Am Boxing Day wird nur in der englischen Premier League gespielt

Unsinn oder gern gepflegte Tradition? Mit dem Spieltag am Stephanstag hegt die Premier League ein Alleinstellungsmerkmal. Höhepunkt am Boxing Day ist das Spitzenspiel zwischen Liverpool und Leicester.

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Am Stephanstag, dem englischen Boxing Day, wird nur in der Premier League gespielt

Am Stephanstag, dem englischen Boxing Day, wird nur in der Premier League gespielt

KEYSTONE/AP/Matthew Lawson
(sda/dpa)

Jürgen Klopp lässt der Weihnachtstrubel des FC Liverpool ungewöhnlich kalt. Die Belastung durch die Reise zur Klub-WM nach Katar? Das stramme Programm zum Jahreswechsel? «Es ist alles gut», sagte der deutsche Trainer, als er auf die Strapazen angesprochen wurde. Das war in den vergangenen Jahren auch schon anders. Da beklagte sich Klopp über die hohe Belastung zum Jahreswechsel.

Am 26. Dezember, dem Boxing Day, tritt der Tabellenführer der Premier League heuer zum Spitzenspiel beim zehn Punkte zurückliegenden Verfolger Leicester City an. Mit Xherdan Shaqiri, aber ohne Alex Oxlade-Chamberlain, der wegen einer Knöchelverletzung für mindestens zwei Spiele aussetzen muss.

Für Leicesters Trainer Brendan Rodgers ist das englische Fussballprogramm zum Jahreswechsel hingegen schlicht «Unsinn». Ähnlich deutlich hatte es Klopp in den Vorjahren auch ausgedrückt. «Die Spieler sind keine Roboter, das ist kein Computerspiel», sagte Rodgers nun über den Spielplan. Am Samstag noch die 1:3-Niederlage bei Manchester City, am zweiten Weihnachtstag gegen Liverpool, zwei Tage später bei West Ham United und am Neujahrstag in Newcastle - atemlos durch die Weihnachtszeit.

Pep Guardiola, dessen Klub Manchester City wie vier weitere Vereine ab Freitag zwei Spiele in 48 Stunden bestreiten muss, flüchtet sich in Sarkasmus. «Ich habe einen Dankesbrief an die Premier League geschrieben», sagte er, «nach dem Spiel gegen Wolverhampton setzen wir uns in den Kühlschrank, um uns auf Sheffield vorzubereiten.»

Fussballerischer Hochgenuss ist angesichts der Belastung nicht zu erwarten. Mit Grausen erinnert sich Jürgen Klinsmann an das üble Weihnachtsgekicke zu seiner Zeit Mitte der Neunziger als Stürmer bei Tottenham Hotspur: «Das Spiel am 27. konntest du gar nicht mehr anschauen, da gab's nur lange Bälle.» Damals wurde nicht nur am 26., sondern auch am 27. Dezember gespielt.

Während in England durchgespielt wird, pausieren alle anderen Ligen. Spanien bis am 3. Januar, Italien bis am 5. Januar und die Bundesliga beginnt erst am 17. Januar mit der Rückrunde. In der Schweiz nimmt die Super League am 25. Januar ihren Spielbetrieb wieder auf.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts rollte auf der Insel der Ball am Christfest. Bis in die Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts wurde sogar am ersten Weihnachtstag ein kompletter Spieltag ausgetragen. Der heutige Zweitligist Brentford soll damals mit dem sexistischen Motto geworben haben: «Männer gehen zum Spiel, während die Frauen in der Küche kochen.» Denn nach dem Stadionbesuch gab es das Festmahl. Weil Mitarbeiter im öffentlichen Nahverkehr am 25. Dezember freibekamen, fuhren Busse und Bahnen nicht mehr. Der zweite Feiertag dient deshalb seit 1966 als Ersatz.

Boxing ist das englische Wort für Einpacken. Der «Boxing Day» entstand im 19. Jahrhundert zu Zeiten von Königin Victoria. Damals war es üblich, dass die reichere Bevölkerung Weihnachtspakete schnürte, um sie ärmeren Menschen und Angestellten zu geben. Bedienstete hatten am 26. Dezember frei und bekamen an diesem Tag von ihren Herren ihr Weihnachtspaket.