltmeister Frankreich (4 Zähler) als Tabellenletzter der Gruppe 1 hinter Holland (3) mit dem Rücken zur Wand. Gelingt in Paris kein Sieg, ist zumindest die erhoffte Qualifikation für das Finalturnier des neuen Wettbewerbs definitiv schon passé.

«Es muss jeder in sich reinhorchen. Jeder hat dem Trainer signalisiert, ein gutes Spiel zu machen. Wir haben auch im Training gute Leistungen gezeigt. Dass es hier heute auch anders hätte laufen können, hat man gesehen», sagte Captain Manuel Neuer nach der höchsten Niederlage seit dem 0:3 gegen Tschechien im Jahr 2007.

Uth - beim FC Schalke 04 noch ohne Saisontor - durfte als 100. Löw-Neuling gleich in der Startformation ran. In der Problemzone Sturmzentrum ging Uth energisch auf den Gegner und kam auch zu Abschlüssen. Ein Premierentor gelang ihm aber nicht. Der erst nach vielen Ausfällen nachnominierte Can war die zweite Überraschung in der Startaufstellung. Der Juve-Profi erledigte seine Aufgabe als energischer Sonderbewacher von Hollands Jungstar Frenkie de Jong ordentlich.

Zwar setzte die DFB-Elf gerade über die linke Seite manche Hoffnung machenden Akzente. Doch entweder war der schnelle Timo Werner (15.) im Abschluss zu überhastet oder Thomas Müller vergab gute Möglichkeiten wie nach einem Can-Pass (38.) viel zu leichtfertig. Bei der besten deutschen Chance scheiterte Müller in seinem 97. Länderspiel an Oranje-Schlussmann Jasper Cillessen (18.) - dem Bayern-Offensivmann fehlten einfach wie dem ganzen Team Zielstrebigkeit und Fortune.

Fehler in der Defensive, harmlos in der Offensive

Die jungen Niederländer brauchten einige Zeit, um ihren Respekt abzulegen. Offenbar fehlte noch der Glaube daran, dass diese deutsche Mannschaft mehr mit sich selbst zu tun hat, als dem Gegner das Spiel aufzwingen zu können. Zu behäbig und ausrechenbar war das Aufbauspiel von Toni Kroos und Joshua Kimmich.

Schonungslos wurden die Defensivmängel beim Gegentor offengelegt. Neuer segelte an der Ecke vorbei. Hummels und Jonas Hector behinderten sich beim Kopfball von Ryan Babel gegenseitig und van Dijk konnte den Lattenabpraller unbedrängt einköpfen. Wenig später hatten sich die nun mutigeren Gastgeber die Führung auch redlich verdient. Babel (34.) wurde von Matthias Ginter in höchster Not vom zweiten Tor gehindert. Wijnaldum (37.) zog knapp vorbei.

Die zweite Halbzeit begann wenig verheissungsvoll. Neuer strahlte weiter keine Sicherheit aus. Einen Schuss von Dumfries (49.) konnte der Bayern-Torwart nicht festhalten.

Löw wollte in seinem 168. Länderspiel als DFB-Chefcoach, mit dem er Sepp Herberger überholte, einen neuen Impuls setzen und brachte Julian Draxler und Leroy Sané für Müller und Can. Beide sorgten für Belebung, aber nicht für Effektivität. Die Riesenchance zum Ausgleich nach einem schönen Zuspiel von Kimmich vergab Sané (65.). Draxler versuchte sich mit einer Direktabnahme (69.) - auch ohne Erfolg.

Löw wollte noch mehr schnelle Spieler und wechselte auch Julian Brandt für Uth ein. Kontern konnte aber nun die Niederlande - gerade weil Boateng sichtlich angeschlagen war und Löw nicht mehr wechseln konnte. Was folgte war der Höhepunkt der deutschen Demütigung, als Depay und Wijnaldum in dern Schlussminuten auf 0:3 erhöhten.

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