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Bencic: «Er musste als Vater etwas zurückgehen aus meinem Leben»

Sie sind trotz einer kurzen Unterbrechung ein echtes Vater-Tochter-Erfolgsduo: Ivan und Belinda Bencic. Das Verhältnis hat sich aber verändert.
Ein bewährtes und eingespieltes Duo: Belinda und ihr Vater Ivan Bencic (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Ein bewährtes und eingespieltes Duo: Belinda und ihr Vater Ivan Bencic (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

(sda)

Belinda Bencic muss laut lachen. «Was, mein Vater hat eine Pressekonferenz gegeben? Auf englisch?», platzt es spontan aus ihr heraus. «Hat er es gut gemacht?» Tatsächlich interessiert die spezielle Beziehung zwischen Belinda und ihrem Vater Ivan noch immer. Auch, oder gerade, weil sie sich gewandelt hat.

Die Tenniswelt ist voll von Horrorgeschichten von Vätern, die ihre Töchter gnadenlos zu Höchstleistungen geradezu gepeitscht haben. Capriati, Pierce, Bacsinszky, Dokic, die Liste ist schier endlos. Belinda Bencic weiss das nur zu gut. Sie musste sich mindestens seit ihrem Durchbruch als Profi immer wieder dagegen wehren, in die gleiche Ecke gestellt zu werden.

Vielleicht nahm sie deshalb von 2017 bis im letzten Herbst eine Auszeit. Nicht vom Vater Ivan. Das ist ihr extrem wichtig zu betonen. «Er war und ist immer mein Vater. Daran hat sich nie etwas geändert», sagt die 22-jährige Ostschweizerin. «Was da zum Teil geschrieben wurde von Streit und Trennung war uns egal. Wir wussten immer, wie es wirklich ist. Er war, wie auch mein Mami, immer für mich da.»

Mit anderen Coaches funktionierte es aber nicht, Belinda merkte bald einmal, dass der Papa eben doch der Beste ist. «Er ist ein tougher Trainer», gibt sie zu. «Aber er kennt mich halt am besten, auch auf dem Platz.» Es ist aber heute viel eher eine Beziehung auf Augenhöhe.

Tennis und Privates besser getrennt

Bencic ist logischerweise erwachsener geworden, damit haben sich die Rollen von Vater und Coach stärker entwirrt. «Mit 16, 17 Jahren hat er mir auch gesagt, mach das, geh dann schlafen. Das ist nun anders», erzählt Belinda. «Er musste als Vater ein wenig zurückgehen aus meinem Leben. Wir können Tennis und Privates jetzt viel besser trennen.»

Der Vater bestätigt diese Einschätzung. «Die Ablösung ist auch ein Lernprozess», sagt Ivan und schmunzelt: «Das kennen alle Eltern hier drin.» Wenn man den beiden zuhört, erhält man tatsächlich nie den Eindruck einer dieser «vergifteten» Tennisväter-Beziehungen. Dazu gehört, dass seit einigen Monaten auch Belindas Freund und Fitnesscoach Martin Hromkovic mitreist. «Wir haben den nötigen Respekt voreinander», sagt Ivan Bencic. «Er war auch Mannschaftssportler, ist anständig und hat einen ähnlichen Humor wie ich.» Und das Wichtigste: «Er tut Belinda gut.»

Ivan sieht eine schöne Entwicklung in seiner Tochter. «Sie ist reifer geworden. Und ich denke, sie kann ihre Erfolge heute mehr geniessen und besser einordnen als früher.» Dazu gehört auch der Umgang mit den Erwartungen. Vor fünf Jahren, als Bencic am US Open als 17-Jährige zum ersten und bislang einzigen Mal in einem Grand-Slam-Viertelfinal stand, reagierte Vater Ivan noch verärgert gegenüber den Schweizer Medien wegen des Hypes, den sie um Belinda entfachten. Nun ist er wesentlich relaxter.

Keine Erwartungen

«Druck ist ein Privileg», zitiert er eine Aussage der grossen Billie Jean King, deren Foto in den Katakomben des Arthur Ashe Stadiums an der Wand prangt. Man muss ihn sich erarbeiten. «Damit umzugehen ist aber auch eine Frage der Routine», weiss Ivan Bencic. «Man muss das lernen.» Er bewundert Roger Federer oder Novak Djokovic, wie sie mit diesem Druck umgehen, praktisch immer gegen schlechter Klassierte zu spielen.

Belinda Bencic ist daran, das zu lernen, aber das Vater-Tochter-Duo versucht auch, die Erwartungen nicht zu gross werden zu lassen. Gegen Nummern 1 wie Naomi Osaka, die sie am Montag im Achtelfinal ausschaltete, hat sie eine unglaublich gute Bilanz. Es sind eher die anderen Matches, die zuweilen die grössere Herausforderung sind. Wie der Viertelfinal heute Mittwoch (18.00 Uhr Schweizer Zeit) gegen die «nur» als Nummer 23 gesetzte Donna Vekic, die erstmals an einem Grand-Slam-Turnier so weit gekommen ist?

«Genau nicht», wehrt sich Belinda Bencic energisch. «Das müsst ihr gar nicht versuchen.» Ob Osaka oder Vekic, man könne gegen alle gewinnen oder verlieren. «Es gibt keine Favoritenrolle.» Wichtiger ist für sie wohl, dass die Partie im riesigen Arthur Ashe Stadium stattfindet. «Ich liebe diese grossen Plätze», freut sie sich.

Und dann gibt es da noch einen kleinen Trick: «Vielleicht stelle ich mir ja einfach vor, dass sie eine Top-Ten-Spielerin ist», meint sie lachend. Das wird sie im Idealfall noch mehrere Male tun müssen. In ihrer Tableauhälfte ist Bencic als Nummer 12 der Welt nämlich die bestklassierte Spielerin, die übrig ist.

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