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Aus der Traum von der Königsklasse

Analyse zum Scheitern der Young Boys in den Champions-League-Playoffs gegen Roter Stern Belgrad
Markus Brütsch
Das Bild täuscht: Die Young Boys mit Roger Assalé können die Hürde Roter Stern Belgrad nicht überspringen (Bild: key).

Das Bild täuscht: Die Young Boys mit Roger Assalé können die Hürde Roter Stern Belgrad nicht überspringen (Bild: key).

Champions League, wann sehen wir dich wieder? Nach dem alles andere als zwingenden Out der Young Boys gegen Roter Stern muss sich die Fussballschweiz die Frage stellen, ob die Königsklasse je wieder in unser Land zurückfindet. Die Berner waren nach dem 2:2 im Hinspiel auch in Belgrad das bessere Team, erreichten aber nur ein 1:1 und verpassten aufgrund der Auswärtstorregel den Einzug in die Gruppenphase der Champions League.

Gut möglich also, dass hierzulande die Gastspiele von Manchester United, des FC Valencia und von Juventus in der letzten Saison für viele Jahre die letzten von Vereinen dieses Kalibers waren. Das ist nicht Schwarzmalerei, sondern die Realität. Die Türen zu diesem erlauchten Kreis sind inzwischen nur noch einen Spalt weit offen, weil die Grossen den Kleinen mit einem fixen Kontingent die Plätze wegnehmen und die Schweiz nach schwachen Resultaten im Länderranking der Uefa so weit abgerutscht ist, dass die vielen Qualifikationsrunden die Chancen auf eine Teilnahme verringern. Und eines nicht so fernen Tages, so ist zu befürchten, wird die vornehme Gesellschaft eine geschlossene sein.

Wer in die Königsklasse will, muss Belgrad schlagen

So gesehen ist es besonders schade, dass den Young Boys nun nicht wenigstens noch ein letzter Tanz auf dem Parkett der Champions League vergönnt ist. Aber man kommt nicht umhin zu sagen, dass Roter Stern schlagen muss, wer in die Gruppenphase will. Dies jedoch haben die Berner nicht geschafft. Sie dominierten zwar auch gestern die extrem passiven Gastgeber, liefen aber nach einer Stunde in einen Konter und kassierten durch Aleksa Vukanovic das 0:1. Die YB-Abwehr hatte sich zu leicht ausspielen lassen. Dann brachte Trainer Gerardo Seoane seine Edeljoker Guillaume Hoarau und Miralem Sulejmani, und nach einem Schuss von Saidy Janko lenkte Nabouhane acht Minuten vor Schluss den Ball zum 1:1 ins eigene Tor. Zu mehr aber reichte es YB nicht. Die durch Abwehrfehler eingehandelten Gegentore beim 2:2 im Hinspiel erwiesen sich letztlich als zu grosse Hypothek.

Haben die Berner grundsätzlich etwas falsch gemacht? War ihr Umbruch nach dem Gewinn des zweiten Meistertitels zu drastisch? Es kann schon sein, dass jene Mannschaft, die sich exakt vor einem Jahr in den Playoffs gegen Dinamo Zagreb durchgesetzt hat, nun auch die Belgrader aus dem Weg geräumt hätte. Aber zusammenzuhalten war dieses Team nicht. YB musste erfahren, wie unberechenbar das Fussballgeschäft ist. So hatte man nach dem ersten Titel erwartet, einige Titulare würden weggekauft; aber nichts passierte. In diesem Sommer hat YB dann aber drei Viertel seiner Abwehr verloren und mit Djibril Sow den Taktgeber im Mittelfeld. Weil überdies Verletzungspech Einzug hielt, kam es dazu, dass im Hinspiel gegen Roter Stern mit Nicolas Ngamaleu gerade mal noch ein einziger Feldspieler in der Startformation stand, der auch schon im Heimspiel gegen Zagreb begonnen hatte.

Man kann den Gelb-Schwarzen nicht vorwerfen, sie seien auf diese Situation nicht vorbereitet gewesen. Sie haben ihre Hausaufgaben gut erledigt und die Abgänge antizipiert, brauchen aber noch etwas Zeit, bis die Automatismen, gerade in der Defensive, funktionieren. In der Super League läuft es ergebnismässig wie geschmiert, weil sich hier Patzer noch ausbügeln lassen. Nicht aber auf internationaler Ebene, wie im Hinspiel brutal vorgeführt. Dafür sind die Berner nun im wahrsten Sinn des Wortes cash bestraft worden. Statt 30 Millionen Franken an Einnahmen werden sie in der der Europa League, je nach Gegner, acht bis zehn Millionen generieren.

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